DANKE!!!!!!!

Da haben wir uns riesig gefreut, das wir so eine tolle Spendensumme von Euch ( Irmgard, Jutta + Mario, Martina + Michael, Wolle + Martina, Ulrike W., Regine , Ingrid + Herbert, Andreas + Erika, Brigitte, Lorena + Frank) für „One Happy Family“ überwiesen bekommen haben.

Wir haben sie nun wie versprochen aufgerundet und überweisen heute

                                                        750,00€

WUNDERBAR!!! DANKESCHÖN!!!

Anbei noch ein paar Fotos, auf denen ihr sehen könnt, welcher Neuaufbau auf Lesbos nach dem Brand wieder zu leisten ist.

 

Dank Eurer und vieler anderen Spenden kann es nun bald losgehen mit dem Wiederaufbau.

Bald erfahrt ihr dann im nächsten Blog, wo wir zurzeit unterwegs sind und was wir erlebt haben.

 

Eure SuMi im TrauMobil

 

Kurze Zwischennachricht: One Happy Family brennt!

Heute haben wir voller Bestürzung erfahren, dass bei „One  Happy Family“ auf Lesbos, wo wir im Rahmen  unserer Reise  auch in der Flüchtlingshilfe gearbeitet haben, heute Abend ein großer Brand ausgebrochen ist, wahrscheinlich aufgrund von Brandstiftung aufgrund der schlimmen Situationen auf Lesbos im Moment. Das Schulgebäude sowie die Büros und weitere Gebäude sind komplett abgebrannt.


Es ist uns ein Herzensanliegen – weil wir viele Menschen dort kennen- dass wir „One Happy Family“  in dieser schlimmen Situation unterstützen.


Wenn möglichst viele  Leser unseres Blogs eine Spende zum Wiederaufbau leisten möchten, könnt ihr diese gerne uns überweisen (auch kleine Spenden helfen), wir runden dann die Summen auf und sorgen dafür, dass das Geld eins zu eins bei One Happy Family ankommt.
IBAN DE94 3706 9520 5008 2430 10, VR Bank Rhein-Sieg eG, Stichwort „ OHF Lesbos“ oder über Paypal an michaelhabert@web.de, Stichwort „OHF Lesbos“

Abschließend geben wir hier auch bekannt, wieviel dabei zusammen gekommen ist.
DANKE!!!!!!!!

Viele Grüße aus der Ferne von Susanne und Michael

Noch nicht das Ende der Reise

Wer nun liest, wo wir derzeit sind und wo wir den Beginn des neuen Jahres 2020 feierten, mag vielleicht erstaunt sein; zumindest jedoch all diejenigen, die nicht so regelmäßig unseren Reiseblog verfolgen. Möglicherweise werden einige Leser denken, nun sei unsere Europareise mit unserem TrauMobil beendet. Voller Freude können wir jedoch sagen, dem ist nicht so…

„Noch nicht das Ende der Reise“ weiterlesen

Weihnachten in Griechenland? – Teil 3

Zurück auf das griechische Festland bin ich mit einer fetten Grippe gekommen, die sich inzwischen zu einer unangenehmen asthmatischen Bronchitis mit wirklich schmerzhaftem Husten gewandelt hat. Micha hat indessen einen sehr miesen Grippeinfekt mit Fieber,Schüttelfrost, Schlappheit u.m. Das hat der Arzt in Volos zumindest gesagt. Doch dazu am Ende mehr.
Hier auf dem Campingplatz „Hellas“, wo wir unser Weihnachtsquartier aufgeschlagen haben, werden wir sicher genug Zeit und Hilfe zum gesund werden bekommen… „Weihnachten in Griechenland? – Teil 3“ weiterlesen

Griechenland Teil 2 – Lesbos

Unser Arbeitseinsatz bei One Happy Family

Nun ging es also nach Lesbos – auch Lesvos genannt – , die drittgrößte Insel Griechenlands. Wie bereits in einem der ersten Blogeinträge erwähnt, waren Jesko und ich bereits schon einmal hier, um bei One Happy Family, abgekürzt OHF, einem Community-Center von swisscrosshelp (https://swisscross.help.de) in der Flüchtlingshilfe zu arbeiten.

Bevor wir uns in Piräus gegen 17:00 Uhr auf die Fähre begaben, hatten wir einen Zwischenstopp in der Stadt Nafplio gemacht und auf dem großen Fährparkplatz den deutschen Rentner Peter kennengelernt. Er kommt seit vielen Jahren trotz seines hohen Alters mit seinem Camper hier hin, um in der Nähe mit den Familien der Sinti und Roma Mittagessen zu kochen und alles mögliche zu organisieren- immer hat er sein Wohnmobil voll mit ausrangierter Kleidung, Spielzeug für die Kinder und anderem aus Deutschland gesammelten Gegenständen – bewundernswert! Seit einiger Zeit trifft er sich hier mit einem anderen Peter, der ihn bei seinen Aufgaben vor Ort gerne unterstützt. Von Peter 1 haben wir säckeweise Verbandsmaterial und Spielzeug übergeben bekommen, die wir nun mit zum OHF nahmen.

Die Fähre buchten wir schon vorher online (=billiger) und die Mitarbeiter lotsten unser TrauMobil allerdings auf der Fähre unter eine bewegliche Rampe – wahrscheinlich um den Platz optimal ausnutzen zu können -; aber etwas mulmig wurde uns schon, als sich diese Rampe während der Beladungszeit mehrmals bedenklich nahe an das Dach unseres TrauMobils bewegte; aber alles ging gut.

Ich hatte zwar die angeblich etwas bequemeren Business-Sitze an Deck gebucht, aber ich unterschätzte doch die lange Fahrzeit von 17 Stunden in der Nacht. Fazit: Bequem und ruhig war die Zeit dann wirklich nicht: Die Fähre hielt an insgesamt acht Haltepunkten an den verschiedenen Inseln auf dem Weg bis nach Lesbos und jedes Mal rasselten die Ankerketten sehr laut, außerdem war das Licht die ganze Nacht taghell angeschaltet und drei Fernseher liefen mit unterschiedlichen Programmen die ganze Nacht über in unserer Sichtweite. Als wir dann morgens gegen 10:00 Uhr auf Lesbos ankamen, waren wir ziemlich gebügelt, Susanne drehte mehrmals ihren Magen um.

Nach dem ausführlichen Durchsuchen nach Drogen mithilfe eines Spür-Hundes, der auf unseren Tisch und Bett sprang und natürlich nichts fand, begaben wir uns schließlich auf den Weg zu unserem „Stellplatz“: Mit dem Wohnmobil auf Lesbos, dasrüber informierten wir uns vorher im Internet, ist eher eine Ausnahmeerscheinung. Und so hatten wir auch viele Schwierigkeiten, für vier Wochen überhaupt einen Stellplatz zu finden. Nach vielen erfolglosen Versuchen gab ich dann einfach im Internet die Worte „Wohnmobil – Lesbos – Flüchtlingshilfe“ ein und – siehe da – ich stieß auf einen Reiseblog von Maren und Ralf, die vor einiger Zeit ebenfalls mit dem Wohnmobil auf Lesbos Flüchtlingshilfe leisteten und die ich dann entsprechend kontaktierte. Maren bestätigte uns, das es eigentlich unmöglich sei, einen gesicherten und erlaubten Stellplatz für vier Wochen auf Lesbos zu finden, nannte mir allerdings ein Hotel, auf dessen Parkplatz wir vielleicht stehen könnten, auch weil die Inhaber selbst in der Flüchtlingshilfe aktiv sind. Aber dieses Hotel war bereits wegen Wintersaison geschlossen.

Maren nannte uns dann noch Sabine und Dirk, ein Ehepaar aus Deutschland, die auf Lesbos seit einigen Jahren eine Reiseagentur betreiben. Durch diesen Kontakt und deren wunderbare Hilfe erhielten wir dann die Möglichkeit, bei den Princess – Studius (Hotel) in der Nähe von Mytilini, der Hauptstadt von Lesbos, zu stehen. Wir fuhren dorthin, jedoch dieses Hotel war ebenfalls bereits geschlossen, kein Mensch in der Nähe zu sehen. Sabine kontaktierte dann erneut den Besitzer und nun klappte es: Gegen einen Pauschalbetrag von 100 € (Ohne Strom, Wasser, WC…) durften wir hier nun vier Wochen stehen.

So dachten wir es, aber es kam anders. Das haben wir auf unserer Reise auch lernen müssen, das man als Camper auf so einer langen Reise sehr flexibel sein muss und sich immer wieder neue unvorhersehbare Situationen ergeben, die ein völliges Umdenken erfordern; interessant und spannend, aber manchmal auch nervig. Wir standen eine Woche auf diesem Parkplatz am Princess – Hotel, als es abends, als wir gerade zu Bett gehen wollten, an unserer Türe klopfte. Der Besitzer des Hotels teilte uns mit, das wir den Platz spätestens am nächsten Morgen verlassen müssten. Es sei nicht erlaubt auf dem Platz zu nächtigen, parken wohl schon, aber nicht „campen“. Als Grund gab er an, die Inselregierung habe das aktuell angeordnet, er könne nichts dafür. Es schien uns nicht so ganz stichhaltig zu sein, insbesondere dass an einem Sonntag die Inselregierung ihn – wie er uns sagte – darauf angesprochen habe. Wir machten unseren Unmut deutlich, insbesondere da es ja sein privater Parkplatz sei, aber hier in Griechenland gelten nun mal andere Gesetze. Später erzählte uns Sabine, dass es auch sein könne, dass der Besitzer vielleicht andere Schwierigkeiten mit der Regierung habe und er seine Beziehung wegen unserer Übernachtung nichts aufs Spiel setzen wollte. Wie auch immer, das Ergebnis war das Gleiche: Wir mussten weg.

So setzten wir uns hin und nahmen erneut mit Sabine Kontakt auf, meldeten uns beim OHF, schilderten unsere aktuellen Schwierigkeiten und baten alle um Hilfe. Am späten Abend meldete sich dann Sabine und berichtete uns, das sie in einer Bucht weiter weg von unserem Platz auf der Insel vor ein paar Tagen zwei Wohnmobile stehen gesehen habe. Sie sandte uns den entsprechenden Standortlink und wir beschlossen noch am selben Abend in völliger Dunkelheit mit unserem kleinen Mietwagen dorthin zu fahren. Es ging über sehr kurvige Straßen zu dem genannten Platz der Insel, etwa 45 Minuten entfernt zur Hauptstadt und eine Stunde entfernt vom OHF.

Dort standen tatsächlich zwei Wohnmobile. Wir sprachen die dortigen Camper an und es stellte sich heraus, dass es zwei holländische Familien waren, die bereits seit zwei Monaten hier campten, nie Schwierigkeiten mit der Polizei gehabt hatten und ebenfalls als Flüchtlingshelfer bei einer anderen NGO (=Nichtregierungsorganisation) tätig waren. Hier landen auch öfter Flüchtlinge mit ihren Booten und wenn das der Fall sei, würden sie – und dann wir natürlich auch – diesen zunächst helfen, um sie danach über eine Notrufnummer zu melden, damit sie in das Flüchtlingscamp gefahren werden. Die Reste von Rettungsreifen und Booten fanden wir beim genauen Betrachten unseres großen Stellplatzes überall in Büschen, wie ebenso ehemalige Bunker…

Hier am neuen Platz nett an einem kleinen Waldrand zum Strand gelegen gab es sogar eine Stranddusche und ein Waschbecken, zwei große Müllcontainer, sowie eine einsame Beleuchtung – und das kostenlos. Wir freuten uns, erleichtert nun dank Sabine eine Lösung gefunden zu haben, fuhren am nächsten Morgen noch früher los als sonst und parkten unser Wohnmobil dort am Strand.

Nach einer Woche fuhren die beiden Holländer weiter und wir standen nunmehr ganz alleine an dem weiten Strand ziemlich direkt oberhalb des Meeres. Wenn wir zu Hause waren, fühlte sich alles sicher und gut an; aber wir hatten doch etwas Sorge, dass während unserer täglichen langen Abwesenheitszeit, während wir bei OHF arbeiteten, eingebrochen würde: Aber zum Glück und Gott- sei- Dank passierte nichts! – Dafür erlebten wir an diesem Platz stets wunderschöne Sonnenauf- und -untergänge.

Zurück zu unserem Ankunftswochenende auf Lesbos: Nach der aufregenden Fährenüberfahrt verbrachten wir das Wochenende viel mit Schlaf nachholen und ausruhen, gespannt, was im OHF auf uns zukäme.

Die Situation auf Lesbos ist zurzeit folgende: Nachdem die Türkei in Syrien einmarschierte, stiegen die Flüchtlingszahlen auf Lesbos wieder kontinuierlich an. In Moria, dem Flüchtlingscamp der Regierung, was ungefähr fünf Kilometer vom OHF entfernt liegt, und welches normalerweise für knapp 3.000 Flüchtlinge gedacht war, leben mittlerweile über 14.000 Menschen unter katastrophalen Zuständen. Es gibt einige wenige Container zum Wohnen, aber die meisten Menschen leben in UNHCR – Zelten (UNHCR: UN Refugee Agency) bzw. in kleinen gespendeten Igluzelten oder sie schlafen auf der blanken Erde. Es gibt nur wenige Duschen und Toiletten, alles eigentlich eine unhaltbare und eine für Europa absolut unwürdige und beschämende Situation. Die Flüchtlinge warten hier teilweise bis zu drei Jahre (!) auf einen Termin bei der Behörde, um überhaupt erst einmal ihren Antrag auf Asyl stellen zu können, der sie dann irgendwann nach Genehmigung berechtigen würde, auf das Festland zu kommen.

An einem Montag begannen wir dann unsere viereinhalbwöchige Arbeit im OHF. Ich kannte im Gegensatz zu Susanne – für die es in der ersten Woche sehr schwer war – schon viele Abläufe, aber es hat sich in den letzten Jahren doch sehr viel geändert, und so musste auch ich wieder viel Neues dazu lernen: Die ganze Arbeit ist sehr viel organisierter und es gibt viele Hilfestellungen und Ansprechpartner für die zurzeit etwa vierzig Volontäre. Die meisten Volontäre kamen aus der Schweiz, aber auch aus Deutschland, Großbritannien, Australien und Frankreich. Die „Arbeitssprache“ (Verständigung) ist für alle englisch. Das Besondere an dieser NGO ist, dass es immer paritätisch besetzte Teams von Volontären und „Helfern“ gibt – Helfer, die auch selbst Flüchtlinge sind. Dadurch arbeiten zum Einen alle gemeinsam an den Aufgaben und die unterschiedlichen Fähigkeiten der Volontäre und der Helfer werden am besten umgesetzt; zum anderen arbeiten Volontäre und Helfer auf Augenhöhe! So sieht das Gelände und einzelne Stationen in OHF aus:

Anhand der nachfolgenden Fotos könnt ihr ersehen, dass es jeden Morgen eine Besprechung gab und sich alle Volontäre für die verschiedenen Aufgaben meldeten – und es gab immer viel zu tun. Wenn außergewöhnlich viele Flüchtlinge, die wir hier „Besucher“ nennen, zu uns kamen – zum Beispiel am sogenannten „Chickenday“ (dem einzigen Tag in der Woche, an dem es Fleisch gab), besuchten uns immer besonders viele, manchmal bis zu 1.400 Menschen – mussten wir im Laufe des Tages auch Aufgaben wechseln oder zusätzlich übernehmen. Die Abstimmung untereinander lief über „Whatsapp“, so erhielten wir täglich meistens zwischen 20 und 30 Nachrichten auf unseren Handys.

Die Arbeiten an sich waren nicht so sehr körperlich anstrengend (Geschirr für 1.400 Menschen spülen, Bedienung im Café, Kinderbetreuung im sogenannten „Nest“, Reinigungsarbeiten, Registrierung der Flüchtlinge und vieles mehr). Aber die Eindrücke der vielen Menschen auf dem relativ kleinen Areal und deren bewegende Geschichten und Schicksale, haben uns bereits nach der ersten Woche so sehr bewegt und berührt, dass wir oft am jeweiligen Abend, aber auch an den arbeitsfreien Wochenenden, ziemlich müde und fertig waren.

Am ersten Wochenende wollten wir uns daher etwas Gutes gönnen und besuchten die heiße Therme in der Nähe der Hauptstadt. Diese war zum einen Teil schon etwas in die Jahre gekommen mit abblätternder Farbe, Steingriesel auf dem Boden der Becken – zum anderen Teil aber eher luxuriös eingerichtet und wir fühlten uns sichtlich unwohl, neben sehr gestylten Menschen mit deren Coktailgläsern im warmen Außenpool (!), während wir wussten, dass keine drei Kilometer entfernt viele Menschen auf dem Boden draußen schlafen mussten. Daher wurde der Besuch dieser Therme während unserer Zeit auf Lesbos nur eine einmalige Sache.

Susanne blühte nach der Eingewöhnung im „Nest“ bei den Kindern merklich auf und konnte ihre gesamte Erzieherin – Erfahrung einbringen. Als Vorbereitung dazu musste sie auch noch zusätzlich zur Volontär – Einführung am ersten Tag eine Online-Schulung zum Thema „Traumatisierte Kinder“ absolvieren.

Mein Favorit bei den verschiedenen Aufgaben war die Arbeit bei der sogenannten „Bank“.

Der Grundgedanke von OHF – bereits von Anfang an – ist ja immer nach dem Grundsatz „Mit den Menschen – statt für sie“.

Im Fall der Bank ist die Idee, dass jeder Besucher der zum OHF kommt eine sogenannte Lokalwährung erhält, die „Drachma“. Diese stellt sicher, dass die Menschen fair und zu gleichen Teilen von den Projektangeboten profitieren können; zudem entsteht durch das „Bezahlen statt Betteln“ ein Gefühl der Normalität. Jeder Besucher erhält eine gewisse Anzahl von Drachmen pro Tag von der Bank und kann dann aussuchen, welche Angebote er damit beziehen möchte (Getränke kaufen, Kopien anfertigen lassen, im Shop subventionierte Körperpflegemittel oder Spielzeug einkaufen, Internetnutzung am Laptop bezahlen, Friseur bezahlen etc.). Das hilft, den individuellen Bedürfnissen der Besucher gerecht zu werden.

Bankangestellte Hassan und ich
Mit Julia in der Bank

Wenn ihr Euch ein umfassenderes Bild von OHF und deren Arbeit machen wollt, erfahrt ihr über diesen Link mehr:

https://ohf-lesvos.org.de

Wie schon erwähnt, brauchten wir die Wochenenden immer für unsere körperliche und geistige Erholung – lesen, faulenzen, mit Brett-Spielen die Zeit vertreiben etc.-, aber auch die täglichen Aufgaben der Woche mussten nachgeholt werden, wie Wäsche waschen, einkaufen, „Hausputz“. An einem Sonntag bekamen wir sogar Besuch von zwei Volontärinnen aus der Schweiz.

Romy und Susanne

Am jeweils letzten Tag eines Volontärs darf diese/r sich wünschen, welche Aufgaben sie/er erledigen möchte. Für Susanne war es selbstverständlich ein „Kindertag“ im Nest, während ich nach einigem Hin- und Her überlegen mich entschloss für eine Weile in meine Clownrolle zu schlüpfen. Es war ein Regentag und nicht viele Besucher würden kommen. Aber mit Susannes Schminkhilfe und der roten Nase verwandelte ich mich und überraschte und erfreute damit nicht nur die Kinder, sondern sehr viele Männer. Viele wollten sich gerne mit mir fotografieren lassen und alle hatten wirklich sehr viel Spaß mit dieser Überraschung.

Insgesamt war es eine sehr erfüllte, aber auch sehr anstrengende Zeit für uns auf Lesbos.

Wir haben dort wunderbare Menschen kennengelernt (Besucher, Helfer, Volontäre). Beim Abschied gingen wir daher mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Noch an der Fähre, kurz vor unserem Start wurde ich Zeuge einer für mich sehr traurigen Situation:

Wir standen bereits mit unserem Wohnmobil auf einer Stelle, die uns vom Personal zugewiesen wurde, mussten diese dann jedoch wechseln. Weil bereits ein LKW hinter uns stand, ging ich dorthin, um den Fahrer zu bitten, etwas rückwarts zu fahren.

Dort muste ich dann mit ansehen, wie der Fahrer mit einem armdicken Holzpflock mit aller Kraft auf seinen geschlossenen Anhänger einschlug, um die von ihm kurz zuvor entdeckten „blinden Passagiere“, zwei Flüchtlinge, dazu zu bringen, herunter zu springen. Als diese sich weigerten, begann er mit dem Holzpflock auf deren Füsse einzuschlagen. Ich ging dann ganz nahe heran und forderte den Fahrer dazu auf – er sparach allerdings kein englisch – , das zu unterlassen und winkte den Flüchtlingen, um sie dazu zu bewegen, den Lastwagenanhänger zu verlassen, was diese dann auch kurz darauf machten. Ich glaube im Nachhinein, das meine Anwesenheit den Fahrer zumindest dazu brachte, aufzuhören.

Die Flüchtlinge flohen dann zu Fuß in Richtung Hafeneingang. Da wir noch weiter warten mussten, ging ich zum Hafeneingang zurück und suchte die beiden jungen Männer. Sie berichteten mir, dass sie aus Afghanistan seien und versuchen wollten, mit dem Lastwagen auf das Festland zu gelangen. Ich gab ihnen dann die Adresse von One Happy Family und erklärte ihnen, das sie dort weitere Hilfe bekämen und gab ihnen auch unaufgefordert etwas Geld in die Hand. Dieses wollten sie zunächst nicht annehmen, ich aber bestand darauf. Sie bedankten sich mehrfach und ich ging zu unserem Wohnmobil zurück …betroffen, traurig, wütend, beschämt …

Im Bauch der großen Fähre in Richtung Kavala geht es nun zurück auf das griechische Festland. Hier stellen wir nun während unserer Überfahrt den Blog fertig.

Ein letzter Satz: Wir nehmen vieles von Lesbos in Gedanken und im Herzen mit und es wird nicht ohne Nachwirkung auf uns, unsere Gefühle und Meinungen bleiben.

Bis bald, euch allen eine schöne und friedliche Adventszeit

Eure SuMi im TrauMobil

Griechenland – Teil 1

Da sind wir nun – im EU-Land Griechenland – und ziemlich bald lässt unsere anfängliche Euphorie nach; zu den Gründen innerhalb des Blogs mehr …

Gleich an der Grenze werden wir bzw. unser TrauMobil durchsucht; der Grenzbeamte ist freundlich und sagt auf Englisch, man suche nach Marihuana und ob wir welches mitführen würden. Klar doch, tonnenweise.

Nein, natürlich nicht und logischerweise findet er auch nichts dergleichen. Stattdessen steckt er eine Pinnnadel in unsere Europakarte (bei Griechenland) und wünscht uns eine gute Weiterfahrt. Das ganze Prozedere mit der Warteschlange an der Grenze bei Kakavia – Ktismata dauert etwa eine Stunde. Dann fahren wir glücklich weiter; das jedoch nur, um ca. zehn Minuten später auf der Straße von drei Polizisten herausgewunken zu werden.

„Griechenland – Teil 1“ weiterlesen

Lamtumire Shqiperi – Auf Wiedersehen Albanien

(über den beiden „e“ Buchstaben im albanisch geschriebenen kommen jeweils zwei Punkte wie bei unserem ä/ü/ö )

Ich denke, manche Länder haben es mehr verdient, von uns ausführlich bereist, besucht, erforscht und kennengelernt zu sein – jedoch schauen wir immer auch auf unsere eigenen Bedürfnisse, auf unser Reise- Gefühl und das, was für uns beide das Richtige und wann wir meinen, dass es wieder Zeit zum Aufbruch ist. So ergeht es uns in Albanien. Irgendwie sind wir kaum da und wollen schon wieder weiter. Zu Unrecht, denn das Land hat einiges an Schönem zu bieten und wir haben auch in der kurzen Zeit wunderbare Erlebnisse.

„Lamtumire Shqiperi – Auf Wiedersehen Albanien“ weiterlesen

Erstens kommt es anders – zweitens als man denkt!

Nun also zu unserem zweiten Einsatz als „Wwoofer“, diesmal in Montenegro in Belavici, nahe des Ortes Radovici, nachdem wir ja letztes Jahr einen ersten Arbeitseinsatz in Portugal hatten.

Für diesen Einsatz hier hatten wir uns vorher mit Olga, der Frau vom Bauernhof, per Whatsapp besprochen und vereinbart, was auf uns zukommen würde und wie unser Arbeitseinsatz aussehen sollte.

Tagsüber bereiteten wir uns auf einem kleinen Parkplatz in der Nähe des Meeres etwas zum Mittagessen zu und machten uns dann gegen 15:30 Uhr auf den Weg direkt zu der Farm. Die Straßenverhältnisse waren etwas schwierig – viele Schlaglöcher, teilweise nur Schotterpiste – aber wir waren guter Dinge; wussten wir ja noch nicht, was uns dort erwartete.

Im zweiten Teil des Weges dorthin dachten wir dann schon etwas wehmütiger an die besseren Straßen von vorher zurück, da es nun in vielen sehr steilen Serpentinen, meistens ohne Wegbegrenzungen und nur einspurig für eine Stunde in die Berge steil hoch ging. Wir zweifelten wirklich daran, ob wir auf dem richtigen Weg sind, da es immer einsamer und unwirtlich wurde. Aber da uns doch ab und zu auch Autos entgegen kamen – an denen wir uns dann mit eingeklappten Außenspiegeln vorbei zwängen mussten – fuhren wir weiter.

Gegen 17:00 Uhr kamen wir dann in einem winzig kleinen Dorf an, das laut Navi das Ziel sein sollte. Es waren lediglich vier Häuser zu sehen und kein einziger Mensch, den wir nach Olga hätten fragen können. Als dann doch noch eine Frau an der Straße auftauchte, nutzte Susanne ihre Chance und fragte sie und erhielt auch eine Richtungsbeschreibung. Bei vier Häusern ist ja auch die Wahrscheinlichkeit klein, dass es mehrere Olgas geben könne.

Dann waren wir am Ziel und uns kam der Ehemann von Olga entgegen. Er bedeutete uns weg von der Straße einen sehr steilen Weg zu seinem Haus hochzufahren, um dort in halber Schräglage mit untergelegten Keilen zu nächtigen; was wir beide aber nach eingehender Beratung lieber nicht machen wollten, da die reale Gefahr bestand, das wir aufgrund einer Senke auf dem Weg dann mit dem Hinterteil unseres TrauMobils stecken bleiben würden. So stellten wir unser Wohnmobil an den schmalen Seitenrand der Straße ab und gingen hoch zum Haus. Dort wurden wir von fünf bellenden Hunden empfangen und sehr kurz von Olga und zwei ihrer drei Kinder begrüßt. Olga widmete sich gleich wieder ihren Aufgaben in der Küche zu und beachtete uns nicht mehr; das hinterließ schon einmal einen merkwürdigen Eindruck bei uns. Ebenfalls waren noch zwei deutsche Volontäre dort, die am selben Tag gekommen waren und noch einmal für zwei Tage bleiben wollten. Diese beiden Deutschen erklärten uns dann einige wenige Dinge, die wir eigentlich als Erklärung von Olga oder ihrem Mann erwartet hätten, denn die Volontäre waren vor ein paar Wochen schon einmal hier gewesen.

Wir saßen also auf den Stühlen und warteten. Insgesamt kamen wir uns sehr deplatziert und nicht willkommen geheißen vor – kein Vergleich zu der sehr herzlichen Begrüßung in Portugal. Als wir dann die sehr schmutzige Toilette und die unaufgeräumte und ebenfalls sehr dreckige Küche sahen und außerdem Olga uns erklärte, dass sie und ihr Mann ein paar Tage später für eine Woche nach Italien fahren würden und wir dann mit allen Hoftieren, dem Ziegen melken – inklusive der sieben Hunde (die natürlich nicht gemolken werden mussten)- die Hofarbeit alleine stemmen müssten, stand unser Entschluss fest: Hier bleiben wir nicht.

Wir teilten Olga und ihrem Mann unseren Entschluss mit und machten uns dann auf den Rückweg – wieder über die gleichen unwegsamen Straßen – und hatten auch noch Sorgen, dass die Dämmerung und einsetzende Dunkelheit uns die Fahrt noch schwieriger machen würde als eh‘ schon.

So entschlossen wir uns gegen Abend kurzerhand auf der Hälfte der Strecke einen kleinen Parkplatz anzusteuern, der hoch oben über der Lustica Bay lag. Er war beleuchtet und da eine Privatstraße zum Wasser ging, war sogar ein Häuschen mit einem Nachtwächter da. Diesen fragten wir freundlich, ob wir auf dem Platz übernachten könnten und er sah darin kein Problem. Er fragte uns nach unserer Reise und wir hatten ein nettes Gespräch. Hier stellten wir im Vergleich zu Olga und ihrer Familie fest, wie schön doch so ein Willkommensgespräch mit fremden Menschen sein kann.

Am nächsten Tag fuhren wir in die Stadt Kotor und besichtigten dort die Altstadt, die allerdings auch mit Touristen überfüllt war. Die mittelalterlichen Häuser in eng verwinkelten Gassen sehen ähnlich nett aus wie in Dubrovnik; überall waren kleine Cafés und Souvenirläden. Die Kathedrale mit den beiden Türmen hatte leider geschlossen, sah aber in der gleißenden Sonne auch von außen ganz nett aus.

Weiter ging unsere Fahrt zum „Camping Maslina“ in der Nähe von Petrovac. Wir fanden einen wunderschönen Platz unter schattenspendenden Olivenbäumen, nutzten die direkte Nähe zum Meer und genossen das warme Meerwasser. Hier blieben wir eine gute Woche und bekamen sogar einmal Besuch: Fehima und Omer, die in Montenegro kurz Urlaub gemacht hatten und auf ihrer Rückreise nach Bosnien und Herzegowina waren. Wir luden sie zum Frühstück bei uns ein und tauschten unsere gegenseitigen Erlebnisse aus; das war ein sehr schönes Wiedersehen.

Wir lernen auf unserer Reise immer wieder die unterschiedlichsten Menschen aus vielen verschiedenen Ländern kennen; Paare und allein reisende Männer und Frauen; Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen in der Welt unterwegs sind. So wie den netten aus Ulm stammenden Günther mit seinem umgebauten roten Renault 4 Kastenwagen (hier kamen bei uns beiden die Erinnerungen an unseren früheren R4 wieder hoch). Günther war alleine im Balkan unterwegs, da seine Frau das Reisen solcher Art nicht besonders mochte und er hatte seinen R4 Kastenwagen sehr praktisch umgebaut zu einem kleinen Miniwohnmobil, sehr beeindruckend! Mit ihm saßen wir dann noch Abends bei gemeinsamen Getränken zusammen und erzählten uns gegenseitig von unseren Reisen. Das macht das Reisen auch aus: Es gibt so unterschiedliche Menschen mit soviel Geschichten des Lebens – wir hätten viel wertvolles verpasst, wenn wir alle diese Menschen auf unserer bisherigen Reise nicht kennengelernt hätten. Unterwegs stoßen wir immer wieder auf freiaufende Kühe, Hühner oder Ziegen, die die Strasse überqueren, als ob hier keine Autos fahren würden.

Nach der Verabschiedung von Günther fuhren wir dann zum Durmitor –
Nationalpark. Mehr als 40 Berggipfel dort sind über 2.000 Meter hoch und der höchste Gipfel ist der „Bobotov kuk“ (2.522 m). Wir fuhren allerdings „nur“ bis auf 1.500 m hoch. Der Weg jedoch schlängelte sich sehr kurvenreich in die Höhe und Susanne wagte es kaum aus dem Fenster in die Tiefe zu schauen.

Im Nationalpark gibt es 17 Gletscherseen; der bekannteste ist der schwarze See. Wir haben uns nicht alle 17 Gletscherseen erwandert und angesehen, sondern nur den schwarzen See, der allerdings gar nicht schwarz, sondern grün war. Im Vergleich zu anderen Seen, die wir auf unserer Reise gesehen haben, war das für uns aber nicht sehr spektakulär.

In Zabeljak übernachteten wir auf einer Wiese, die sich Campingplatz nannte und vom Preis her auch einer war – nicht jedoch vom Angebot. Als wir am Abfahrtstag dem Besitzer eine entsprechende Kritik sagten, nahm er diese achselzuckend zur Kenntnis. Da wir ja viele Camper unterwegs treffen – manche auch mehrfach – geben wir uns immer gegenseitig wieder Tipps und Ratschläge über gute oder schlechte Plätze zum Übernachten; diesen Platz werden wir nicht weiter empfehlen.

Ich wollte auf jeden Fall noch die „Tara – Schlucht“ und dort den mit 1.300 Metern tiefsten Canyon in Europa besuchen. Auch hier fanden wir es nicht ganz so spektakulär, wie wir es gedacht hatten. Womöglich haben wir auf unserer Reise schon sehr viele mehr beeindruckende Naturwunder gesehen und sind daher nicht mehr von Allem, was andere super wichtig und grandios finden, beeindruckt. Allerdings teilte diese Meinung nicht jeder mit uns, denn insbesondere mutige oder lebensmüde Zip – Seil – Nutzer sausten zum Teil mehrmals am Seil hängend in knapp einer Minute über die Schlucht; so etwas brauchen wir jedoch in keinem Fall. Dennoch haben wir schöne Fotos schießen können.

Unser letzter größerer Ort in Montenegro war Podgorica, die Hauptstadt mit einer beeindruckenden orthodoxen Kathedrale. Dieser Besuch wurde uns jedoch sehr „verwässert“, da es dermaßen in Strömen goss, dass danach meine Turnschuhe einen Fahrtenschwimmer gemacht hatten. Sehr viel mehr sehenswertes hatte die Stadt für uns nicht zu bieten und der Regen zwang uns dann auch, die nasse Besichtigungstour abzubrechen.

Die sehr freundliche Aufnahme auf dem neu eingerichteten kleinen Stellplatz „Autocamp Campus“ etwas außerhalb von Podgorica und in der Nähe des Flusses Moraca versöhnte uns dann wieder etwas. Vor allem die freundliche Mutter des Inhabers, eine gebürtige Liechtensteinerin, die hier mit ihrem montenegrinischen/liechtensteiner Sohn diesen Platz betrieb, zeigte sich sehr gesprächig und interessiert an unserer Reise. Der kleine Platz war sehr sauber und super eingerichtet, alles war wunderbar und wir standen ganz alleine. Von den Feigen und Quitten am Platz durften wir reichlich ernten, was Susanne auch gerne tat.

Unmittelbar um die Ecke fanden wir dann eine ganz kleine Autogarage/Autoservice, da an unserem TrauMobil turnusmäßig zwei Keilrippenriemen erneuert werden mussten. Als wir noch mit dem Kfz-Monteur versuchten alles mit Händen und Zeichen zu klären, kam ein netter älterer Herr dazu. Er hatte früher jahrelang bei der jugoslawischen Botschaft in Österreich gearbeitet, konnte perfekt deutsch und regelte für uns alles sehr gut. Die Riemen wurden erneut – Arbeitslohn und Material für insgesamt umgerechnet 30,00 € ! Von der Mutter des Monteurs wurden wir sodann noch mit Unmengen von Weintrauben (die Susanne später zu Traubensaft verarbeitete) und mit Abendessen versorgt.

Als wir wieder weiter reisen wollten, passierte es: Die Auffahrt des Stellplatzes zur Straße war zum Einen steil und zum Anderen mit losem Kies-Schotter belegt und am Vortag hatte es stark geregnet; die Vorderräder drehten durch und wir setzten hinten mit dem Rahmen der Anhängerkupplung auf den Steinen auf. Trotz dem Entfernen des Schotters unter den Rädern gab es kein Vorwärts und kein Zurück mehr. Der Sohn rief dann einen Nachbarn an, der uns mit Abschleppseil und einem kleinen Transporter den Hügel hinaufzog – geschafft! Nichts ist dabei kaputt gegangen und wir bedankten uns herzlich – ein Geldgeschenk wollten die Helfer partout nicht annehmen – und fuhren erleichtert los.

Auch hier in Montenegro lernten wir die sprichwörtliche und spontane Gastfreundschaft der Menschen kennen und schätzen.

Durch unsere Absage der Farmarbeit haben wir das kleine Land Montenegro nur relativ kurz erlebt; aber es war für uns dennoch genug. Dann packte uns wieder das Reisefieber und wir überquerten die Grenze zu Albanien, davon mehr im nächsten Bericht.

Viele Grüße von SuMi mit dem TrauMobil