Uganda – die Perle Afrikas, Abschlussbericht

18.08.22 – 06.09.22

Wenn ihr meine bisherigen zwei Berichte gelesen habt müsst ihr denken, ich repariere viel, beschäftige mich aber nicht mit den Kindern. Dem ist jedoch nicht so, da ich außer Fußballspielen, „Uno“ und „Memory“ immer versuche, einen der größeren Kinder in die handwerklichen Dinge mit einzubeziehen.

Allerdings ist es so, dass je mehr ich durch die Häuser und über das Gelände in Kasenge gehe, mir immer mehr Dinge auffallen, die zu reparieren sind. Das Problem dabei ist jedoch, dass mir oft das passende Werkzeug dazu fehlt – obwohl ich bereits einiges über Spendengelder gekauft habe – und dass es oftmals gar nicht möglich ist, in den Handwerkerläden im Dorf die Ersatzteile zu bekommen, die ich für die Reparatur benötige. 

Anfang der Woche installierte ich mit Mikel Senior einen weiteren neuen Ventilator, dieses Mal in meinem Gästezimmer. Mikel Senior hatte ja bereits einige neue Ventilatoren mit mir zusammen installiert inklusive Neuverkabelung; dieses Mal schaute ich nur zu und bis auf wenige Kleinigkeiten kam er bei der Installation zu einem guten Ergebnis (ich hatte ja vor einiger Zeit bereits mehrfach Bonni, unseren nächtlichen Sicherheitsmitarbeiter, angesprochen, dass ich ihn auch in Elektroarbeiten schulen wollte; doch nachdem ich ihm immer wieder diesbezüglich hinterher gelaufen war und er kein Interesse mehr zeigte, habe ich mich auf die Einarbeitung von Mikel Senior beschränkt).

Um Euch die örtlichen Schwierigkeiten besser schildern zu können, beschreibe ich nachfolgend eine Reparatur etwas ausführlicher.

Bei einem letzten Regentag hatte ich festgestellt, dass die Dachrinne am Gästehaus regelmäßig überlief und auch Leckagen zu sehen waren.

Dafür brauchte ich zunächst eine Leiter, die hier nicht vorhanden war. Auf meine Bitte fragte Mabel in der Nachbarschaft, die zwar eine hatten, diese aber wegen eigener Bauerei nicht ausleihen wollten. Dann verlief das Thema im Sande und ich hörte nichts mehr von weiteren Bemühungen, eine Leiter zu organisieren. Also machte ich mich auf den Weg ins Dorf und schaute, wo vielleicht eine Leiter zu sehen war. Ich wurde fündig und fragte den Besitzer, ob er mir diese ausleihen könne, das war kein Problem.

Das größere Problem war, diese schwere, drei Meter lange Holzleiter fest in meiner Hand auf einem Bodaboda (kleines Motorrad) über holprige Straßen sicher zu Terra Varietas zu transportieren, es war wirklich ein Abenteuer und nicht ungefährlich.

Nachdem ich vorher dann auch Ersatzteile für die Leckagen organisiert hatte, stellte ich auf der Leiter fest, dass die 20 m lange (!) Dachrinne voll mit Dreck war, die erst zu reinigen war. Außerdem ist die Dachrinne nicht mit Gefälle verlegt, sodass trotz der Reparatur es nur eine Frage der Zeit ist, bis diese überläuft (die Sache mit dem nicht vorhandenen Gefälle hatte ich dann nicht korrigiert, das war mir eine Nummer zu groß). 

Zwei Leckagen reparierte ich dann mit neuen Innenteilen.


Um das neue lange Fallrohr zu fixieren, brauchte ich noch ein Zwischenstück, was es jedoch nicht zu kaufen gab. Also kaufte ich ein anderes und schloss die ungenutzte Öffnung mit einem Deckel, den ich aus einem alten Farbeimer geschnitten hatte.

Schlussendlich bastelte Mikel Senior aus einem alten Wasserkanister ein kleines Auffangbecken, damit wir das Wasser auffangen können und es nicht ungenutzt im Boden versickert.




———————————————————————
Hier noch ein paar fotografische Eindrücke:

(Vorbereitung des Frühstücks für die Kinder)

(Übergabe einer Grosspackung Kinderzahnpasta an Mabel – gespendet von meinem Zahnarzt)

———————————————————————

Besuch bei Frank und Angie, die in Kampala ein Haus für 35 ältere Kinder und Jugendliche führen.

Hier geben sie ihnen ein Zuhause und das Besondere ist, dass sie aus dieser Gruppe einen wunderbaren Chor gebildet haben, der mich bei dem Besuch bei ihnen zunächst mit der deutschen Nationalhymne auf englisch überraschte und auch eine  tolle Tanzvorführung aufs Parkett legte (diese Tanzvorführung schildert das Werben eines jungen Mannes um eine junge Frau, dann kommt noch ein Widersacher, aber letztlich kann der „Gute“ die junge Frau für sich gewinnen).

———————————————————————

(Gemeinsames Essen mit Franziska und Sheilah)

———————————————————————

Ich hatte ja ursprünglich vor, letzte Woche das Müllprojekt mit den Kindern zu machen – das fiel jedoch wegen meiner Infektion aus; nun holte ich es nach.

Ziel war ja, nach meinem Einkauf von acht großen farbigen Mülleimern aus Spendengeldern, den Kindern einen verantwortlichen Umgang damit nahe zu bringen.

Die Kinder hatten sich vor dem Gästehaus versammelt und waren zunächst erstaunt und zurückhaltend, als ich im Schlafanzug mit Hut und roter Nase vor sie trat, obwohl sie mich jedoch erkannten. Dann tauten sie jedoch schnell auf und machten mir lautstark klar, dass ich natürlich den Müll, den ich vorher gesammelt und mitgebracht hatte, nicht einfach so auf das Gelände werfen dürfe, sondern in die Mülleimer.

Zusätzlich spielte ich noch ein paar andere Szenen und zum Abschluss wanderten wir alle zu den vorher festgelegten Stellen, wo wir die Mülleimer dauerhaft platzierten.

Ich hatte für Paulo, unseren Wachhund, eine kleine Bürste gekauft und er liebte es sehr, von den Kindern verwöhnt zu werden.

Im Anschluss an das Müll-Clownprojekt übte ich mit Joshua, Rina und Pesch noch Clownerie in der Kleingruppe;  am Samstag führten wir den anderen Kindern noch eine kleine Aufführung vor. 

Da ich ja nicht mehr so lange hier in Kasenge bin – siehe unten – und dann auch andere die Wundversorgung vornehmen können, habe ich aufgrund meiner beruflichen Ausbildung heute alle „Mamas“ im Wohnzimmer des Gästehauses geschult, auch Nikolaus und Franziska waren dabei, als es um folgende Inhalte ging:

Vorbereitung:

Desinfektion/ Waschen der Hände, gute Lichtverhältnisse

Fieber :

Arten der Temperaturmessung, Wadenwickel

Erkältung:

Trinkmenge pro Tag, Gebrauch von Hustensaft

Wundreinigung:

Korrekte Vorgehensweise, Verwendung von H2o2 + sterilem Wasser, korrekte Richtung der Wundreinigung

Anlegen eines Verbandes (praktisch geübt):

Kreuztechnik, Fixierung mit Pflaster oder Knotentechnik

Als einer meiner letzten handwerklichen Tätigkeiten stand dann noch die Reparatur des Wassertanks an.

Ich hatte bemerkt, dass wenn die Wasserpumpe das Wasser vom unteren in den oberen Tank pumpte, oben an der Anschlussstelle jede Menge wertvolles Wasser daneben lief und damit verloren ging. Ich erntete beim Ansprechen auf dieses Problem lediglich ein Schulterzucken und nahm die Sache selbst in die Hand. 

Eine Leiter hatte ich ja schon organisiert, diese musste ich nun waghalsigerweise auf dem Blechdach der Aussentoilette platzieren, um an den Hochbehälter heran zu kommen. Auch die Beschaffung der Ersatzteile gestaltete sich schwierig, aber das bin ich ja nun hier gewöhnt. 

Mit Nikolaus‘s Klettererfahrung klappte die Reparatur dann erfolgreich und alles ist abgedichtet, das wertvolle Wasser ist gesichert.




Zum Abschluss meiner Zeit in Kasenge lud ich noch Mable, Franziska, Ben und Nikolaus in ein Café in Kampala ein. 

In Absprache mit Ann-Kathrin und Sr. Victoria vom Projekt im Norden hatte ich nun meine Einsatzpläne etwas geändert und bin bereits vom 28.08.22 in den Norden in das andere Projekt von Terra Varietas gegangen, da dort wohl noch einiges zu tun ist.

Ich fuhr zunächst mit dem Bus nach Gulu und übernachtete dort in einem Convent, um dann am nächsten Tag zusammen mit mehreren Ordensschwestern nach Idriani zu fahren.

Da die dortigen Latrinen für die Schulkinder durch starke Regenfälle zusammengebrochen waren, konnte die Schule noch nicht beginnen. Vom Spendengeld, welches Lisa, Franziska und Merle gesammelt hatten, konnte ich dann Steine und Zement organisieren und kaufen, damit nachfolgend neue Latrinen gebaut werden konnten. Weiterhin konnte ich hier medizinische Hilfe leisten und legte mehrere elektrische Leitungen zur Stromversorgung.

Damit dieser Bericht textlich nicht zu lang wird, nun mehrere Bilder mit Untertitel über meine Zeit in Idriani, eine ganz kleine Ortschaft etwa 2,5 Stunden von Gulu entfernt, nahe der Grenze zum Sudan.

(Convent in Gulu)

 

Bild 1:

(Friedhof am Hospital des Convents in Gulu; eine große Anzahl an sehr jungen Mitarbeitern starb an Ebola)

Bild 2:

(auch im Hospital der Schwestern gilt leider: Wer arm ist, kann die medizinische Behandlung nicht bezahlen, er wird kränker oder stirbt…)

(auch lebende Schweine werden quer über ein Bodaboda gelegt

(Eindrücke aus Idriani)

(Neubau der Latrinen für die Schulkinder)

Nachdem mich nun auch hier in Idriani eine weitere Infektion mit Durchfall, quälenden Magen- und Kopfschmerzen über mehrere Tage aus dem Rennen geworfen hatte, beschloss ich – auch aufgrund anderer gesundheitlicher Schwierigkeiten- meine Zeit in Uganda zu beenden und nach Deutschland zurückzukehren.

(Abschied aus Idriani)

Es war für mich trotz allem eine gute Zeit mit spannenden menschlichen Begegnungen, die mir dieses Land und seine im Gegensatz zu Deutschland doch sehr unterschiedlichen Kultur und Lebensweisen näher gebracht hat.

Mir ist auch noch einmal überaus deutlich geworden, wie gut es meiner Familie und mir in Deutschland geht und wie demütig und dankbar ich dafür sein kann.

Gehe ich vor dir, dann weiß ich nicht, ob ich dich auf den richtigen Weg bringe.
Gehst du vor mir, dann weiß ich nicht, ob du mich auf den richtigen Weg bringst.
Gehe ich neben dir, werden wir gemeinsam den richtigen Weg finden.
aus Südafrika

Gemeinsam den richtigen Weg finden, das ist für mich ein schönes Bild zum Abschluss meiner Zeit hier.

Euer Michael

 

 

 

 

 

 

5 Antworten auf „Uganda – die Perle Afrikas, Abschlussbericht“

  1. Kurzer Einwand.: es war in unserem Reise Blog nur ein erster Bericht aus Uganda, hiermit ist das also der zweite, (nur damit niemand denkt, er habe einen verpasst). Der erste Bericht war ein wenig länger und hatte schon kurze zusammengefasste Inhalte für einen zweiten Bericht, den es dann nicht gab.
    Ich freue mich sehr, dass Micha zurück kommt, auch wenn ich stolz auf seinen Einsatz bin. Ich denke, es ist für ihn aus gesundheitlichen Gründen in jedem Fall besser diese Tätigkeit zu beenden. LG Susanne

  2. Hallo Michael,
    ich bin froh wenn du wohlbehalten wieder heimischen Boden unter den Füßen hast und du deine Familie wieder umarmen kannst!!! Ich denke, dass die unterschiedliche Mentalität, das Klima, die Hygiene, die Ernährung uvm sehr fordernd und kräftezehrend ist.
    Immer wieder sehr intensiv deine unterschiedlichen Aufenthalte zu verfolgen und die direkten Einblicke vermittelt zu bekommen.
    Auch dafür wieder vielen Dank, gute Heimreise und herzliche Grüße Jutta + Mario 🍀

  3. Lieber Michael,
    Spannend deinen Blog zu lesen und ja, du hast viel erlebt und bestimmt auch bewirken können. Toll was du machst!
    Ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass du deinen Einsatz vorzeitig abgebrochen hast. ..
    So wie ich zwischen den Zeilen lesen konnte, war es wohl auch nicht immer ganz einfach , mit dem doch recht unterschiedlichen (im Vergleich zu unserer Mentalität…) Engagement für Veränderung (meine Reparatur) umzugehen.

    Ich wünsche Dir gutes Ankommen wieder in Deutschland und dass du dich gesundheitlich gut erholen kannst.

    Herzlich deine Schwägerin Erika

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.