Ein kleines Stück vom großen Glück

Von Micha aus Lesbos: Heute Mittag ist ein Boot mit Menschen in Bewegung bei uns auf Lesbos in Mytilini unterhalb der Freiheitsstatue(!!!) gelandet. Bislang wurden 34 Männer, Frauen und Kinder gefunden, bis auf zwei Menschen (ein Syrer und ein Palästinenser) sind alle anderen afrikanischer Herkunft. Wie lange noch müssen sich Menschen unter Lebensgefahr auf das Meer begeben, um sich ihren berechtigten Wunsch nach Schutz und Menschenwürde erfüllen zu können? Wie lange schauen wir Europäer noch zu, wenn so viele Menschen im Meer ertrinken?

Während es bei Micha so und ähnlich aussieht und er dort so gut wie es ihm möglich ist seine Hilfe in unterschiedlichster Weise bei der Oragnisation „One happy family“ (OHF) anbietet, schaue ich hierzulande, was ich tun kann und wo es mir möglich ist. Das sieht hier allerdings so ganz anders aus und hat mehr mit Freude als mit Leid zu tun. Hier ist ein Bericht von meinen Erlebnissen mit „unserer“ kurdischen „happy family“ aus Syrien.

Bei einem meiner Besuche der Familie, die uns seit 2015 ans Herz gewachsen ist und wir uns mittlerweile als eine große Familie betrachten, fragte mich die älteste Tochter, ob ich noch einmal mit ihr zusammen in eine größere Stadt fahren würde. Vor ca. 4 Jahren war ich mit ihr und ihrer Schwester nach Berlin gefahren. Nun ist sie 16 Jahre alt, eine hübsche junge Teenagerin und sie ist neugieriger und mutiger als damals in Berlin. So fuhren wir an einem Wochenende in ihren Herbstferien nach Hamburg. Da die Bahnen ständig Verspätungen haben und wir die ganze Zeit einen Mundschutz tragen müssten, fuhren wir mit meinem PKW. Trotz früher Abfahrt nach meiner Arbeit am Freitag kamen wir in viele Staus und erst am Abend im Hotel an.

Wir machten das Beste daraus, bummelten durch die dunkle Hafenstadt, bewunderten die Häuser der Speicherstadt und beendeten den Abend mit einem warmen Kakao. Weiter erlebten und betrachteten wir das Gebäude Elbphilharmonie (bei dem die Warte Schlange ins Gebäude leider wieder über 1 km lang war), das U-Boot Museum, die Brücken über die vielen Wasserstrassen, Hafengelände, ein Rundgang im Sonnenschein um die Binnenalster, das schöne Rathaus. Wir hatten Spaß mit den E-Rollern, die uns ob der Sonne mehr reizten als die U-Bahn. Zwischendurch gönnten wir uns leckeres Essen, ein kurzes Shopping und abends im Kino den letzten James Bond.

Das Hotel gleich neben dem Bahnhof war gut zu erreichen, nicht zu teuer und bot ein reichhaltiges Frühstück. Vor unserer Rückfaht am Sonntag betrachteten wir noch die „blaue Moschee“ an der Außenalster und dann ging es mit ebenso vielen Staus wieder zurück. Es war nur kurz, aber ich denke und hoffe, Mahabat fand es nett, auch wenn sie äußerte, dass ihr kleinere Städte doch besser gefallen würden.

Eine Woche danach treffe ich mich wieder mit der gesamten in Deutschland lebenden syrischen Familie und darüber hinaus mit deren Freunden und Verwandten, sogar auch aus Dänemark. Der Grund: Kacems Bruder hat endlich nach 2 Jahren Wartezeit seine syrische Braut aus dem Iran zu sich holen können. Da sind alle zur großen Hochzeitsfeier eingeladen. Auch ich bin eingeladen, zusammen mit ca 100 anderen Gästen aus unterschiedlichen Ländern, die meisten sind Kurden.

Es ist eine große fröhliche Feier mit sehr viel Tanz und life Musik nach traditioneller Art. Alle haben sich wirklich festlich geschmückt, die Frauen glänzen und strahlen in ihren Outfits, die Kinder tanzen, laufen und springen überall mittendrin herum. Manche sind von weit her gereist, so wie die Schwester der Braut samt Familie aus Dänemark und das Wiedersehen hier im anderen Land ist für alle ein wunderschöner Anlass zur Freude. Zinar und seine Braut Sarya scheinen sehr glücklich zu sein und stehen selbstverständlich nach deren Eintreffen im Mittelpunkt. Ich freue mich, dass ich eingeladen wurde und an diesem glücklichen Fest teilhaben darf. Selbstverständlich habe ich Zinar und auch Kacem, sowie ihre Frauen gefragt, ob ich die Fotos im Blog verwenden darf. Die ganze Hochzeit wurde gefilmt und den in Syrien gebliebenen Eltern geschickt, denn diese möchten ihr Land, in dem sie geboren sind und das sie lieben nicht verlassen. Doch wie ich feststelle lebt nun schon ein Großteil der Familie und Verwandtschaft in Deutschland oder anderen Ländern und die meisten haben sich im für sie anderen Land und der so anderen Kultur schon eingewöhnt und die entsprechend andere Sprache erlernt.

Es ist schön für mich mit ansehen zu dürfen, wie die Menschen, die einst in größter Not ihr Land unter schwierigen Bedingungen und in Gefahr verließen,  hier in Freiheit und vor allem in Frieden feiern dürfen und ein kleines Stück vom großen Glück erfahren können.

Das wünsche ich allen Menschen in der ganzen Welt. Möge es für sie irgendwann einmal möglich sein.

Möget ihr alle immer glückliche Zeiten erleben und in schweren Situationen und Lebenslagen euch an die kleinen Glücksmomente erinnern.

Beste Grüße von Susanne. 🙂

 

2 Antworten auf „Ein kleines Stück vom großen Glück“

  1. Wie schön zu hören, dass es möglich ist so eine glückliche und große Hochzeit zu feiern, bei all dem Unglück was sie alle schon erlebt haben.
    Und toll, dass du dabei warst und Micha in Lesbos hilft. Ihr beide macht mich einfach immer wieder stolz, dass ihr so offen und hilfsbereit seid und euch für neue Menschen und Kulturen begeistert. Ich kann mich glücklich schätzen euch als Eltern zu haben 😘

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