Weihnachten in Griechenland? – Teil 3

Zurück auf das griechische Festland bin ich mit einer fetten Grippe gekommen, die sich inzwischen zu einer unangenehmen asthmatischen Bronchitis mit wirklich schmerzhaftem Husten gewandelt hat. Micha hat indessen einen sehr miesen Grippeinfekt mit Fieber,Schüttelfrost, Schlappheit u.m. Das hat der Arzt in Volos zumindest gesagt. Doch dazu am Ende mehr.
Hier auf dem Campingplatz „Hellas“, wo wir unser Weihnachtsquartier aufgeschlagen haben, werden wir sicher genug Zeit und Hilfe zum gesund werden bekommen…

Das dachten wir zumindest, denn schon am ersten Tag hat mir Aristea, die Mitinhaberin des Campingplatzes ein griechisches Spezialgetränk gemixt, welches man hier bei allen möglichen Krankheiten trinkt:
1 Schuss Metaxa mit Zitrone, Zimt und Chili erhitzt. Mir hat’s u.a. geholfen.


Der kleine familienbetriebene Campingplatz liegt im Ort Kato Gatzea nahe des Pilion am pagasitischen Golf und ca. 20 km von der Stadt Volos entfernt. Nach einigem Hin- und Herfahren, war ich froh, mal wieder eine Weile fest auf einem Platz stehen zu können. Allerdings haben wir mittlerweile festgestellt, dass dies ein verschlafenes kleines Dorf ist, mit einem Bäcker und Miniladen, die wenigen Cafes und Restaurants an der Promenade sind überwiegend geschlossen, öffnen nur Sonntags und wenn, dann nur bei Sonne.

 

Und gerade letztens unterhielt ich mich mit Micha über unsere oft wechselnden Plätze und den darauffolgenden Tagen voller Müdigkeit. Meist sind unsere Nächte unterbrochen durch bellende Hunde, Fluglärm, vorbeirasende Motorräder, Pkw – Fahrer, die mehrere Runden ganz dicht an unserem Wohnmobil drehen, entweder, weil sie es so schön finden und alles darauf sehen wollen oder warum auch immer. Durch so ein „Alu-Haus“ hört man eben mehr als durch Steinhäuser. Ständig sind wir in den Nächten auf „hab-Acht“ Stellung, obwohl die Türe abgeschlossen ist. Aber wie sicher ist so ein Wohnmobil eigentlich, wenn es drauf ankommt?

Gott sei Dank ist uns ja noch nie etwas passiert. Dennoch sitzen wir stets aufrecht im Bett, sobald wir ein uns unbekanntes Geräusch wahrnehmen. Hier auf dem Campingplatz haben wir zum Einen mehr Sicherheit (nachts ist das Tor abgeschlossen) und gleichzeitig dachten wir, ist es zur Weihnachtszeit ein wenig gemütlicher. Zu Beginn unseres Eintreffens standen hier noch ein Holländer, ein Schwede und ein Finne, jedoch die fuhren nacheinander alle wieder ab und jetzt stehen wir doch alleine an einem schönen sonnigen Platz diekt am Strand mit Blick aufs Meer.

Der Plan war dann zusammen mit Antonio, seiner Schwester Aristea und den anderen Familienmitgliedern hier Weihnachten zu feiern…
Während in Deutschland zur Adventszeit der Kranz, der Adentskalender, Weihnachtsmärkte, Lebkuchen, Glühwein und geschäftliches vorweihnachtliches Treiben herrscht, oft mit der Frage nach weißer Weihnacht, gestaltet sich in Griechenland alles etwas anders.
Mittlerweile gibt es in den großen Städten ebenso den Trend mit Glitzerbaum und Weihnachtskommerz, jedoch in den kleineren Gegenden geht die Adventszeit eher spurlos vorbei. Hier und da stehen in den Cafes und Tavernen leuchtende, geschmückte Tannenbäume und dezente Weihnachtsbeleuchtung, aber schon allein die Suche nach für mich brauchbaren Weihnachtskarten scheiterte kläglich.
Es ist allerdings auch schwierig bei den milderen Temperaturen in der Sonne an Glühwein und Schnee zu denken.
Im griechisch – orthodoxen Land (97%) hat das „Osterfest“- Christi Auferstehung einen höheren Stellenwert und ist das bedeutungsvollere Fest. Doch auch in Griechenland feiert man Weihnachten gerne.

Zu jedem Weihnachtsfest gehört das ganz spezielle Gebäck. Hier sind es „Kourambiedes“, Butterplätzchen mit Mandeln und viel Puderzucker (ähnlich wie Vanillekipferl) und „Melomakarona“,ein Gebäck mit Honigsirup. Beides haben wir natürlich probiert. Dennoch deckten wir uns auch mit (bei Lidl gekauften) Spekulatius und Stollen ein.

Am 24. 12. gehen Kinder mit dem „Kalanda“- Gesang und Triangeln von Haus zu Haus, um die freudige Nachricht von der Geburt Christi singend zu überbringen. Sie bekommen dafür ein paar Euro und Gebäck. Ob sie auch hier vorbei kommen?
Der Weihnachtsbaum symbolisiert den Baum, der die Erde stützt. Kleine Unterweltkobolde, die „Kalikanzari“, versuchen jedoch das ganze Jahr über diesen Baum zu fällen. Kurz bevor sie dieses Werk vollbringen, wird Jesus geboren. Nun verlassen die Kobolde die Unterwelt und treiben Schabernack mit den Menschen. Um die unerwünschten Wesen fernzuhalten, brennen ganze 12 Tage die Kamine in den Häusern, damit die Unholde nicht durch die Kamine in die Häuser kommen können. Auch hier im großen Raum mit der Bar prasselt das Feuer die ganze Zeit.

Früher verteilte der heilige Vassilius die Geschenke am 1. Januar. Jetzt werden sie am 25. 12. auch oft unter den Tannenbaum gelegt oder verteilt.
Auch wir haben diesmal einen kleinen Tannenbaum in unserem TrauMobil. Er ist allerdings so klein, dass keine Geschenke darunter passen. Einige Päckchen von unseren Lieben daheim sind bereits hier eingetroffen und werden dann zum Fest geöffnet.


Doch nun berichte ich noch kurz über die Orte, die wir bis hierhin besuchten:
In Thessaloniki halten wir auf dem Stellplatz der Brüder Toni und Alexander Zampetas. Der Platz ist gleichzeitig deren Reparaturwerkstatt und Laden für Womos. Wir staunen nicht schlecht, als wir hier den übervollen Stellplatz vorfinden. Wo kommen die Camper denn nun alle her? Wir treffen etliche Deutsche, Engländer und Franzosen. Manche lassen hier ihr Womo reparieren oder tauschen, so wie wir, ihre leere gegen eine volle Gasflasche. Über uns dröhnen tief fliegende Flugzeuge, der Flughafen ist ganz in der Nähe.

Mit der französischen Familie neben uns tauschen wir Erlebnisse und Erfahrungen aus und zum Abschied schenkt uns die 10- jährige Tochter einen selbst gebastelten Papier-Stern. Den hänge ich direkt an unser Fenster, passend zum 1. Advent. Lustigerweise haben wir die Familie noch einmal hier in Kato Gatzea bei einem Spaziergang getroffen. Sie standen mit einer anderen frz. Familie am anderen Ende des Ortes und wollten am nächsten Tag weiter.

Nach einem kurzen Stopp in Pori am Meer fahren wir weiter nach Larisa, der Hauptstadt der griech. Region Thessalien. Auf dem großen Parkplatz inmitten des noch größeren schönen Parks stehen bereits vier andere Womos.
Wir beide bummeln durch den Park, in dem die letzten Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt gebaut werden. Eine kleine Winter – Wunderwelt entsteht hier und erinnert eher an ein amerikanisches Lichterspektakel.

 

Die Innenstadt hat viele kleine Fußgängergassen mit gemütlich aussehenden Cafes und Restaurants. Das alte historische Theater ist leider schon geschlossen, aber auch von außen über den Zaun kann ich es gut sehen und fotografieren.

 

Am Ende der Fußgängerzone entdecke ich sogar eine Moschee des osmanischen Reiches aus dem 19. Jh. Sie wurde bis 1924 als solche genutzt und ist jetzt ein Gebäude für kulturelle Veranstaltungen.


Die Nacht auf dem Parkplatz wird laut, zumal ein paar Kirmeswagen ihre Anhänger mit den Fahrgeschäften abkoppeln und mit lautem Getöse abstellen. Am folgenden Morgen ist der Parkplatz mit Absperrband zum Parken geschlossen und wir haben Mühe eine Stelle zum Herausfahren zu finden. Auf einem Platz mit lauter Kirmes möchten wir lieber nicht bleiben.

Unser Weg geht nun durch die Berge.
Wir sind erstaunt, als wir aus einiger Entfernung den höchsten Berg, den „Olymp“, mit 2.918 m Höhe und einer Schneekuppe sehen. Die Gebirgsgipfel werden von den Griechen als Thron des Zeus bezeichnet. Auch wird dieser Ort in der griechischen Mythologie als Wohnort der Götter gesehen. Man stellte sich die Gipfel als lichterfüllt vor. Tatsächlich glitzert die Tagessonne auf den Schnee und reflektiert damit einen besonderen Glanz.

Hier oben spüren wir zunehmend das herbstliche Wetter. In der Nacht kühlt es ab auf 3° Grad, zum Frühstück sind es jetzt nur noch 9° Grad und im Laufe des Tages mit der Sonnenwärme klettern die Temperaturen auf 20°-22° Grad, um bald danach gegen 16 Uhr wieder zu sinken.
Auf dem leeren Campingplatz „Appolon“ bei Delphi stehen wir ganz alleine und geniessen die Aussicht auf die umliegenden Berge bis hinunter ins Tal zum Meer, sowie eine schöne warme Dusche am Campingplatz.


In der kleinen engen Durchfahrtstraße in Delphi ist in dieser Jahreszeit so gut wie nichts los. Die meisten Läden sind geschlossen und auch den berühmten Apollontempel aus dem 4.Jh v.Chr. betrachten wir nur von ferne. Er soll einst ein legendäres Orakel beheimatet haben. Die Öffnungszeiten der historischen Anlage decken sich nicht mit unserem Zeitplan.

Noch einmal gehts über die große Brücke bei Patras, um uns von Christo Bacalaros in seiner Werkstatt endlich den Riss in unserer Womo Dusche reparieren zu lassen. Sandra, seine Frau, bietet uns in der Wartezeit in ihrem warmen Raum Kaffee an, wir steuern Kekse dazu und haben nette Gespräche, während Christo mit Gasmaske in unserem TrauMobil- Bad eine stinkende Glasfasermasse verarbeitet. Ich habe den beiden ein kleines Nikolaus Säckchen gehäkelt und mit Schoko gefüllt. Sandra beschenkt uns dafür mit selbst gepresstem Olivenöl und einer eigens zubereiteten Bohnensuppe.

Am nächsten Tag fahren wir an der Küste entlang über Korinth Richtung Nafplio.
In Alt-Korinth haben wir vor unserem Lesbos – Aufenthalt gestanden und dort die nette Fußgängerzone, das Archaelogische Museum samt den Tempelsäulen, Ruinen und weiteren historischen Sehenswürdigkeiten besichtigt.

Ebenso die riesige Festungsanlage „Acrocorinth“ oben auf dem Berg ist ein lohnendes Ausflugsziel gewesen und entschädigt die schmerzenden Füße nach dem fast 5 km langen Abstieg. Ein englisches Camperpaar nahm uns freundlicherweise in ihrem Womo mit nach oben.

In Nafplio stellen wir uns wieder auf den großen Hafen Parkplatz. Hier suchen wir Peter und Peter. Vor unserer Abfahrt nach Lesbos sagten sie, man fände sie immer hier, weil sie den ganzen Winter über hier stehen. Auch für die beiden habe ich etwas Kleines gehäkelt und mit Naschwerk gefüllt. Peter aus Bitburg ist tatsächlich da und freut sich über unseren Besuch. Zusammen gehen wir Abendessen und tauschen mancherlei Erlebnisse aus. Peter hatte uns mehrere Säcke voller abgelaufener Verbandskästen für Lesbos mitgegeben und freut sich, dass sie dort gut gebraucht werden. Er wird den anderen Peter von uns grüßen. Dieser war zum Wäschewaschen auf einen Campingplatz gefahren.


Nun wollen wir flott weiter, der Campingplatz ruft.
Ein kurzer Übernachtungs-Stopp auf dem Weg bei Lamia und den dortigen „Thermopylen“. Ich bade sogar in den 40° Grad warmen schwefelhaltigen Quellen, sehr wohltuend.

 

Auf dem Campingplatz Hellas angekommen, richten wir uns gemütlich ein, waschen Wäsche, schmücken unser TrauMobil weihnachtlich und erkunden die Gegend.

 

Zwischendurch wechseln wir dann doch unseren Platz am Meer, weil es sintflutartig schüttet, gewittert und wir fast bis zu den Waden (zumindest ich) im matschig braunen Regenwasser stehen. Voller Sorge, das TrauMobil würde mit den Regenmassen, die unaufhörlich fließen, zum Meer hingeschwemmt, stehen wir seitdem auf dem sicheren und festen Asphaltboden.

Da Michas Husten nicht besser wird, besuchen wir erneut den Arzt, dieser schickt uns zum Röntgen und das Ergebnis des Lungenbildes ist nicht zufriedenstellend für uns ; es ist jedoch keine Lungenentzündung. So steht unser Entschluss bald fest, wir werden doch früher hier abreisen. Gerne würden wir die Feiertage noch hier verbringen, aber wir wollen doch sicherheitshalber deutsche Ärzte aufsuchen, die uns klar sagen können, was da nun mit der Lunge ist.
Also schauen wir, wo wir dann an den Feiertagen sein werden. Es wird knapp bis nach Deutschland, denn wir wollen nicht übereilt rasen. Wo immer wir dann sind, das größte Geschenk ist für uns die Reise selbst und vor allem die wunderbare Gewissheit, auf all unseren Wegen stets „himmlische Begleiter“ zu haben.

Wir sind dankbar für all das, was wir in diesem Jahr in den vielen Ländern erleben durften, für jede liebe Geste, Besuche unserer Kinder, freundliche Worte, Mails, Whatsapp, Telegramm und Anrufe von nah und fern, von unserer Familie, Verwandten und neuen, sowie alten Freunden.
Den Jahresübergang werden wir dann in Deutschland sein.
Euch lieben und treuen Lesern unseres Reiseblogs wünschen wir eine friedliche, schöne, gemütliche, besinnliche und gesegnete Weihnachtszeit und ebenso ein erfülltes, gutes neues Jahr 2020.

Herzliche Grüße Eure SuMi im TrauMobil

4 Antworten auf „Weihnachten in Griechenland? – Teil 3“

  1. Ich freue mich schon auf euch! Bis dahin genießt noch den Süden – wobei es auch erstaunlicherweise in Berlin nicht so grau ist wie erwartet. Aber von weißer Weihnacht kann hier nicht die Rede sein 😉
    Gute Fahrt und bis ganz bald :-*

  2. Liebe Susanne, lieber Michael, wir wünschen euch im Kreise eurer Familie ein besinnliches, schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
    Verbunden mit viel Gesundheit, Glück und Zufriedenheit.
    Gute Reise!
    Herzliche Grüße
    Ursula

  3. Hallo Susanne und Michael, ich melde mich auch mal wieder zu Wort.
    Ich wünsche zuerst mal Michael gute Besserung und das alles zur Zufriedenheit verläuft.
    So ist Euer Reiseabenteuer nun zum Jahresende auch zu Ende gegangen.
    An den vielen schönen Erinnerungen werdet Ihr noch lange zehren. Eure tollen Berichte waren immer sehr eindrucksvoll, danke das ich daran teilhaben konnte.
    Ich wünsche Euch ein schönes friedvolles Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr.
    Liebe Grüße,
    Renate

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