Be-Ne-Lux – Burgen und Winterstimmung

Gleich hinter der deutschen Grenze kommen wir in die Stadt Heerlen. Sie liegt in der niederländischen Provinz Limburg.

Interessant wäre hier das Wasserschloss „Hoensbroek“ gewesen, eines der größten Schlösser der Niederlande. Leider hat es total geregnet und die Anlage war geschlossen. Dennoch steigen wir kurz aus,

um im strömenden Regen ein paar Fotos zu schießen. Klar sind diese wegen der viel zu dunklen Wolke über uns viel zu dunkel und werden deshalb in schwarz-weiß abgebildet. Der Regen lässt nicht nach, auch nicht, als wir unser Mittagessen in unserem warmen TrauMobil hinter uns haben.

So fahren wir frustriert weiter über Maastricht nach Belgien – zum Ort Jalhay, welcher fast schon wieder um die Ecke von Aachen liegt. Hier finden wir den Stellplatz mit kostenlosem Strom am „Lac de la Gileppe“, einem großen Stausee. Die Gileppe-Talsperre ist die älteste europäische Talsperre. Sie wurde bereits 1867 durch König Leopold errichtet. Ein großer Steinlöwe thront an der Promenade zu Ehren des damaligen Königs. Leider ist auch an diesen Tagen nicht das schönste Wetter, aber wir nutzen die kurzen Regenpausen, um etwas an die frische Luft zu kommen und mit dem Aufzug hoch zum Aussichtsturm aus den 1980ern zu fahren, in dem sich auch ein Restaurant befindet.

Weiter geht’s nach Verviers, einer belgischen Kleinstadt, nicht unweit von Jalhay.

Im letzten Jahrhundert war diese Stadt bekannt als Zentrum des Wollhandels und der Textilindustrie. (Ob das mein Vater gewusst hatte, denn er war Textilingenieur.)

Aus dieser Zeit stammen noch viele erhaltene Bürgerhäuser, die ganze Straßenzüge säumen. An die Geschichte der Textilindustrie erinnert wohl auch besonders das „Centre Touristique de la Laine et de la Mode“, welches jedoch leider an unserem Besuchstag auch geschlossen ist. Zahlreiche neue Brunnen und Wasserspiele und ein „Wassermuseum“ lassen die Stadt heute als „Wallonische Hauptstadt des Wassers“ erkennen. Besonders hervorzuheben ist der Brunnen „Fontaine Ortmans“. Hiermit wurde dem Industriellen Herrn Ortmans (1806 – 1885) ein Denkmal gesetzt, der u.a. mit dem Aufbau der Talsperre in Jalhay die Trinkwasserversorgung gesichert hat.

Einige gut erhaltene Bauwerke können sich sehen lassen, wie das Rathaus, das heutige Arbeitsamt mit dem schönen Turm und die Kirche „Notre Dame des Récollets“, bei der von einem besonderen Wunder im Jahre 1692 die Rede ist. Folgendes trug sich hierbei zu: Im September 1692 erschütterte ein Erdbeben die ganze Gegend. In Verviers fanden nachmittags zwei Erschütterungen (6,25 auf der Richterskala) statt. Viele Katholiken betraten die Kirche für das Abendgebet. Beim Verlassen bemerkten sie, dass die Statue der Jungfrau mit Kind an der Vorderseite ihre Lage verändert hatte. Niemand sah die Veränderung stattfinden, aber hunderte Zeugen bescheinigen per Urkunde die neue Lage der Statue.

Am Nachmittag beschließen wir uns mit warmem Tee und Kakao etwas aufzuwärmen und landen nach einigem Suchen in einer Crêperie. Belgien ist nicht Frankreich, aber die Crêpes schmecken uns dennoch vorzüglich.

Da wir wie so oft auch durch Straßen gehen, die nicht zu den „schönen“ Flaniermeilen gehören, sehen wir außer den gut erhaltenen Häusern eine ganze Reihe von kaputten, baufälligen und abrissreifen, zum Glück unbewohnten Häusern. Das stimmt uns traurig und wir denken, dass hier dringend Renovierungsbedarf nötig ist, bevor die Stadt Verviers niemand mehr gerne besuchen mag.

Über Lüttich kommen wir nach Namur; immer an der Maas entlang. In Namur allerdings treffen zwei Flüsse zusammen: Die Sambre und die Maas. Besonders von den Mauern der weitläufigen Festung und der Zitadelle hat man einen herrlichen Blick auf beide Flüsse. Wir haben Glück, die Sonne kommt teilweise hervor und lockt uns zu einem Bummel durch die Stadt. Gleich am Bahnhof, der nur von außen eine schöne Fassade hat, erleben wir die Vielseitigkeit dieser belgischen Hauptstadt der Wallonie: Menschen mit interessanten Frisuren, abwechslungsreichen Kleidungen, verschiedenen Hautfarben und unterschiedlichen Sprachen. Wir sind stolz auf uns, weil wir unser letztens noch aufgefrischtes „französisch“ wieder anwenden können, wenn es auch niemanden stören würde uns deutsch sprechen zu hören.

Die katholische barocke Kirche „Saint-Loup de Namur“ weist in deren Inneren viele schöne Holzschnitzereien und  Säulen vor und wirkt sehr anmutig. Hier macht es Spaß, in der Altstadt die vielen Häuser zu betrachten und insbesondere der kleine Park „Louise Marie“ erfreut uns mit den ersten blühenden Bäumen und bunten Frühlingsblumen.

Am Stellplatz gleich neben dem Hallenschwimmbad stehen als wir zurück kommen mittlerweile ein paar mehr Wohnmobile. Direkt neben uns parkt eines mit englischem Kennzeichen und beim gegenseitigen Begrüßen erfahren wir, dass das englische Paar schon seit drei Jahren quer durch Europa unterwegs ist. Ähnlich wie wir, haben sie ihrem Job eine Pause gegönnt und das Haus vermietet (etwas anders als wir). Sie wollen nun weiter nach Griechenland. Als ein plötzlicher Platzregen einsetzt flieht Jeder doch schnell wieder in sein „Haus“.

Tags darauf besichtigen wir die aus dem 10. Jh. errichtete Zitadelle mit deren vielen kleinen engen Gassen, in denen man sich verlaufen kann. Besonders zu empfehlen sind hier die unterirdischen verwinkelten Gänge. Im Sommer ist es sicher noch herrlicher, um in der großen Parkanlage umher zu wandern; aber wir genießen es auch in dieser recht kalten und regnerischen Jahreszeit. Im Besucherzentrum „Terra Nova“ erfahren wir anschaulich sehr viel geschichtliches von Namur und der Zitadelle. Mit einer Breite und einer Tiefe von je 37 Metern wurde die Zisterne im 18. Jahrhundert in den Fels gegraben. In ihr wird das von den Höhen tropfende Wasser gesammelt. So gewährte sie den Soldaten völlige Unabhängigkeit in der Festung und besseren Widerstand gegen Angriffe. Früher gab es mal eine Straßenbahn, wie ebenso eine Seilbahn, um Namur und seine Sehenswürdigkeiten besuchen zu können. Es ist eine kleine Reise durch die Zeit von der geologischen Entstehung des Ortes über das Mittelalter und die Neuzeit bis hin zu den jüngsten Restaurierungen.

Zurück in den östlichen Teil von Belgien besuchen wir La Roche-en-Ardenne. Auch hier entdecken wir wieder eine Burg, die das Städtchen überragt. Im 2. Weltkrieg wurde ein großer Teil der Burganlage und des Städtchens zerstört. Die Reste hätten wir gerne besichtigt, wenn nicht der heftige Dauerregen uns davon abgehalten hätte. So können wir nur erahnen, wie groß die Burganlage einmal war.

Auf dem zentralen Platz steht ein Panzer zur Erinnerung an die Befreiung 1944 durch die Amerikaner und Briten.

Wieder stehen wir direkt neben einem Hallenschwimmbad und diesmal nutzen wir das Regenwetter, um uns hier ein wenig aufzuwärmen – was zumindest die warme Dusche am Schluss gewährleistet, denn das einzige Schwimmbeckenwasser ist recht frisch. Nach ein paar Runden im Wasser verlassen wir das Schwimmbad und erleben eine Überraschung: Der Regen wurde abgelöst – es schneit!

So bleibt es auch am nächsten Tag; womit unser Burgbesuch restlos scheitert; denn den steilen und nun matschig verschneiten Berg wollen wir wirklich nicht hinauf. Da wir nun schon einige Tage ohne Strom stehen und die Solaranlage mit dem Schnee darauf wirklich nichts mehr bringt, müssen wir weiter, bevor es uns zu kalt wird.

 

Wir fahren durch die belgisch- luxemburgischen Ardennen. (Vorwiegend im Südosten der belgischen Wallonie, sowie auf luxemburgischem und französischem Staatsgebiet, sind die Ardennen ein ausgedehntes Waldgebirge. Im Osten und Süden ist es ein raues Bergland…) Genau hier kommen wir dem Schnee immer näher – oder er uns.

Es wird von Minute zu Minute grauer am Himmel und weißer an den Bäumen und vor allem Straßen. Diese werden auch immer schmaler, zumal bald nur noch eine Spurrille zu sehen und zu befahren ist, Schneeschieber und Streuwagen sind noch nicht unterwegs. Die Lage wird brenzlig und die Sicht schränkt ebenfalls bald ein, irgendwann muss Micha an einer Parkbucht halten und den Schnee von der Scheibe fegen. Beim Weiterfahren wollen passiert es: wir stecken fest, die Räder drehen durch, wir kommen nicht vom Fleck oder nur leicht hin und her. Aber was wäre eine Reise ohne meinen allerbesten Chauffeur, Fahrer und vor allem Mann Micha, der es irgendwie mit Ruhe und ohne Panik doch noch schafft, sich bzw. uns wieder aus der Parklücke heraus zu manövrieren und in den stockenden Verkehr auf der schmalen Rille einzufädeln. Doch auch Micha gibt mittlerweile zu, dass das Weiterfahren heute nicht mehr viel bringt und immer gefährlicher wird. Schnell suche ich auf dem Handy nach einem brauchbaren Halt, nicht zu nah an der Straße und möglichst nicht bergab. Etwa knapp 1 Kilometer weiter finden wir die einsame LKW- Tankstelle, samt Logistik-Spedition. Hier stehen schon einige LKWs. Wir rutschen förmlich auf den Platz. Die Inhaberin erlaubt uns nach dem höflichen Fragen unsererseits über Nacht hier zu stehen, vorausgesetzt, wir parken etwas mehr am Rand und nicht so mitten auf dem Weg wie gerade. Bei den Schneemengen haben wir eh keinen Weg mehr ausmachen können. Aber ein freundlicher Mann aus der Werkstatt kommt mit Schieber und Streusalz und hilft uns, damit wir an den Rand fahren können. Mit ein paar Dankes-Euro verabschieden wir uns und sind froh und dankbar, dass dann doch noch alles so geklappt hat. Wir sind im Trockenen, mit genügend Gas und haben eine Heizung. Was wollen wir mehr. Tags darauf hat der Traktor-Schneeräumer fast allen Schnee beiseitegeschoben und wir können weiter.

Nach dem Durchqueren einiger deutschen Städte, in denen nur noch wenige Teile verschneit sind, fahren wir schließlich wieder weiter in andere Länder.

Dabei fragen wir uns, geht es diesmal eher in den Süden, mehr östlich oder in den Norden? Letzteres wohl eher nicht, denn Schnee haben wir genug gesehen und erlebt.

Wir sind mit unseren Überlegungen noch nicht 100 % sicher und wollen das sowohl unserer Spontanität als auch vor allem den Wetterbedingungen überlassen.

Lasst euch also auch überraschen und lest in unserem nächsten Blog, wo wir letztendlich gelandet sind und was wir dort erleben und entdecken werden.

 

Bis dahin grüßen wir alle ganz herzlich aus unserem treuen TrauMobil,

SuMi.

2 Antworten auf „Be-Ne-Lux – Burgen und Winterstimmung“

  1. Hallo Susanne und Michael, schön wieder von euch zu hören. Ich schon neugierig auf eure zukünftigen Reisebericht. In drei Wochen brechen wir für mehrere Wochen nach Spanien auf. Wir haben genug von grauem Wetter und Kälte. 😏
    Ich wünsche euch eine gute Reise und viel Gesundheit.
    Liebe Grüße
    Ursula

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