Bayern – Berge und Meer (mehr)

Auf dem Weg nach Penzberg,  nicht weit von München entfernt, muckt der Bambino plötzlich herum und bekommt nicht mehr genug „Saft“. Micha beschrieb das schon im letzten Blog.  Jedenfalls müssen wir so oft anhalten, dass wir beschliessen lieber weiter auf der Landstraße zu fahren. Erstens ist das Halten und Aussteigen auf der Autobahn nicht ungefährlich

und zweitens hoffen wir, vielleicht so noch eine geöffnete Pkw Werkstatt  zu finden. Es ist allerdings Samstag. Birgit und Max,  bei denen wir zum Kaffee eingeladen sind, vertrösten wir; natürlich wird es durch die Landstraßen  jetzt noch länger dauern. Kurioserweise fahren wir durch München durch und vorbei an der Frans-HalsStrasse, in der damals Michas Eltern gewohnt hatten. Auf dem Weg durch München Solln kommen wir auch an anderen Erinnerungsgebäuden und -plätzen vorbei und jeder von uns hängt den Gedanken an die Eltern nach.

Endlich erreichen wir das Ziel. In Penzberg am Kirnbergsee haben Max und Birgit netterweise mit ihrem Womo uns einen Platz auf dem kostenlosen Stellplatz freigehalten. Es ist der sonnigste Tag überhaupt, über 32 °C zeigt das Thermometer. Viele Camper haben das warme  Wochenende genutzt.

Die Wiedersehensfreude ist groß. Zuletzt hatten wir uns im Oktober in Griechenland kennengelernt und getroffen. Wir geniessen auch zu längst späterer Stunde noch den leckeren Kuchen. Während Max und Micha am Bambino herumbasteln – Max hat sehr viel Ahnung und kriegt das Problem gut gelöst, zumindest so, dass wir besser weiterfahren können – bereiten Birgit und ich ein leckeres Abendessen vor. Wir haben eine nette Zeit miteinander und tauschen viel Erlebtes gegenseitig aus.

Am See angekommen schießen wir noch ein paar Sonnenuntergangsfotos und begeben uns dann zur Ruhe. Die Nacht in unserem TrauMobil wird jedoch heftig unruhig und vor allem sehr laut: das Gewitter ist gleich über uns. Der Donner knallt so laut und heftig, dass wir nicht nur fast aus dem Bett fallen, sondern unser TrauMobil etwas wackelt. Ein anschließender super Regen lässt uns irgendwann später doch einschlafen. Zumindest mich, Micha hat nächtlich auch noch mit Achalasiekrämpfen zu kämpfen.

Der nächste Morgen bleibt verregnet. Dennoch geniessen wir das reichhaltige Brunch mit frischen Semmeln und Brezen bei Birgit und Max und haben letzte schöne Gespräche. Da sich bei dem Wetter weder ein Spaziergang noch ein Rundgang durch die Stadt als brauchbar erweist, verabschieden wir uns herzlich voneinander. Nicht zuletzt mit lieben Dank für die nette Gastfreundschaft und Maxs Hilfe beim Bambino.

Am Wohnmobil bitten uns die netten älteren Stellplatznachbarn zu sich herein. Das begonnene Gespräch draußen wurde doch zu nass. Die beiden weit über 70 -jährigen reisen schon sehr lange herum und lassen uns an ihren Erlebnissen teilhaben. Sie sind unerschrockene Urberliner,  die nun im Alter in Bayern leben. Das Campen im Womo wollen sie so lange es geht, noch nutzen. Sie berichten von Einbrüchen in ihrem damaligen VW-Bus, von Typen, die sie mit Gas einschliefen liessen und anschliessend ausraubten.  Uns wird schon bange beim Zuhören, aber die Beiden lachen und sagen, nun ja, wir haben es überlebt, das sei die Hauptsache… So kann man es auch sehen.

Durch Zufall habe ich entdeckt, dass Bad Tölz ganz in der Nähe und auf unserem Weg liegt. Da beschließen wir, Michas Tante Dorle einen kurzen Besuch abzustatten. Ein kurzer Anruf, sie freut sich sehr und wir bringen köstlichen Kuchen mit.

Mit Dorle vergeht die Zeit wie im Flug. Sie erzählt uns einige Anekdoten von früher, von Michas Mutter, deren Schwester sie ist und plötzlich wird es schon Abend. Sehr herzlich verabschieden wir uns voneinander, dann wir fahren zu unserem TrauMobil,  das auf dem Stellplatz an der Isar steht.

Der Fluss ist schon mächtig angestiegen, denn es regnet weiter Bindfäden. Hoffentlich tritt er nicht übers Ufer und erreicht die Wohnmobile. ‌‌Genau das denken auch andere Camper. Mit Petra und Günther,  die unseren Bambino und das bemalte TrauMobil bewundern, kommen wir ins Gespräch.  Da es uns irgendwann draußen zu nass wird, laden wir sie in unser bescheidenes aber trockenes Heim. Hier unterhalten wir uns noch lange über dies und das,  bis es dunkel wird und die beiden sich mit guten Reisewünschen verabschieden. Wieder einmal haben wir nützliche Informationen und Reisetipps erhalten und verbringen später mit dem prasselnden Regengeräusch, welches auf unser Dach tropft, die Nacht auf dem Stellplatz an der Isar.

Am Morgen regnet es noch immer, aber zumindest ist die Isar nicht übergeschwappt.  Im strömenden Regen fahren wir langsam und vorsichtig weiter. Unser Ziel ist nun Berchtesgaden.

Hier haben wir ganz in der Nähe des Königssee einen Platz auf dem Campingplatz Mühlleiten reserviert. Ohne Zwischenfälle erreichen wir ihn in der Mittagspause – und essen selbst auch erst mal etwas.

Der uns zugewiesene Platz ist in Ordnung,  nur das Wetter könnte besser sein. Vor allem, wenn ich höre, in NRW sei warmer Sonnenschein, möchte ich gerne dorthin etwas von unserem  Regen hier abgeben.

Als tags darauf tatsächlich morgens die Sonne ein wenig zwischen den wolkenverhangenen Bergen hervorlugt, beschließen wir schnell das auszunutzen und ein wenig zu spazieren. Wir kommen bis zur Jennerbahnstation, die uns für dies Wetter und die vernebelte Aussicht zu teuer erscheint. Weiter geht’s zum großen Parkplatz und plötzlich stellen wir fest, dass wir am Königssee angelangt sind. Die Sonne scheint immer noch. Nun sind wir spontan und fahren mit einem Schiff die kleine Tour nach St. Bartholomä. Es wird immer wärmer. Herrlich. Das nutzen wir zu einer ausgiebigen  Wanderung bergauf bis zur kleinen Kapelle St. Johann und Paul.  Sie steht leicht versteckt am klaren Fluss Eisgraben. Der Weg bis hoch zur Eishöhle ist doch zu lange, denn das letzte Schiff wollen wir nicht verpassen. Ach wie schön ist es, wenn die Sonne scheint. Wir genießen das mit all unseren Sinnen.

Ein weiteres mal fahren wir per Schiff, diesmal bis Salet und wandern von dort aus bis zum Obersee. Auf einem für mich sehr unebenen schmalen und teils rutschigen Weg, bergauf und bergab schaffen wir es auch noch bis zur nächsten Hütte, halb um den Obersee herum. Von hier aus kann man den Rötbachfall, der mit einer Fallhöhe von 470 m Deutschlands höchster Wasserfall ist, die Berge hinabschnellen sehen.  Den Weg bis dorthin schaffen wir nicht mehr. Jedoch am klaren Obersee rasten wir eine Weile und ich erfrische endlich auch meine warm gelaufenen Füße,  denn uns steht ja noch der ganze Rückweg bevor. Ich muss zugeben,ich bin nicht als Wanderer geboren und es liegt mir auch überhaupt nicht im Blut. Aber es ist dann doch immer wieder schön zu sehen, wenn wir es geschafft haben.

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Es folgen immer wieder Regentage. Wir verlängern unseren Aufenthalt, irgendwann muss doch noch mal die Sonne scheinen. So erleben wir einen kleinen Stadtbummel  durch Berchtesgaden,  entdecken den ansteigenden Weg der Seligpreisungen mit kleinen Stationen bis hin zur Kapelle.

Das „Salzbergwerk Museum“ mit den Rutschen hinab in die Tiefe und den extra Anzügen zum Schonen der eigenen Kleidung ist nett gemacht und trotz Corona Einschränkungen gut besucht. In den verschiedenen unterirdischen Räumen wird meist per Videoshow erklärt, wie der Salzabbau gewonnen wird und wurde.

Micha besucht an einem Tag die „Dokumentation Obersalzberg“. Er nimmt dazu den Bus, denn unser Bambino hat es am Tag davor leider nicht geschafft die 25 % Steigung hinauf zu kommen. Wir mussten umdrehen. Ich fahre Micha bis zum Bus und hole ihn später dort wieder ab. Währenddessen bringe ich Päckchen und Briefe zur Post, bereite das Essen vor, spüle und lese in einem meiner vielen Bücher.

Micha berichtet von diesem Tag:

Das Dokumentationszentrum Obersalzberg befasst sich an historischem Ort – der Obersalzberg, seit 1923 Hitlers Feriendomizil, wurde nach 1933 zum zweiten Regierungssitz neben Berlin ausgebaut – mit der Geschichte des Obersalzbergs und der Geschichte des Nationalsozialismus. Wegen Corona dürfen nur maximal 30 Personen gleichzeitig in die Austellung und so hieß es erst einmal warten. 1,5 Stunden stehe ich mit anderen Interessenten in strömendem Regen. Währenddessen unterhalte ich mich sehr angeregt mit vier Amerikanern, die hier in Bayern bei den amerikanischen Streitkräften arbeiten und ungefragt das Thema „Trump“ ansprechen; ihnen ist es sichtlich peinlich und sie loben Angela Merkel „über den grünen Klee“.

Die Ausstellung selbst darf derzeit nur mit Mundschutz betreten werden und ist in einem relativ kleinen Haus untergebracht (ein Neubau direkt daneben ist noch im Bau); es ist aber kein historisches Gebäude, da die Amerikaner 1945 fast den gesamten Obersalzberg in Schutt und Asche bombten, da sie nicht wollten, dass die Hitlergebäude eine Kultstätte für Anhänger wird. Lediglich der Bunker steht noch, siehe Fotos.

Die Ausstellung ist sehr zu empfehlen, insbesondere die Kommentare über den Internetaudioguide sind sehr ausführlich. Mir – als jemand, der sich bereits intensiv mit der Kriegszeit und den Nazis auseinandergesetzt hat – wird hier noch einmal deutlich, wie „clever“ und perfide die Nazionalsozialisten die Medien  – insbesondere das neue Medium Radio – zur Propaganda eingesetzt hatten.

Neben den Fotos vom Bunker ist mir ein Foto besonders eindrücklich,  die „Kennzeichnung“ von Menschen. Das Schlimme ist, das vorgestern über den Account von Trumps Wahlkampfteam eines dieser Nazisymbole mit dem roten Dreieck verwendet wurde…(die Masken fallen…)

Tatsächlich gibt es auch einen Sonnentag, den wir zum Wäschewaschen nutzen. Im Bergwind mit der Sonne ist die Wäsche am Abend gut getrocknet.

An einem Regentag macht sich Micha früh morgens schon auf den Weg nach Marktschellenberg um von dort zu Fuß zur Schellenberger Eishöhle zu wandern. Er hofft, die Sonne kommt bald noch raus, aber der Regen hört nicht auf.

Doch irgendwann ist er ziemlich durchweicht und erschöpft.  Seht selbst, was er im Video berichtet.

Sobald es mal wieder einen Sonnentag gibt, müssen wir los; also raus in die Berge oder irgendetwas Schönes in der Gegend anschauen. An einem vielversprechenden Tag, an dem wir sogar mal wieder draußen frühstücken können, fahren wir mit dem Bambino in die ca. 20 km entfernte Kreisstadt Bad Reichenhall. Es ist wirklich eine schöne Stadt mit netten alten Gebäuden. Das alte Rathaus auf demselbigen Platz wird von allen Besuchern gerne fotografiert. Aber auch der Kurpark und die verschiedenen Kurgebäude können sich sehen lassen. Es gibt mehrere nette Fussgängerzonen und auch hier entdecken wir zwischendrin herrlich schmucke Häuser. Mehrere Brunnen und Bronzefiguren runden das schöne Stadtbild ab. Auch W.A. Mozart ist mit seiner Constanze, sowie deren Dackel ein kleiner Park gleich um die Ecke des berühmten Rebercafés gewidmet. Überall sieht man die leckeren Reber Mozartkugeln. Der mit Abstand weltgrößte Produzent für Mozartkugeln, die auch in Österreich hergestellt werden, ist die Firma Paul Reber GmbH& Co.KG aus dem bayerischen Bad Reichenhall, obwohl Mozart in Salzburg (Österreich) geboren wurde.

Schließlich erstehen wir für diesen Tag Eintrittskarten für die letzte Führung in der Alten Saline. Und das hat sich tatsächlich gelohnt. Sehr ausführlich erklärt uns die Studentin die unterschiedlichen Salzgewinnungsprozesse, die schon vor Jahrhunderten hier in der alten Salzfabrik stattfanden. Wir gehen durch unterirdische feuchte Salzgänge und betrachten voller Staunen die alten Maschinen, die heute immer noch Salz zutage bringen, wenn auch es nun eine neue größere und moderne Fabrik außerhalb der Stadt gibt. Beeindruckend stellen wir fest, was damals die Menschen leisteten, und das unter wirklich anderen Arbeitsbedingungen als heute. Salz war damals ein sehr wertvoller Rohstoff, wichtig zum Haltbarmachen von Lebensmitteln (pökeln) und auch heute möchte kein Koch und keine Köchin das Salz in der Küche vermissen. Aber auch für die Gesundheit ist es sehr beliebt und gerade jetzt in der Coronazeit hören wir, wie praktisch und desinfizierend es ist. In strahlendem Abend Sonnenschein fahren wir zurück zu unserem Traumobil. Dort angekommen hören wir eine ganze Weile lang den Klang der Almbläser mit Alphörnern von den Bergen.

Irgendwann müssen wir aber noch auf den 1874 m hohen Berg „Jenner“. Auf dem Weg dorthin kommen wir am reissenden Flüsschen Königssee Acher vorbei.

Der ist ganz in der Nähe unseres Campingplatzes, zumindest die Jenner-Bahn. Man kann auch zu Fuß hinauf, aber das trauen wir uns wirklich nicht zu, schließlich sind wir keine Bergsteiger. Wir lassen uns mit der Gondel bis ganz hinauf fahren. Das allerletzte Stückchen bis zum Gipfelkreuz ersteigen wir dann. Was soll ich sagen; ich bin wirklich kein Liebhaber von Bergen und mag das Meer und die See lieber, aber diese Aussicht ist so grandios, das beeindruckt sogar mich sehr. Auch bin ich stolz, dass ich es geschafft habe hier hoch zu kommen – klar mithilfe der Gondel und ein wenig klettern, aber die Luft ist hier oben schon ziemlich dünn und ich merke das an meiner „Puste“. Von hier oben sehen wir auf das Berchtesgadener Land, die anderen Berge ringsherum, den klaren Königssee und oben über uns fliegen Drachenflieger. Die Sonne scheint warm auf uns und hier oben blühen zahlreiche Blumen. Welch großartige Schöpfung – Super Wahnsinn! Ein guter Abschluss für unsere Zeit in Bayern.

Ja, jetzt heißt es Abschied nehmen von Bayern, von Deutschland. Wir werden wieder ein anderes Land bereisen; wenn man uns reinlässt. Sicherheitshalber nehmen wir die Quittungen der vergangenen Campingaufenthalte als Beweis mit; damit man nicht denkt wir kämen gerade aus NRW…

Mit einem herzlichen „Grüaß Gott“ und „Pfüat eahna“ (es behüte euch (Gott))

bis bald Eure SuMi mit Bambino und TrauMobil

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