Erstens kommt es anders – zweitens als man denkt!

Nun also zu unserem zweiten Einsatz als „Wwoofer“, diesmal in Montenegro in Belavici, nahe des Ortes Radovici, nachdem wir ja letztes Jahr einen ersten Arbeitseinsatz in Portugal hatten.

Für diesen Einsatz hier hatten wir uns vorher mit Olga, der Frau vom Bauernhof, per Whatsapp besprochen und vereinbart, was auf uns zukommen würde und wie unser Arbeitseinsatz aussehen sollte.

Tagsüber bereiteten wir uns auf einem kleinen Parkplatz in der Nähe des Meeres etwas zum Mittagessen zu und machten uns dann gegen 15:30 Uhr auf den Weg direkt zu der Farm. Die Straßenverhältnisse waren etwas schwierig – viele Schlaglöcher, teilweise nur Schotterpiste – aber wir waren guter Dinge; wussten wir ja noch nicht, was uns dort erwartete.

Im zweiten Teil des Weges dorthin dachten wir dann schon etwas wehmütiger an die besseren Straßen von vorher zurück, da es nun in vielen sehr steilen Serpentinen, meistens ohne Wegbegrenzungen und nur einspurig für eine Stunde in die Berge steil hoch ging. Wir zweifelten wirklich daran, ob wir auf dem richtigen Weg sind, da es immer einsamer und unwirtlich wurde. Aber da uns doch ab und zu auch Autos entgegen kamen – an denen wir uns dann mit eingeklappten Außenspiegeln vorbei zwängen mussten – fuhren wir weiter.

Gegen 17:00 Uhr kamen wir dann in einem winzig kleinen Dorf an, das laut Navi das Ziel sein sollte. Es waren lediglich vier Häuser zu sehen und kein einziger Mensch, den wir nach Olga hätten fragen können. Als dann doch noch eine Frau an der Straße auftauchte, nutzte Susanne ihre Chance und fragte sie und erhielt auch eine Richtungsbeschreibung. Bei vier Häusern ist ja auch die Wahrscheinlichkeit klein, dass es mehrere Olgas geben könne.

Dann waren wir am Ziel und uns kam der Ehemann von Olga entgegen. Er bedeutete uns weg von der Straße einen sehr steilen Weg zu seinem Haus hochzufahren, um dort in halber Schräglage mit untergelegten Keilen zu nächtigen; was wir beide aber nach eingehender Beratung lieber nicht machen wollten, da die reale Gefahr bestand, das wir aufgrund einer Senke auf dem Weg dann mit dem Hinterteil unseres TrauMobils stecken bleiben würden. So stellten wir unser Wohnmobil an den schmalen Seitenrand der Straße ab und gingen hoch zum Haus. Dort wurden wir von fünf bellenden Hunden empfangen und sehr kurz von Olga und zwei ihrer drei Kinder begrüßt. Olga widmete sich gleich wieder ihren Aufgaben in der Küche zu und beachtete uns nicht mehr; das hinterließ schon einmal einen merkwürdigen Eindruck bei uns. Ebenfalls waren noch zwei deutsche Volontäre dort, die am selben Tag gekommen waren und noch einmal für zwei Tage bleiben wollten. Diese beiden Deutschen erklärten uns dann einige wenige Dinge, die wir eigentlich als Erklärung von Olga oder ihrem Mann erwartet hätten, denn die Volontäre waren vor ein paar Wochen schon einmal hier gewesen.

Wir saßen also auf den Stühlen und warteten. Insgesamt kamen wir uns sehr deplatziert und nicht willkommen geheißen vor – kein Vergleich zu der sehr herzlichen Begrüßung in Portugal. Als wir dann die sehr schmutzige Toilette und die unaufgeräumte und ebenfalls sehr dreckige Küche sahen und außerdem Olga uns erklärte, dass sie und ihr Mann ein paar Tage später für eine Woche nach Italien fahren würden und wir dann mit allen Hoftieren, dem Ziegen melken – inklusive der sieben Hunde (die natürlich nicht gemolken werden mussten)- die Hofarbeit alleine stemmen müssten, stand unser Entschluss fest: Hier bleiben wir nicht.

Wir teilten Olga und ihrem Mann unseren Entschluss mit und machten uns dann auf den Rückweg – wieder über die gleichen unwegsamen Straßen – und hatten auch noch Sorgen, dass die Dämmerung und einsetzende Dunkelheit uns die Fahrt noch schwieriger machen würde als eh‘ schon.

So entschlossen wir uns gegen Abend kurzerhand auf der Hälfte der Strecke einen kleinen Parkplatz anzusteuern, der hoch oben über der Lustica Bay lag. Er war beleuchtet und da eine Privatstraße zum Wasser ging, war sogar ein Häuschen mit einem Nachtwächter da. Diesen fragten wir freundlich, ob wir auf dem Platz übernachten könnten und er sah darin kein Problem. Er fragte uns nach unserer Reise und wir hatten ein nettes Gespräch. Hier stellten wir im Vergleich zu Olga und ihrer Familie fest, wie schön doch so ein Willkommensgespräch mit fremden Menschen sein kann.

Am nächsten Tag fuhren wir in die Stadt Kotor und besichtigten dort die Altstadt, die allerdings auch mit Touristen überfüllt war. Die mittelalterlichen Häuser in eng verwinkelten Gassen sehen ähnlich nett aus wie in Dubrovnik; überall waren kleine Cafés und Souvenirläden. Die Kathedrale mit den beiden Türmen hatte leider geschlossen, sah aber in der gleißenden Sonne auch von außen ganz nett aus.

Weiter ging unsere Fahrt zum „Camping Maslina“ in der Nähe von Petrovac. Wir fanden einen wunderschönen Platz unter schattenspendenden Olivenbäumen, nutzten die direkte Nähe zum Meer und genossen das warme Meerwasser. Hier blieben wir eine gute Woche und bekamen sogar einmal Besuch: Fehima und Omer, die in Montenegro kurz Urlaub gemacht hatten und auf ihrer Rückreise nach Bosnien und Herzegowina waren. Wir luden sie zum Frühstück bei uns ein und tauschten unsere gegenseitigen Erlebnisse aus; das war ein sehr schönes Wiedersehen.

Wir lernen auf unserer Reise immer wieder die unterschiedlichsten Menschen aus vielen verschiedenen Ländern kennen; Paare und allein reisende Männer und Frauen; Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen in der Welt unterwegs sind. So wie den netten aus Ulm stammenden Günther mit seinem umgebauten roten Renault 4 Kastenwagen (hier kamen bei uns beiden die Erinnerungen an unseren früheren R4 wieder hoch). Günther war alleine im Balkan unterwegs, da seine Frau das Reisen solcher Art nicht besonders mochte und er hatte seinen R4 Kastenwagen sehr praktisch umgebaut zu einem kleinen Miniwohnmobil, sehr beeindruckend! Mit ihm saßen wir dann noch Abends bei gemeinsamen Getränken zusammen und erzählten uns gegenseitig von unseren Reisen. Das macht das Reisen auch aus: Es gibt so unterschiedliche Menschen mit soviel Geschichten des Lebens – wir hätten viel wertvolles verpasst, wenn wir alle diese Menschen auf unserer bisherigen Reise nicht kennengelernt hätten. Unterwegs stoßen wir immer wieder auf freiaufende Kühe, Hühner oder Ziegen, die die Strasse überqueren, als ob hier keine Autos fahren würden.

Nach der Verabschiedung von Günther fuhren wir dann zum Durmitor –
Nationalpark. Mehr als 40 Berggipfel dort sind über 2.000 Meter hoch und der höchste Gipfel ist der „Bobotov kuk“ (2.522 m). Wir fuhren allerdings „nur“ bis auf 1.500 m hoch. Der Weg jedoch schlängelte sich sehr kurvenreich in die Höhe und Susanne wagte es kaum aus dem Fenster in die Tiefe zu schauen.

Im Nationalpark gibt es 17 Gletscherseen; der bekannteste ist der schwarze See. Wir haben uns nicht alle 17 Gletscherseen erwandert und angesehen, sondern nur den schwarzen See, der allerdings gar nicht schwarz, sondern grün war. Im Vergleich zu anderen Seen, die wir auf unserer Reise gesehen haben, war das für uns aber nicht sehr spektakulär.

In Zabeljak übernachteten wir auf einer Wiese, die sich Campingplatz nannte und vom Preis her auch einer war – nicht jedoch vom Angebot. Als wir am Abfahrtstag dem Besitzer eine entsprechende Kritik sagten, nahm er diese achselzuckend zur Kenntnis. Da wir ja viele Camper unterwegs treffen – manche auch mehrfach – geben wir uns immer gegenseitig wieder Tipps und Ratschläge über gute oder schlechte Plätze zum Übernachten; diesen Platz werden wir nicht weiter empfehlen.

Ich wollte auf jeden Fall noch die „Tara – Schlucht“ und dort den mit 1.300 Metern tiefsten Canyon in Europa besuchen. Auch hier fanden wir es nicht ganz so spektakulär, wie wir es gedacht hatten. Womöglich haben wir auf unserer Reise schon sehr viele mehr beeindruckende Naturwunder gesehen und sind daher nicht mehr von Allem, was andere super wichtig und grandios finden, beeindruckt. Allerdings teilte diese Meinung nicht jeder mit uns, denn insbesondere mutige oder lebensmüde Zip – Seil – Nutzer sausten zum Teil mehrmals am Seil hängend in knapp einer Minute über die Schlucht; so etwas brauchen wir jedoch in keinem Fall. Dennoch haben wir schöne Fotos schießen können.

Unser letzter größerer Ort in Montenegro war Podgorica, die Hauptstadt mit einer beeindruckenden orthodoxen Kathedrale. Dieser Besuch wurde uns jedoch sehr „verwässert“, da es dermaßen in Strömen goss, dass danach meine Turnschuhe einen Fahrtenschwimmer gemacht hatten. Sehr viel mehr sehenswertes hatte die Stadt für uns nicht zu bieten und der Regen zwang uns dann auch, die nasse Besichtigungstour abzubrechen.

Die sehr freundliche Aufnahme auf dem neu eingerichteten kleinen Stellplatz „Autocamp Campus“ etwas außerhalb von Podgorica und in der Nähe des Flusses Moraca versöhnte uns dann wieder etwas. Vor allem die freundliche Mutter des Inhabers, eine gebürtige Liechtensteinerin, die hier mit ihrem montenegrinischen/liechtensteiner Sohn diesen Platz betrieb, zeigte sich sehr gesprächig und interessiert an unserer Reise. Der kleine Platz war sehr sauber und super eingerichtet, alles war wunderbar und wir standen ganz alleine. Von den Feigen und Quitten am Platz durften wir reichlich ernten, was Susanne auch gerne tat.

Unmittelbar um die Ecke fanden wir dann eine ganz kleine Autogarage/Autoservice, da an unserem TrauMobil turnusmäßig zwei Keilrippenriemen erneuert werden mussten. Als wir noch mit dem Kfz-Monteur versuchten alles mit Händen und Zeichen zu klären, kam ein netter älterer Herr dazu. Er hatte früher jahrelang bei der jugoslawischen Botschaft in Österreich gearbeitet, konnte perfekt deutsch und regelte für uns alles sehr gut. Die Riemen wurden erneut – Arbeitslohn und Material für insgesamt umgerechnet 30,00 € ! Von der Mutter des Monteurs wurden wir sodann noch mit Unmengen von Weintrauben (die Susanne später zu Traubensaft verarbeitete) und mit Abendessen versorgt.

Als wir wieder weiter reisen wollten, passierte es: Die Auffahrt des Stellplatzes zur Straße war zum Einen steil und zum Anderen mit losem Kies-Schotter belegt und am Vortag hatte es stark geregnet; die Vorderräder drehten durch und wir setzten hinten mit dem Rahmen der Anhängerkupplung auf den Steinen auf. Trotz dem Entfernen des Schotters unter den Rädern gab es kein Vorwärts und kein Zurück mehr. Der Sohn rief dann einen Nachbarn an, der uns mit Abschleppseil und einem kleinen Transporter den Hügel hinaufzog – geschafft! Nichts ist dabei kaputt gegangen und wir bedankten uns herzlich – ein Geldgeschenk wollten die Helfer partout nicht annehmen – und fuhren erleichtert los.

Auch hier in Montenegro lernten wir die sprichwörtliche und spontane Gastfreundschaft der Menschen kennen und schätzen.

Durch unsere Absage der Farmarbeit haben wir das kleine Land Montenegro nur relativ kurz erlebt; aber es war für uns dennoch genug. Dann packte uns wieder das Reisefieber und wir überquerten die Grenze zu Albanien, davon mehr im nächsten Bericht.

Viele Grüße von SuMi mit dem TrauMobil

3 Antworten auf „Erstens kommt es anders – zweitens als man denkt!“

  1. Hört sich nach der richtigen Entscheidung an. Schön dass ihr dann das Land noch ein wenig erkunden konntet. Ich freu mich bald mehr zu hören und was ihr so als nächstes Vorhabt 🙂

    1. Das mache ich doch gerne. Wie schon des öfteren von mir gesagt, reise ich in Gedanken mit euch. Als ich im letzten Jahr Albanien als nächstes Reiseland vorgeschlagen habe wurde ich nur milde belächelt – mal sehen, vielleicht bewirkt euer interessanter Beitrag doch noch eine Meinungsänderung!
      Weiterhin eine gute Fahrt und viele liebe Grüße aus Eltville, Ingrid

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.