Griechenland – Teil 1

Da sind wir nun – im EU-Land Griechenland – und ziemlich bald lässt unsere anfängliche Euphorie nach; zu den Gründen innerhalb des Blogs mehr …

Gleich an der Grenze werden wir bzw. unser TrauMobil durchsucht; der Grenzbeamte ist freundlich und sagt auf Englisch, man suche nach Marihuana und ob wir welches mitführen würden. Klar doch, tonnenweise.

Nein, natürlich nicht und logischerweise findet er auch nichts dergleichen. Stattdessen steckt er eine Pinnnadel in unsere Europakarte (bei Griechenland) und wünscht uns eine gute Weiterfahrt. Das ganze Prozedere mit der Warteschlange an der Grenze bei Kakavia – Ktismata dauert etwa eine Stunde. Dann fahren wir glücklich weiter; das jedoch nur, um ca. zehn Minuten später auf der Straße von drei Polizisten herausgewunken zu werden.

Der eine sagt in unser offenes Fenster: „Hallo Siegburger, fahren Sie mal bitte rechts heran,“ in perfektem Deutsch. Er kommt aus Sankt Augustin, ist dort Polizist und für drei Monate hier stationiert. Der zweite Polizist ist aus der Ecke von Hürth und nur der Dritte ist ein „echter“ Grieche“. Natürlich finden auch diese Polizisten nicht das gesuchte Marihuana, dafür kommen wir aber eine ganze Weile in nette Gespräche und der griechische Polizist freut sich über das „Kalimera“ (Guten Morgen/Guten Tag) in griechischen Lettern auf unserem TrauMobil. Hier erfahren wir, dass Marihuana in großem Stil über diese albanisch – griechische Grenze geschmuggelt wird, daher die Kontrollen. Irgendwann ist alles erzählt und wir dürfen mit guten Wünschen weiterfahren.

Unser erstes Ziel ist die Stadt Ioannina am gleichnamigen See. Doch die Stellplätze in der großen Stadt sind rar, ein Campingplatz ist auf die Schnelle nicht zu finden; also fahren wir um den See herum ganz hoch in den kleinen Ort Lingiades zu einem kostenlosen von der Stadt extra eingerichteten Wohnmobilstellplatz. Von hier oben haben wir eine herrliche Aussicht auf Ionnania und den schönen See. Gleich nebenan steht ein Kriegsdenkmal für die über 90 hingerichteten Ortsbewohner, die von den Nazis in einem Massaker sterben mussten. In der Bar daneben spricht der Kellner zum Glück Englisch und nach einigem Warten erhalten wir unser erstes griechisches Eis; es gibt besseres.

Unsere erste Nacht in Griechenland verläuft trotz herrlicher Ruhe hier oben in den Bergen dennoch nicht so gut: Am Abend beim gemütlichem Zusammensitzen in unserem TrauMobil geht plötzlich das Licht aus und ebenso der Kühlschrank und die Batterielampe zeigt signalrot an, also leer! So ein Ärger. In der stockdunklen Finsternis können wir draußen nicht nachsehen, was passiert ist. Wir schalten sicherheitshalber alle Lampen aus, zünden eine Kerze an und schauen nur, dass der Kühlschrank mit Gas gut weiter läuft. Was ist passiert? Wir rätseln noch lange vor dem Einschlafen herum und kommen zu dem Schluss, dass die Batterie sich entladen haben muss, während wir so lange ohne den Kühlschrank auf Gas umzustellen an der Grenze und danach von den drei Polizisten durchsucht worden sind.

Leider müssen wir dadurch unseren Plan ändern und anstelle der Stadt- und Seebesichtigung schneller über die Autobahn und die große „Rion – Antirion – Brücke“ nach Patras fahren. Eine teure Fahrt: Mit Maut- und Brückengebühr kommen wir auf mehr als 50,00 Euro. Willkommen in der EU!

In Patras suchen wir die im Internet gefundene Caravan – Werkstatt. Hier haben wir ein wenig Glück, denn Sandra, die deutsch – griechische Frau von Christo dem Werkstattmann, steht gerade an der Straße, als wir nach dem Weg suchen. Sie ist auf unser Wohnmobil aufmerksam geworden und bittet uns, ihr zu folgen.

Christo legt sich direkt unter unser TrauMobil und sucht nach dem Fehler, kann aber nichts finden. Er meint, dass sei ein Fehler in der Elektrik und verweist uns an einen befreundeten KfZ – Elektriker. Nachdem Christo kurz dort angerufen hat begleitet Sandra nun Micha, weil sie zum Einen den Weg weiß und zum Anderen beim Übersetzen hilft. Ich bleibe derweil bei Christo, habe mein Häkelzeug dabei und unterhalte mich mit ihm in Englisch und Deutsch so gut es geht. Micha bekommt tatsächlich Hilfe durch den Kfz – Elektriker: Eine Sicherung war herausgesprungen, daher gingen sämtliche Lichter aus. Wir wussten nicht einmal, dass es dort in der besagten Nische überhaupt eine Sicherung gibt. Was die Batterie anbetrifft, kann er uns nicht weiter helfen, aber mittlerweile leuchtet die Anzeigelampe auch nicht mehr rot.

Inzwischen ist es früher Abend geworden und Sandra und Christo bieten uns an, über Nacht im Hinterhof ihrer Werkstatt zu bleiben. So stehen wir dann umgeben von vielen renovierungsbedürftigen Wohnwagen auf dem Platz, bekommen sogar Strom und haben eine wesentlich bessere Nacht.

Mit herzlichen Begrüßungen am Morgen, Abschiedsgeschenken (selbst hergestellte Olivenseife) und guten Reisewünschen verlassen wir die beiden netten Helfer und versprechen ihnen für die Werkstatt und ihren guten Service Werbung zu machen. Das tun wir unter anderem auch hiermit:

Erleichtert fahren wir nun auf die Peloponnes Richtung Strand und Meer. In unserem Reisetipp – Büchlein, welches wir von unserer Familie und Freunden zum Abschied bekommen hatten, steht Elea als nettes Strandziel. Tatsächlich ist dieser Platz ein Geheimtipp für viele Camper. Vor allem deutsche Wohnmobilisten stehen hier mit genügend Platzabstand ganz nah am Strand unter Pinien; sogar eine Stranddusche gibt es. Da das Meer gerade etwas zu viele wilde Wellen schlägt, nutzen wir die Dusche gerne.

Es ist ein herrlicher Platz und wenn wir nicht doch noch ein wenig Sorge bezüglich der schwachen Batterie hätten und an zwei Tagen ein sehr heftiges Gewitter mit Mengen an Regen aufgekommen wäre,  würden wir hier gerne viel länger bleiben.

So führt uns der Weg nach Kalamata (hier kommen tatsächlich die leckeren gleichnamigen Oliven her).

Am einzigen Campingplatz der Stadt direkt am Meer haben wir Strom. Jetzt wird die Batterie einmal wieder ordentlich aufgeladen!

Das Meer ist herrlich warm und diesmal ruhig. Die lange Strandpromenade ist umsäumt von Cafés und Restaurants. Die Stadt hat mehrere nette Kirchen, die wir zum Teil von innen voller Staunen betrachten; hier sehen wir nun überall griechisch – orthodoxe Kirchen.

Der Campingplatz allerdings ist überteuert, für das was er bietet:
Die Duschen haben nur kaltes Wasser, die Wasserhähne sind verrostet, es sieht leicht müllig und ungepflegt aus. Aber wir haben Strom und jede Menge Gesellschaft durch vermutlich alle Katzen der Gegend. Morgens stehen sie bereits Schlange vor unserer Tür, obwohl wir ja gar kein Fleisch haben. Irgendwann gebe ich dann doch etwas von unserem selbst gemachten Frischkäse ab. Das muss wohl ein Festmahl für sie sein, denn es kommen immer mehr Katzen.

Es gibt tatsächlich einen Mini – Ikea am Rand von Kalamata. Der ist so klein, so schnell waren wir noch nie wieder aus solch‘ einem schwedischen Möbelhaus herausgekommen. Dafür unterhalten wir uns am Parkplatz nett mit den Campern Birgit und Max aus Deutschland, die ebenso enttäuscht vor dem Laden stehen.

Auch hier auf den Wegen durch die Berge und an den Straßenrändern sehen wir wieder viele Gedenkstellen an Verkehrsopfer – dieses Mal sehen sie aus wie kleine Vogelhäuschen – meist mit Kerze und Foto des Verunglückten darin.

In einem kleinen Vorort von Areopoli, kurz hinter Itylo, halten wir an einem kostenlosen Stellplatz direkt am Meer. Doch der Platz ist nicht ganz so einladend, um längere Zeit hier stehen zu bleiben: Der Ort ist wie ausgestorben und das teure Restaurant, in dem wir zwei Cola und zwei überbackene Fetakäse für 18,00 Euro bekommen, lässt uns bald weiter fahren.

Es gibt noch einen interessanten Stopp in der Höhle „Vlychada Diros Mani“. Dies‘ ist eine unterirdische Höhle, die in einem kleinen schmalen Boot mit einem Bootsführer erkundet werden kann.

Am Fuße der kargen Landschaft der Mani und in der Bucht von Diros hat die Natur ein Wunder erschaffen, das atemberaubend ist. Strahlend weiße Stalaktiten und Stalagmiten, beeindruckende Wände und glänzende Kristalle schmücken jeden Winkel und oftmals müssen wir den Kopf einziehen, so tief hängen die Spitzen der Stalaktiten herunter. Wir finden, hier hat sich der Eintritt gelohnt.

In der Nähe von Krokees befindet sich ein herrlicher Sandstrand und vor den Dünen reichlich Stellplätze für einige Camper. Wir suchen uns einen schattigen Platz und schauen gleich nach dem im Meer gestrandeten Schiffswrack „Dimitrios“.

„Dimitrios“ ist ein kleiner 67 Meter langer Frachter, der 1950 gebaut wurde, am 23. Dezember 1981 strandete und berühmt ist wegen seiner malerischen Lage auf einem leicht zugänglichen Sandstrand in der Nähe von Gythio auf dem Peloponnes.

Es gibt viele Gerüchte über das Schiffsunglück und wie es dort gestrandet ist. Die Einheimischen vor Ort erzählen, dass das Schiff verwendet wurde, um Zigaretten zwischen der Türkei und Italien zu schmuggeln. Angeblich wurde es von den Hafenbehörden von Gythio beschlagnahmt, um es dann gezielt auf eine Sandbank zu fahren. Es wurde dann die gesamte Ladung Zigaretten geplündert und um alle Beweise zu vernichten in Brand gesteckt.

Eine weitere Geschichte die etwas glaubhafter ist besagt, dass das Schiff am 4. Dezember 1980 in Gythio eine Notdockung machte, weil ihr Kapitän wegen einer schweren Krankheit Zugang zu einem Krankenhaus benötigte. Doch nach dem Schiffsdocking entstanden Probleme mit der Besatzung; diese wurde dann gefeuert. Am 9. November 1981 wurde das Schiff durch Stürme aus seiner Verankerung gerissen und strandete schließlich am heutigen Standort. Das Schiff wurde dann einfach dort aufgegeben und es wurden keine Versuche unternommen, das Boot wieder flott zu machen.

Das Meer ist so herrlich und warm – ein Traum im Oktober!

An einem Tag kommt ein Wohnmobil in unsere Nähe und die Insassen winken uns fröhlich zu: Es sind Birgit und Max, die wir bereits in Kalamata bei Ikea getroffen hatten. Sie gesellen sich zu uns und wir verbringen eine nette Zeit miteinander. Beim gemeinsamen Abendessen, dem Wellenspringen im Meer sowie dem Frühstück in der Sonne haben wir interessante Gespräche und Austausch und freuen uns über diese nette Bekanntschaft.

Sparta statten wir einen kurzen Besuch ab, aber es ist nicht sehr lohnenswert. Vielleicht waren wir auch an den falschen Plätzen. Die „Sankt Nikolaus Kirche“ scheint die größte Kirche in dieser Stadt zu sein und wird gerade innen restauriert und neu bemalt: Dennoch können wir einen Blick hinein werfen und stauen wieder einmal ob der schönen Wandgemälde.

Auch Tripoli ist nur für einen Kurzbesuch angedacht. Hier am Platz „Vasilios“ mit einem Brunnen und einer Kirche ist sehr viel mehr los. Die schöne Basilika „Sankt Georg“ hat zwei Türme und eine Kuppel in der Mitte. Hier in Tripoli gibt es sogar eine lange und weitläufige Fußgängerzone, mehrere Parks, sowie weitere schöne große Plätze und Statuen.

Zurück an einigen Plätzen am Meer werden wir bei Tolo, Drepano und Nafplio dermaßen von Mücken heimgesucht, das wir uns fast in den kühlen Norden wünschen; nur das Meer bietet uns die nötige Erleichterung und Kühlung.

Nach dem kurzen Stopp in Alt Korinth, welches wir demnächst noch intensiver mit den historischen Sehenswürdigkeiten erkunden werden, geht es nun erst einmal mit der Fähre von Athen zur Insel Lesbos. Was wir dort erleben und machen, das könnt ihr gerne im nächsten Blog lesen.

Bis dahin grüßen ganz herzlich

Eure SuMi mit dem TrauMobil

7 Antworten auf „Griechenland – Teil 1“

  1. Hallo Susanne und Michael, ich bin schon gespannt auf euren Bericht über Lesbos. Ich hoffe ihr habt dort eine schöne und interessante Zeit. Wir waren dort vor ein paar Jahren zum Wandern und fanden es auf der Insel einfach herrlich.
    Ich wünsche euch eine gute Reise und Zeit .
    Herzliche Grüße und alles Liebe für euch. 😊
    Ursula

    1. Hallo Ursula, Danke für die guten Wünsche. Wir sind schon ziemlich gespannt, was uns erwartet, wobei die Insel Lesbos diesmal eher nicht im Haupt Fokus steht, sondern die 4 Wochen Arbeit dort. Dazu mehr dann im nächsten Blog. LG Susanne

  2. Die Höhle sieht ja gruselig toll aus! Ein bisschen wie in Harry Potter, oder sogar noch cooler 😉
    Wünsche euch auf Lesbos tolle Begegnungen und vor allem viel Kraft.
    :-*

    1. Hey danke, liebe Jelka. Wir melden uns dann . Sind schon ziemlich aufgeregt. Besonders ich, denn Micha war ja schon mal dort und weiß in etwa, was auf uns zukommt….Beste Grüße, deine Nanni

  3. Was ich noch sagen wollte: Übrigens allen Lesern, die da annehmen, ich sei echt mutig und was ich hier überall unterwegs mache und erlebe, sei toll und lobenswert…dazu muss ich sagen, ich hab definitiv voll oft Muffe, bin über ängstlich geworden und überhaupt ein totaler „Schisser“. Die allermeisten coolen Sachen gehen von Micha aus. Ich mach sie halt (oft mit Schlotterknien) einfach nur mit.

  4. Ich weiß nicht mehr wo ich die Info her hatte, aber ich glaube, diese Häuschen sind nicht für verstorbene Verkehrsopfer, sondern der Maria Mutter Gottes gewidmet und stehen an den Walfahrts-Wegen..?

    Und lustig, so ein Foto von “einsam unterm Schirm am großen Strand bei Githio (an dem Schiffswrak)“ haben wir auch gemacht😁

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