Danke, liebe LeserInnen für euer tolles und positives feedback, eure lieben und aufmunternden Worte und Kommentare. Gerne berichte ich weiter von unseren Erlebnissen auf den Reisen.
Nun geht’s ganz langsam wieder zurück in Richtung Süden, wobei wir hier ja noch die nord-osteuropäische Sommerzeit/ Uhrzeit haben. Es ist eine Stunde später als in Deutschland. Dafür bleibt es abends zunehmend heller. Irgendwie sehne ich mich auch so allmählich ein wenig nach unseren heimischen Gefilden. Doch vorerst möchten wir noch die Ostseeseite in Lettland und Litauen erleben und sehen wo wir überall hin kommen. Für euch, liebe LeserInnen haben wir hier wieder jede Menge Fotos, einige Videos und vielleicht das Eine oder Andere Interessante oder Wissenswerte zum Lesen. Wir wünschen euch viel Spaß dabei. 😍 Ein Tipp: Nehmt euch viel Zeit.
Ebenso schnell wie von Lettland nach Estland geht es auch rückwärts. An der Ostsee entlang weist nur ein kleines Schild am Ortsrand darauf hin, dass wir schon wieder in Lettland sind. In Saulkrasti (dt. Sonnenküste) finden wir einen ganz neu gestalteteten sauberen Womo Stellplatz, nah an der Küste. Der Wind ist jedoch gerade so stark, dass es beim Radeln sehr schwierig wird. Dennoch lassen wir uns für eine kurze Weile den Ostseewind um die Ohren sausen und schauen uns anderntags den netten Ostsee-Ort an. Der Mann in der Tourist-Info spricht sogar deutsch mit uns und erklärt uns einiges über diesen Ort.


Nach nur einer knappen halben Stunde erreichen wir den Nationalpark Gauja. Überall sind sehr gut beschilderte Wanderwege, viele Blumen an Straßenrändern und die gesamte Gegend sieht sehr gepflegt aus.
In Sigulda, (dt. Segewold) einer kleinen Stadt stehen u.a. einige nette Schlösser, sowohl auf der einen, wie der anderen Seite des Flusses Gauja. Mit der gelben Gondel, die über den Fluss fährt, können wir in Krimulda (dt. Krumen) das ehemalige Kurhaus/Sanatorium, den großen schön gepflegten Garten, sowie die lange Reihe der ehemaligen “Sonnenbadehäuser” von außen betrachten. Heute ist im großen Haus eine Mischung von Kunstschule und Pension untergebracht, während die Sommerhäuser leider unaufgeräumt verwahrlosen.
Oberhalb auf der anderen Seite in Sigulda lädt uns die Ordensburgruine, sowie das kleine Schloß (dt. Schloß Segewold) ein von außen und innen besichtigt zu werden. Auch hier ist der Park herrlich gepflegt. Da es hier auch eine Sommerrodelbahn, einen Kletterwald, sowie einen Abenteuer-Erlebnispark gibt, wimmelt es von Bussen, die die Touristen förmlich ausschütten. Etwas weiter unten im Tal am Fluß Gauja finden wir reichlich Platz im kleinen Camp. Wir stehen neben dem netten Camper-Pärchen Kathrin und John und haben mit gutem gegenseitigen Austausch einen netten Abend und frühstücken Tags darauf zusammen in der Morgensonne. Für euch und uns zur einfacheren Handhabe und Ansicht sind nun hier jeweils kleine Diafolgen angezeigt, so kann Jede/r selbst blättern und schauen, nach eigenem Interesse.
In einem Vorort von Riga, am Ort Salaspils (dt. Kirchholm) werden wir wieder mit unserer deutschen unangenehmen Vergangenheit konfrontiert. Durch einen schönen ruhigen Wald gelangen wir auf eine sehr große Wiesenfläche, auf der riesige Steinskulpturen stehen. Und wir erfahren sehr bald, dass auch hier die Nazis ihr Unwesen getrieben haben. Viele hunderte Menschen mussten im sogenannten “Camp Salaspils” schwere Arbeiten verrichten, bevor sie umgebracht wurden. Auf der gesamten Fläche sind noch einige Überreste der Mauern zu sehen und an den Mauern und wenigen Grabsteinen stehen überraschenderweise Kerzen, frische Blumen und sogar Spielzeug. Im langen grauen Betonquader, der von außen eher unscheinbar wirkt, sind im Inneren offene Räume mit Fotos, Briefen und anderen Relikten, die uns erschauern lassen und trotz Sonnenschein eine Gänsehaut verursachen. Besonders betroffen sind wir, als wir an einem größeren schwarzen Marmorblock vorbeikommen und Töne wie Herzklopfen vernehmen. (Man muss genau hinhören, um das Pochen zu heraus zu hören.) Es ist gut, dass es solcherlei Plätze (errichtet 1967) gibt, um diese Taten unvergessen zu lassen.




Riga, Hauptstadt von Lettland. Wir sagen dazu nur Wow. Wir sind sehr begeistert von dieser mit Leben pulsierenden Stadt. Es gibt so viel schöne, grüne, blütenreiche, farbenfrohe und mit Skulpturen angelegte Parks; so viele schön anzusehende Kirchen; so nette Plätze zum Verweilen, mit Restaurants, Cafés, mit oder ohne Livemusik; eine große Universität; den Rathausplatz mit Glockenspiel an demselben; berühmte alte schön anmutende Häuser, wie das aufwendig gebaute “Schwarzhäupterhaus”, lustige Katzenhäuser; die schmalste Straße von Riga; eine sehr große neue Nationalbiblioithek (auf der anderen Seite der Daugava); dann die großen Markthallen, die früher als Zeppelinhallen fungierten und nun täglich (7 Tage) ein reichhaltiges Angebot an eigentlich allem haben.
Das Viertel mit etlichen im frühen 20. Jh erbauten Jugendstilgebäuden ist so beeindruckend. Alle Häuser haben detailreiche Fassaden, wovon eins schöner als das nächste ist. – Das Freiheitsdenkmal mit dem hohen Obelisken erinnert an den lettischen Unabhängigkeitskampf.
Wir erkunden diese Stadt zu Fuß, per Rad und mit einem kleinen (Elektro) Boot, bei Tag, bei Sonne, mit Wolken und am späten Abend. Wir können diese Stadt uneingeschränkt weiter empfehlen, egal ob per Camper, Hotelbucher oder sonst wie.
Auch wenn hier auch einige kaputte und schwer renovierungsbedürftige Gebäude stehen, die Schönheit der Stadt mit ihrem Flair für Jung und Alt überwiegt. Auf dem vollen Stadt Campingplatz “Riga City Camping”, der auf der kleinen Insel Ķīpsala ist, lernen wir viele deutsche Camper kennen und haben stets nette und aufschlussreiche Gespräche. (z.B. ein Paar aus Köln, oder dem Kreis NR (Neuwied) aus Puderbach, und mit dem netten Paar Rossely und Dominik aus der Schweiz.) Alle sind wie wir sehr erfreut über diese schöne Stadt.
Hier die Diafolge mit schönen Fotocollagen:
Wir fahren nun mit einigen Zwischenetappen an der Ostsee, genauer dem Rigaschen Meerbusen entlang bis zum nördlichsten Zipfel von Lettland zum Kap Kolka.
Diese Region nennt man auch die ‘Livländische Küste’, denn ab Riga gehören die ca 14 Fischerdörfer zu einer seltenen Kultur. Die “Liven” haben eine eigene Sprache, die mehr dem Finnischen ähnlich ist. Weltweit gibt es von den Liven nur noch unter 100 lebende Menschen. –
Im Ort Ķemeri, der auch zum Nationalpark gehört, besuchen wir das ehemalige Erholungszentrum und Kurbad. Das früher sehr große weiße Kurhaus ist jetzt ein Hotel, aber auch das derzeit geschlossen und sehr renovierungsbedürftig. Überall fehlen die Gelder zur Erhaltung der Gebäude.
Fast schon kurios ist, dass direkt neben dem immer noch schön gepflegten großen Park ein total kaputtes Haus steht, vermutlich war es auch mal ein Kurhaus. Dennoch erfreuen wir uns an dem alten Wasserturm, der renoviert wurde und mit neuer roter Farbe heraussticht. Ich steige die sehr schmalen Metalltreppen bis ganz nach oben und habe eine schöne Sicht in die Wälder des Naturparks drum herum; Micha ist der steile Aufstieg wegen seiner Höhenangst zu gefährlich. Wir flanieren zu einigen “Liebes-Lauben”, und kommen sogar an einer Schwefelquelle vorbei, die ich natürlich sofort testen muss.
Im kleinen Ort Jūrmala genießen wir an einer Strandbar Getränke, Eis, feinen Sand zwischen den Zehen und den Blick auf die Ostsee.
Ganz in der Nähe am “Natura” Campingplatz, der sich am Fluß Lielupe befindet, nächtigen wir. Auf dem vermutlich noch im Sommer-Aufbau befindlichen Platz, der ein wenig chaotisch aussieht, stehen wir fast alleine auf der großen Wiese.
In Mērsrags, einem sehr kleinen Ort an der Ostsee, halten wir auf einem Parkplatz mit Blick zur See für eine Nacht. Die Kommune hat den Weg durch den Wald zum Strand mit Holzbohlen befestigt. So kann bis fast zum Strand sicher und ohne Sand in den Schuhen gehen. Überall am herrlich weichen feinen Sand stehen kleine ‘Holzkabinen’ als Umkleidemöglichkeit. Es gibt in regelmäßigen Abständen Bänke zum Ausruhen und verweilen. Endlich wate ich auch mal bis zu den Knien ins Wasser.
Im Fischerdorf Kolka erfahren wir im kleinen Tourist-Museum schließlich viel über die Menschen, die schon vor mehr als 5000 Jahren hier lebten, sowie über das Leben der Liven in dieser Region. Es ist sehr informativ und anprechend gestaltet und wir erhalten sogar einen Flyer in deutscher Sprache. Das Kap Kolka ist zwar eine beliebte Touristen Attraktion, aber wir finden die Historie des Ortes interessanter. So erfahren wir auch folgendes: Ende des 19. Jh entwickelten sich die Sprottenkonservenwerkstätten und in Kolka wurden schliesslich die meisten Fischkonserven hergestellt.
Nach einer ausgedehnten Radtour mit anschließendem Strandbesuch, überrascht uns ein Gewitter, dem wir schnell noch entkommen können, weil unser Knuffel in der Nähe am kostenlosen Parkplatz wartet. Während das heftige Gewitter über uns tobt, fühlen wir uns sicher und geschützt und bleiben auch über Nacht. Toll ist, dass es an den meisten öffentlichen Parkplätzen immer WCs gibt, kostenlos und oftmals sehr sauber.
Wir merken schon, dass die Seite an der Ostsee viel mehr touristisch ausgelegt ist; es gibt hier häufiger Campingplätze, uns begegnen viel mehr Wohnmobile und die Infrastruktur mit Geschäften, Tankstellen und Tourist Attraktionen sind auffällig. Natürlich ist es jetzt im Juni ja auch wärmer und das lockt mehr Reiselustige heraus. Wir erreichen die sechstgrößte Stadt in Lettland:
Ventspils (dt. Windau). Es ist eine Hafenstadt an der Einmündung des Flusses Venta (dt. Windau) in die Ostsee. Ventspils ist eine Großstadt, gegründet 1290 mit dem historischen Namen Windau, langen gut geführten Radwegen und einem großen, sehr komfortablen nicht überteuerten Campingplatz, nahe der Ostsee.
Das Küsten-Freilichtmuseum stellt u.a. den Alltag der Bewohner der Kurländischen Küste, sowie das Leben lettischer und livischer Bauern und Fischer dar. Gleich daneben ist der kleine Bahnhof der Schmalspur-Dampflokomotive. Mit ihr kann man sogar für wenig Geld (2 € für uns Pensionäre) eine kleine Rundfahrt durch den schönen Parkbereich unternehmen. Das machen wir gerne mit. Ganz schön dampfig so eine alte Eisenbahn. Hierzu hab ich auch ein kleines (von Micha zusammengeschnittenens) Video für euch.
Auf unserer Radtour entlang der schönen Hafenpromenade zur Altstadt werden wir wieder einmal mit einem tollen Event überrascht. Es findet im Zentrum ein Marathonlauf statt, dessen Läufer, die ca. 40 km durch die ganze Stadt laufen, uns immer wieder begegnen, überholen und von einheimischen Musikern und von uns angefeuert und motiviert werden. Start und Finale finden am großen Park der Konzerthalle “Latvija” statt, wo neben dem beeindruckenden Brunnen “Fregatte ‘Wallfisch’” sich Kinder und Läufer erfrischen können und die Preisverleihung sein wird. –
Die Stadt lädt mit ihrem weitläufigen Park zu Spaziergängen und Radfahrten ein, auf denen man zahlreiche Skulpturen, kuriose Kühe, Steinformationen und die größte Ankersammlung des Baltikums anschauen kann.
Zur Altstadt gehört in jedem Fall die “Burg des Livländischen Ordens”, die als eine der ältesten mittelalterlichen Festungen in Lettland gilt. Einige Häuser und das mittelalterliche Straßennetz (grobes Kopfsteinpflaster) ist erhalten geblieben. Am Marktplatz sind mehrere Gebäude noch aus dem 17. Jh erhalten; der Uhrturm mit dem Glockenspiel spielt stündlich ein lettisches Lied. Die orthodoxe Kirche mit ihren goldenen Kuppeln und dem blauen Turm lädt uns innen wie außen zum Betrachten und Verweilen ein.
Zuletzt fahren wir den Hafenmolenweg zu den Leuchttürmen und können hier den Hafeneingang sehen. Fähren gehen von hier bis nach Schweden. Alte feststehende Schiffe am Hafen dürfen erklettert werden und die riesigen Beton-Steine und Quader halten den Weg sicher vor Überflutung. Überall ist es hier sauber und aufgeräumt. Am Ostseestrand mit seinem weißen feinen Sand genießen wir die Sonne, nur leider schaffe ich es immer nicht darin zu schwimmen.
Die kleine Stadt Kuldīga (dt. Goldingen) wirbt für den Tourismus mit ihrer längsten befahrbaren Backsteinbrücke (über die Venta), sowie den breitesten Stromschnellen Europas. Das wollen wir sehen, sind aber dann nicht so prickelnd davon begeistert. Ok, die Brücke ist ganz nett und schön und die sehr breiten “Wasserfällchen” erinnern uns irgendwie an Troisdorf, wo es an der Agger auch nette Stromschnellen gibt.
Aber eher unangenehm überrascht sind wir, als wir auf der Suche nach einem Stellplatz für die Nacht mehrmals durch die Stadt (erstmals erwähnt im 13. Jh) mit viel unebenen Kopfsteinpflaster fahren müssen und dabei sehr viele alte mehr kaputte, als intakte, aber bewohnte Gebäude sehen. Das macht dem ursprünglichen Namen “Goldingen” nicht wirklich Ehre.
Insgesamt wirkt dieser Ort auf uns eher baufällig, da helfen auch das restaurierte Rathaus und einige wenige wieder schön hergestellte Gebäude nicht. Umso mehr erschrocken oder fast entrüstet sind wir, als wir von den einzigen beiden Stellplätzen den Preis pro Nacht erfahren (einer: 40 €, der andere 30€ – das wohlgemerkt auf Schotter und im Indusriegebiet); da hatten wir aber weitaus günstigere und bessere Nachtunterkünfte.
Später fahren wir an der Venta entlang und finden einen schönen (kostenlosen) Nachtplatz auf einem Parkplatz mit viel Wiese, einigen Mücken und sogar einem Kaffeeautomaten. Diese Automaten stehen in Lettland tatsächlich an den abgelegensten Orten oder am Strand und sind stets gut gefüllt mit verschiedenen Kaffee-, Kakao- und Teesorten für je 1:50€. —
In Liepāja, am gleichnamigen See, dessen Kanal in die Ostsee mündet, übernachten wir auf der kleinen Insel “Austrumu Forti”, auf der sich nur der schöne neue Campingplatz befindet. Früher waren hier nur Bunker, nun hat der nette junge Besitzer Jānis mit seiner Frau auf der Insel ein kleines und gemütliches Fleckchen geschaffen. Die Bunker sind immer noch da und vermitteln hier eine besondere Atmosphäre. –
Im Stadtteil Karosta, den wir mit den Rädern erkunden, sehen wir sehr viele (für uns) hässliche ‘Plattenbauten’, eine Drehbrücke, eine sehr große russisch- orthodoxe Kathedrale und ziemlich viel Militärgebiet.
Auf der anderen Seite des Kanals liegt die Stadt Liepāja mit dem großen Fährhafen (Stena Line) nach Travemünde. Am Ende der kleinen Fußgängerzone entdecken wir die alten Markthallen aus dem Jahr 1910, samt dem großen Außenmarkt. Uns gefällt die helle und freundliche Innenausstattung der katholischen Kirche aus dem Jahr 1894 besser, als oftmals viele dunkle Gotteshäuser.
Die auffällige orange-rötliche verglaste Konzerthalle trägt den (übersetzten) Namen: “großer Bernstein”. Musik spielt hier im Ort eine große Rolle: überall auf den Bürgersteigen findet man Noten, am See-Park gibt es einen Musikbaum aus Metall, der wenn man auf einen Knopf drückt, Lieder einer lettischen Band spielt. Liepāja ist die Geburtsstadt vieler bekannter lettischer Musiker. Daher wurde hier 2006 der “Walk of Fame” eröffnet. Er umfasst 39 Bronzetafeln mit den Handabdrücken von Musikern und 12 Tafeln mit den Namen bekannter Bands.
2027 wird Liepāja die Kulturhauptstadt Europas und bereitet sich schon jetzt gut darauf vor, deshalb steht an einigen Sehenswürdigkeiten bereits 2027. Besonders schön ist in der Nacht der Himmel über dem Campingplatz. Da ist es bereits 23:50 h.
Wieder in Litauen erreichen wir zunächst an der schönen Ostseeküste den Ort Palanga. Hier schauen wir uns das im herrlichen Park gelegene ehemalige Schloss, und jetzige Bernstein Museum an. Beeindruckend, welch verschiedene Größen, Formen und Farben Bernstein hat. Micha schenkt mir danach eine schöne Kette.❤️
Kurz danach erreichen wir Karklė, einen Vorort von Klaipėda. Hier finden wir einen der etlichen Campingplätze, die die Durchgangsstraße säumen. Und wir sind nicht alleine, sondern gemeinsam mit vielen weiteren überwiegend deutschen Campern.
Wir radeln 15 km durch Wälder und entlang des Strandes nach Klaipėda. In der Touristinfo erfahren wir auf unsere Nachfrage, wo denn die Altstadt sei, dass wir bereits am Ziel seien. Etwas enttäuscht, denn da hatten wir weitaus schönere Städte gesehen, radeln wir herum und schauen uns eben alles an.
Allerdings befindet sich in der Nähe der Memelburg die älteste ‘Drehbrücke’ solcher Art im Baltikum. Hierbei drehen zwei Männer an der Kurbel so lange, bis die Brücke komplett zur Seite gedreht ist und z.B. Segelboote in den Jachthafen gelangen können. Das finden wir sehr interessant und schauen eine Weile zu.
Klaipėda hat auch einen sehr großen Hafen, von hier geht die Fähre bis nach Kiel, mit der die meisten Camper übergesetzt haben. Bevor wir wieder zurück radeln, essen wir noch in einem Schiffsrestaurant typische litauische Gerichte. Der Rückweg gegen den Wind ist etwas beschwerlich, aber wir erreichen unseren Knuffel noch rechtzeitig vor dem großen Regenschauer.
Eigentlich wollten wir noch zur “kurischen Nehrung”, doch insgesamt ist uns das dann zu teuer: Man muss nicht wenig für die Überfahrt mit der Fähre bezahlen, hinzu kommen sogenannte “Umweltabgaben” plus Übernachtung im überteuerten Campingplatz. Das Frei- Stehen ist hier unter hohen Strafen verboten. Als es dann auch noch regnet, ist klar, wir lassen es.
Stattdessen fahren wir nach Ventė und können von dort aus zur kurischen Nehrung schauen, ebenso zum heute sehr stürmischen Haff. Als der Leuchtturm seine Türe öffnet, klettern wir die schmalen Treppen hinauf und haben Blick auf die stürmische See; weiter gen Süden erahnen wir die Grenze der kurischen Nehrung auf der Seite der russischen Region Kaliningrad.
Auch der ursprüngliche Plan im Memeldelta zu wandern oder eine Bootstour zu machen scheitert am heftigen und stürmischen Regen und dem immer noch dunklen wolkenverhangenen Himmel. Dafür bleiben wir eine Weile in Ventė und genießen im gemütlichen Restaurant “Kepta duona”: ein wohlschmeckendes in schmale Streifen geschnittenes Roggenbrot, das in Öl knusprig frittiert und mit warmer Knoblauch- und Käsesoße serviert wird.-
Auf dem weiteren Weg über schrecklich defekte Straßen und etliche Schlaglöcher gelangen wir irgendwann in den Ort Švėkšna, bei dessen sehr großer Kirche mitten im Ort ein Torbogen über die Einbahnstraße geht. Dieser allerdings hat eine Durchfahrt-Höhe von nur 3 m. Unser Knuffel hat eine Höhe von 2,88 m. Ich raus und genau schauen, ob es gut klappt. Micha, der gute Fahrer schafft es. Sehr knapp, aber es hat geklappt. Es gab leider keinen anderen Weg, den wir hätten fahren können. –




In Šiauliai finden wir einen guten Platz für unsere Nacht. Leider hält die letzten Tage der Regen an. So auch hier. Zwischendurch ein paar Sonnenstrahlen, dann wieder schwer dunkelgraue Wolken und ein Schauer nach dem nächsten.
Ganz in der Nähe liegt der berühmte “Berg der tausend Kreuze”. Allerdings ist die Parkgebühr davor so überteuert, zudem regnet es wieder, so dass wir nur dran vorbei fahren. Lohnt sich auch nicht unbedingt.
Im Stadtzentrum ragt die sehr hohe weiße Kathedrale der Apostel St. Peter und Paul mit ihrem 70 Meter hohen Turm weit heraus. Sie sieht ein wenig aus wie eine Rakete. Sie wurde zwischen 1594 und 1634 an der Stelle einer früheren Holzkirche errichtet.
Sonst gibt es für uns nicht allzu viel Sehenswertes: in der Fußgängerzone ein paar nette Häuser, ein großer Fest-Park neben der Universität, am großen See Talkša den riesigen Metall Fuchs. Im Regen ist alles nicht so schön.
Dann aber entdecken wir noch die vorher herausgesuchte Synagoge, von der man leider nicht mehr viel als solche erkennt. Sie hatte ebenso wie die einst in der Nähe stehende sehr schöne Villa dem jüdischen Fabrikanten Chaim Frenkel gehört. Er war Inhaber einer sehr großen Fabrik seit 1909, zunächst mit Lederherstellung, dann irgendwann Herstellung von Schuhen mit der Marke "Bata". Chaim Frenkel starb im Jahr 1920. Seine Frau musste leider später unter den Nazis, weil sie nicht wie ihr Sohn rechtzeitig in die USA imigrierte, ins Ghetto gleich neben der Fabrik, in dem sie schließlich 1942 starb. Die Villa hat einen schönen Garten, am Zaun zwischen der Villa und den Resten der Fabrik hängen etliche Schuhe - zum Gedenken. Während eines weiteren Regenschauers fliehen wir in das edle Frenkel-Villen- Restaurant und können hier mit heißen Getränken warten, bis es wieder einigermaßen trocken ist.
Wenn das mit dem ungemütlichen Wetter hier so weiter geht, freuen wir uns umsomehr auf zu Hause. Tatsächlich bereisen wir die für uns letzten Städte in Litauen – im Regen.
In Kėdainiai, (dt. Kedahnen) einer mittelgroßen Stadt genau in der zentralen Mitte von Litauen stehen wir auf einem Parkplatz nahe eines Friedhofs. Hier sind u.a. sehr alte Gräber, einige Kriegsgräber und eine schöne Friedhofskapelle. Als es gerade kurz nicht regnet, gehen wir am Abend darüber und sehen hier tatsächlich auch noch einen wunderschönen Regenbogen.
Der Ort wurde erstmals 1372 erwähnt und bereits im 15. Jahrhundert als Stadt bezeichnet. Die Stadt war das Zentrum der Reformation, was im eher katholischen Litauen eine Seltenheit ist. Tatsächlich gibt es hier auch heute noch eine sehr große evangelische Kirche, zudem eine alte und neue Synagoge, mit Gedenktafeln an die bis zum 2. Weltkrieg hier sehr große lebende jüdische Gemeinde. Es gibt sogar ein Minarett, dass aber nur noch als Denkmal in einem Park steht. Nett anzusehen ist auch die katholische Holzkirche im Barokstil. Sie wurde von Karmelitermönchen erbaut. Während der Sowjetzeit wurde die Kirche 1963 geschlossen und als Lager genutzt. Seit 1991 fungiert sie wieder als Gotteshaus. Zu erwähnen ist noch der große Marktplatz mit schönen Häusern. Uns treibt jedoch der dauerhafte Regen bald wieder zurück ins Knuffel.
Kaunas, die große Stadt im Süden von Litauen liegt am Zusammenfluss von Memel und Neris und hat eine mittelalterliche Burg und Festung aus dem 13. Jh. Als ob Litauen uns noch einmal alles zeigen will, haben wir auch mit dem Wetter bei unserem letzten sightseeing alles dabei. Zu Beginn regnet es, wir haben Regenschirme dabei. Dann wird es ungemütlich windig. Egal, wir schließen unsere Regenjacken und wandern dennoch durch die große Stadt. Irgendwann, als wir durch die knapp 2 km lange berühmte Fußgängerzone spazieren, kommt die Sonne raus und später kehren wir im T-Shirt zurück zum Knuffel.
Hier entstand die erste Fußgängerzone im Baltikum. Sie hat seit dem Erbauen im Ende des 19. Jh eine bewegte geschichtliche Zeit hinter sich. In den vergangenen Jahren wurde sie mehrmals umbenannt: in ‘Zar Nikolajus-Allee’, dann ‘Kaiser-Wilhelm-Straße’ (1915-1919), ‘Stalino-Allee’ (1940-1961). Jetzt heißt sie wieder “Laisvės alėja” (übersetzt: Freiheitsallee). An ihrem Allee-Ende befindet sich die herrliche weiße Basilika ‘Erzengel Michael’ mit ihren vielen eher untypischen griechischen Säulen. Ursprünglich war dies eine russisch orthodoxe Kirche.
Das Rathaus mit seinem hohen weißen Turm ähnelt mehr einer Kirche. Die Einwohner nennen es liebevoll “weißer Schwan”. Am Rathausplatz befinden sich einige schöne gut erhaltene Häuser. -Besonders imposant ist das “Perkūnas” Haus.

Das rote Backstein Handelshaus mit den spitzen Giebeln hat eine bewegte Geschichte: es entstand um die Wende vom 15. zum 16. Jh. und war in der zweiten Hälfte des 16. Jh ein Gotteshaus der Jesuiten. Mehrmals verfiel es dem Brand, wurde zerstört und wieder aufgebaut. Später beherbergte es eine Adelsschule und später ein Theater. Bei Renovierungsarbeiten stieß man auf eine Figur, die Figur des Perkunas = Donnergott. Legenden besagen, dass an diesem Ort einst heidnische Zeremonien stattfanden. Der Name des Donnergottes, einer der häufigsten erwähnten Figuren im baltnischen Pantheon, ist seitdem geblieben. Das Haus ist jedoch jetzt geschlossen.
Nachdem wir den steilen Berg hinauf zur Basilika “Christi Auferstehung” erklommen haben, werden wir belohnt. Der Kirchraum selbst ist eher schlicht gehalten, ohne Schnick Schnack, aber schön. Ein Aufzug bringt uns für 5€ hoch in den Kirchturm, wo auf einer großen Plattform ein weiteres kleines weißes Gotteshaus prangt. Rundherum können wir von hier oben auf die riesige Stadt herabblicken. – Kaunas hat hässliche alte und halb zerfallene Häuser, viele Plattenbauten aus der sowjetischen Zeit, aber auch mehrere gut erhaltene oder renovierte schöne Häuser, die Anzahl der Kirchen kann man kaum zählen, überall findet man Skulpturen – aus Metall, Stein, an Hauswänden – entlang der Flüsse und den Fußgängerzonen sind zahlreiche Cafés und Restaurants und ebenso viele Geschäfte. Alles in allem finden wir: eine sehenswerte Stadt.
Als letzten Stopp statten wir der Stadt Marijampolė, die nur eine knappe dreiviertel Stunde von Polen entfernt liegt, unseren Besuch ab. Im Poetry Park mit interessanten Graffiti Wänden, einem bespielbaren Klavier mit nettem Kunstblumenschmuck unter einer Brücke, vielen Blumenrabatten und einigen Steinfiguren machen wir beide am Klavier eine Weile Musik und drehen eine gute Runde bis zum kleinen Café. Unter der kleinen Holzkirche, etwas außerhalb der Stadt, haben wir uns etwas mehr vorgestellt und zudem war sie geschlossen.
Hier in dieser Stadt hatten wir geplant, das Mittsommer Fest zu feiern. Mittlerweile ist aber das Wetter so unzuverlässig und unbeständig, dass wir den Plan verwerfen. Außerdem denken wir, dass wir genug erlebt und gesehen haben. Über Polen geht’s dann zurück an den Niederrhein.
Unser Fazit der Reise ins Baltikum:
- Alle drei Länder strotzen vor wunderschöner Natur, viel grün, etlichen Bäumen, vielen Seen und ganz viel Sauberkeit. Überall begegneten wir freundlichen Menschen und hörten auch immer wieder die Sorgen um einen erneuten Überfall von Russland heraus.
- Es gibt unzählige Sehenswürdigkeiten, zu erkennen an den typischen braunen Hinweisschildern. Wir denken allerdings, dass es etwas zu viele gibt. Z.B. wird in bestimmten Regionen jedes besondere Holzkreuz ausgewiesen. Man muss ja nicht überall hin.
- Die guten befahrbaren Straßen werden vermutlich überwiegend von der EU * durch Zuschüsse gefördert. (*Viele Schilder weisen daraufhin.) Andere Straßen haben wie auch in vielen südlichen Ländern tiefe Schlaglöcher und sind extrem schlecht befahrbar, zumindest mit Knuffel. Kopfsteinpflaster sind das Schlimmste – wie schaffen die Rollstuhlfahrer das hier?
- Es gibt sehr viele Bunker. Und ebenso sehr viele (meist jüdische) Gedächtnisstellen an den 2. Weltkrieg. Sehr traurig, aber hierbei holt uns die Vergangenheit immer wieder ein. Alle drei Länder leben in ständiger Sorge um einen russischen Angriff und sind der Ukraine sehr verbunden. Wir wünschen und hoffen sehr, dass die Bunker nie mehr genutzt werden müssen und die (Weltkriegs-) Erinnerungen für immer erhalten bleiben.
- Kaffeeautomaten- an kleinsten Orten mit vielen verschiedenen Sorten für wenig Geld.
- Die vielen Parks werden sehr gepflegt, mit Blumen und Sträuchern und niemand zerstört diese! Überall sind Bänke, stehen Mülleimer und es wird nichts daneben geworfen. Das gehört sich hier einfach so!
- An kleinsten Orten mit manchmal nur 2 Häusern gibt es Bushaltestellen, mindestens mit einer Sitzbank, oftmals auch mit Überdachung.
- Es gibt sehr viele alte, kaputte, zerstörte Häuser, viel Armut, die man sehen kann. Aber auch viele schöne Gebäude.
- Auf den ewig langen Straßen und Strecken gibt es auch trotz kleiner Baustellen keine Staus, kein Drängeln und Hupen. Autofahrer halten sofort an, wenn man über den Zebrastreifen gehen will.
Alles in allem sind dies beeindruckende schöne Länder, die bereist werden sollten. Es gibt so viel zu entdecken. Uns hat es hier sehr gut gefallen.

Nun reicht es aber erstmal wieder mit dem Reisen und dem Blog. Seid ganz herzlich gegrüßt und genießt den Sommer.
Eure SuMi mit Knuffel 🫶




















































































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