Inshallah

Ihr Lieben,

nachdem ich im letzten Beitrag beschrieben hatte, wie hier auf Lesbos die Situation in Bezug auf Menschen in Bewegung im Camp ist, möchte ich heute einen Einblick in meine Arbeit hier im Community Center „One Happy Family“ (OHF) geben.

Zunächst aber hier als Einstimmung auf die Insel eine kleine Fotogalerie mit Eindrücken von der Insel.

Die Situation für die Menschen in Bewegung hat sich hier auf der Insel sehr verändert, insbesondere im Vergleich zu meiner Zeit 2019, als ich hier war; diese Veränderungen haben natürlich auch Auswirkungen auf die Arbeit im OHF.

Seit einiger Zeit verlegt die griechische Regierung die Menschen in Bewegung schneller auf das Festland nach Thessaloniki oder Athen(deshalb hat OHF bereits einen ersten Brückenkopf in Athen eingerichtet, der über kurz oder lang dann ausgebaut wird, um den Menschen in Bewegung auch dort Hilfe und Entspannung anbieten zu können), die Campregeln sind rigoroser und teilweise willkürlich, der Widerstand der örtlichen Bevölkerung gegen ein geplantes neues Camp wird größer, neue Coronaregeln erschweren die tägliche Arbeit. Es kommen insgesamt weniger Menschen zum OHF, nichtsdestotrotz versuchen wir alle  hier ihnen eine gute Zeit zu schaffen.

Seit etwa drei Wochen landen jedoch wieder vermehrt einzelne Boote auf Lesbos und den anderen Inseln mit Menschen aus Somalia und dem Sudan. Wenn sie gelandet sind, flüchtet ein Teil von ihnen oftmals in die Wälder, da die griechische Polizei und die Küstenwache seit einiger Zeit auch dafür berüchtigt ist, die Menschen entgegen der europäischen Rechtsprechung wieder auf ihr Boot zu verfrachten, sie hinaus auf das Meer zu schleppen, den Motor zu zerstören und sie dann in türkischen Gewässern ihrem Schicksal zu überlassen.

Das Besondere und Gute hier im OHF im Gegensatz zu anderen NGO‘s ist ja nach wie vor, dass ein internationaler Volontär so wie ich immer im Team zusammen mit sogenannten Community-Volontären (Menschen in Bewegung, die sich dafür beworben haben) zusammenarbeitet. Das schafft gegenseitigen Respekt und Akzeptanz, das finde ich einzigartig und sehr hilfreich – nicht nur wegen der zusätzlichen Sprachkenntnisse, die dann in der täglichen Zusammenarbeit zum Tragen kommen.

Es gibt ja viele Arbeiten hier im OHF und ständig, manchmal wochen- oder tageweise, müssen sie umgestellt werden. Das erfordert eine hohe Flexibilität von uns, wird aber dadurch auch immer den geänderten Bedürfnissen unserer Gäste gerecht.

Folgende Angebote gibt es hier ( teilweise von Partnern):

Coronagerechte Registrierung am Eingang / Ausgabe von Artikeln im Onlineshop / Angebote im Womenspace / Computerkurse / Englisch- und Griechisch- Unterricht / Fotokurse / Mittagessensausgabe / Reparatur von Fahrrädern und Handys und vieles mehr.

Es gibt jeden Morgen eine Teambesprechung des Shiftcoordinators – natürlich auf Englisch -, Teilnehmer sind alle Volontäre und Community –  Volontäre. Hier werden die Tagesaufgaben verteilt, dabei sind auch tägliche Reinigungsarbeiten zu vergeben. Das geht meistens in entspannter Atmosphäre vor sich und es findet sich letztlich immer jemand für offene Aufgaben.

Für mich hatte sich nach kurzer Zeit heraus kristallisiert, dass ich hauptsächlich im Online- Shop tätig sein möchte, daher werde ich beispielhaft diese Aufgabe hier kurz erklären, damit ihr Euch das besser vorstellen könnt.

Im Online-Shop haben wir uns auf die Ausgabe von Artikeln ausschließlich an Männer konzentriert, da andere NGO‘s in der näheren Umgebung Frauen und Kinder helfen.

Ab Oktober diesen Jahres hat die Europäische Union die Geldauszahlung an die Menschen in Bewegung an die griechische Regierung übergeben. Ergebnis war unter anderem, dass es deutlich weniger finanzielle Hilfe für sie gibt und diese auch manchmal gar nicht oder verspätet ohne Begründung kommt. Daher sind unsere Gäste mittlerweile noch mehr darauf angewiesen, dass sie Dinge des täglichen Bedarfs (Shampoo, Duschgel, Seife, Handtücher, Unterhosen, Kondome, Waschpulver, Taschentücher, Toilettenpapier, Socken etc.) bei uns im Online-Shop „erwerben“ können.

Einmal im Monat können sie über ihr Handy oder vor Ort eine limitierte Bestellung abgeben und dann hier abholen bzw. entgegennehmen.

Für mich haben sich hier immer wieder gute Gespräche entwickelt, ich habe einiges und erschreckendes über ihre Geschichte, ihre Fluchtwege und Träume erfahren.

Diese Menschen habe ich trotz ihres Schicksals so oft als starke und berührende, zugewandte und liebevolle Menschen kennengelernt; besonders Kinder bewegen mich immer sehr, so wie er hier.

Nachfolgend eine weitere Bildergalerie  mit kurzen Erklärungen.

Meine Zeit hier auf Lesbos neigt sich nun nach drei Monaten in Griechenland dem Ende zu, ab dem 26. November werde ich meine geliebte Nanni wieder in die Arme schließen können.

Gelegenheit, ein kurzes Resümee zu ziehen:

Menschenrechte sind unverhandelbar!

Man lässt keinen Menschen im Meer ertrinken, Punkt!

Das europäische Asylrecht, so unvollständig es auch ist, muss eingehalten werden, ansonsten verlieren wir unsere Glaubwürdigkeit!

Pushbacks müssen bestraft und abgeschafft werden!

Es war sehr schön für mich , wieder so wunderbare Menschen kennengelernt zu haben.

Ein nächster Einsatz in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe wird voraussichtlich nächstes Jahr sein.

Zurzeit gehen meine Überlegungen dahin, dann wieder mehr in der direkten Face-to-Face- Hilfe zu arbeiten mit Essens- und Kleiderausgabe und medizinischer Hilfe in einem Hotspot.
Mal sehen, in welchem Land es dann sein wird; ich denke auch über einen kürzeren Zeitraum nach, vielleicht nur für zwei Monate, um nicht so lange von Susanne getrennt zu sein.

Wie die Menschen in Bewegung hier sehr oft sagen:

Inshallah – so Gott will.

Euer Michael

Lesbos früher und jetzt

Ihr Lieben,

meine Zeit hier in Griechenland neigt sich nun langsam dem Ende zu, meine dreimonatige ehrenamtliche Flüchtlingshilfe in Thessaloniki bzw. jetzt auf Lesbos endet in weniger als drei Wochen.

Zeit Resümee zu ziehen, zurück zu gehen und zurück zu blicken, nach vorne zu schauen und vorwärts zu gehen.

Hier nun zunächst…

„Lesbos früher und jetzt“ weiterlesen

Ein kleines Stück vom großen Glück

Von Micha aus Lesbos: Heute Mittag ist ein Boot mit Menschen in Bewegung bei uns auf Lesbos in Mytilini unterhalb der Freiheitsstatue(!!!) gelandet. Bislang wurden 34 Männer, Frauen und Kinder gefunden, bis auf zwei Menschen (ein Syrer und ein Palästinenser) sind alle anderen afrikanischer Herkunft. Wie lange noch müssen sich Menschen unter Lebensgefahr auf das Meer begeben, um sich ihren berechtigten Wunsch nach Schutz und Menschenwürde erfüllen zu können? Wie lange schauen wir Europäer noch zu, wenn so viele Menschen im Meer ertrinken?

Während es bei Micha so und ähnlich aussieht und er dort so gut wie es ihm möglich ist seine Hilfe in unterschiedlichster Weise bei der Oragnisation „One happy family“ (OHF) anbietet, schaue ich hierzulande, was ich tun kann und wo es mir möglich ist. Das sieht hier allerdings so ganz anders aus und hat mehr mit Freude als mit Leid zu tun. Hier ist ein Bericht von meinen Erlebnissen mit „unserer“ kurdischen „happy family“ aus Syrien.

„Ein kleines Stück vom großen Glück“ weiterlesen

Michael in Bewegung

Ihr Lieben,

hier nun ein Zwischenbericht aus Griechenland.

Das Startbild dieses Blogs ist das Ergebnis eines Fotokurses im „Quick Response Team“, in dessen Rahmen mehrere sehr beeindruckende Bilder entstanden sind, die von Menschen in Bewegung gemacht wurden.

Ich flog nach Verabschiedung von meiner geliebten Nanni am 06. September mit dem Flugzeug von Stuttgart nach Thessaloniki.

„Michael in Bewegung“ weiterlesen

Unterwegs sein, alleine oder mit lieben Menschen

Man kann ja zu Hause bleiben und dennoch zwischendurch auch unterwegs sein.

So ist das derzeit bei mir. Ich bin aus beruflichen Gründen nicht mit meiner besseren und zweiten  Hälfte Micha nach Griechenland geflogen, um dort „Menschen in Bewegung“  zu helfen; aber an den Wochenenden und nach Feierabend hält mich hier zu Hause fast nichts. Ich will raus, was erleben. Also, ab nach hier und dort, mit dem Rad, dem Pkw oder dem TrauMoil. Wohin, das lest hier: „Unterwegs sein, alleine oder mit lieben Menschen“ weiterlesen

Jubiläum und Abschied

Nun ist er weg! Und ich bin hier. Micha ist bereits in Griechenland angekommen, ich habe vorhin noch mit ihm telefoniert. Wie er schon im vorigen Blog erwähnte, wird er diesmal in Thessaloniki als Flüchtlingshelfer eingesetzt. Ich bin derweil „Strohwitwe“ und warte die nächsten 3 Monate auf Michas Zurück-kommen; wenn ich auch weiß, dass er das in jedem Fall tut und die Arbeit, die er dort macht wichtig und gut ist. (Darum lasse ich ihn auch gehen.)

Vorher aber hatten wir beide noch ein wunderschönes gemeinsames Wochenende mit tollem Wetter und meinem Wunschtraum, der in Erfüllung gegangen ist. Das hatte ich mir zu meinem 60. Geburtstag gewünscht…

 

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Menschen in Bewegung – ich auch!

Wie ihr wahrscheinlich bereits geahnt habt, mache ich mich auch dieses Jahr wieder auf den Weg, um Menschen in Bewegung (=Geflüchtete, Flüchtlinge) im Ausland ein wenig in ihrer schwierigen Lebens- und Alltagsgestaltung zur Seite zu stehen. Außerdem werde ich dort zu verschiedenen Gelegenheiten Clownerie für Menschen in Bewegung anbieten, mit dabei sind dieses Mal „Peter“ (und „Petronella“),  meine beiden neuen Puppenbegleiter.

Es hilft mir sehr,

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Benvenuti in Italia e nel sole, ci siamo! – Willkommen in Italien und der Sonne, hier sind wir!

Endlich haben wir Urlaub, so richtigen! Drei ganze Wochen – den ersten längeren nach der Corona Pandemie und den vielen Lockdowns und: im Sommer. Juhu! Mit unserem TrauMobil geht’s auch gleich in den warmen Süden. Ab ins frühzeitig gebuchte Italien an die Adria.

Bella Italia Flagge an unserem TrauMobil

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Hallo Bayern, da sind wir wieder

Wir haben Urlaub. So ganz richtigen echten,  den man bekommt, wenn man noch irgendwo arbeitet und angestellt ist; so wie wir. Es ist zwar nur eine ganze Woche,  aber die nutzen wir selbstverständlich komplett,  um mit unserem TrauMobil unterwegs zu sein.  Und da es für eine Woche leider doch etwas zu kurz ist in ferne Länder zu reisen, also mit einem Auto, haben wir beschlossen, den im letzten Jahr  abgebrochenen Aufenthalt in Übersee aufgrund coronabedingter Einschränkungen,  erneut zu vertiefen. Übersee am Chiemsee ist nur ein kleiner Ort, aber uns hat die tolle Aussicht und der Stellplatz auf dem Bauernhof „Steiner“ super gefallen.

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