Die zwei Gesichter von Kroatien

Teil 1:  Die Adria und große Städte

Beginnend mit einem herzlichen Wiedersehen mit unserer ältesten Tochter Silja und ihrer Familie auf dem kleinen Minicampingplatz „Mon Paradis“ in der Nähe von Rovinj erlebten wir hier in Kroatien einen sehr schönen gemeinsamen Urlaub. Silja, Manuel und die beiden Enkel Jannick und Joshua freuten sich mindestens genauso wie wir über das Wiedersehen. Silja und ihre Familie reiste mit ihrem Wohnwagen aus Kölle an, wohingegen wir ja von Slowenien her kamen.

Gleich zwei Geburtstage konnten wir zusammen feiern: Zuerst Michael’s 59. in geselliger Runde bei uns. Hierzu hatte Micha (alias Michael) das englische Paar Robert und Bonita eingeladen. Wir hatten sie am Strand kennengelernt und waren nett miteinander ins Gespräch gekommen. Auch die Nachbarinnen aus Rüdesheim gratulierten und durften vom selbst gebackenen Zitronenkuchen kosten (der Omnia machte es möglich).

Drei Tage später wurde die Geburtstagsgirlande für Joshua vor deren Wohnwagen aufgehangen und wir feierten dort gemeinsam seinen dritten Geburtstag, diesmal mit Schokoladenkuchen.

Außer dem Schwimmen im Meer, dem Schnorcheln (besonders Manuel und Jannick), dem Schnecken- und Muschelsuchen, dem Betrachten von Einsiedlerkrebsen, dem Schwimmen zur kleinen Insel, dem Relaxen in der Sonne und dem abendlichen Grillen unternahmen wir mit den Rädern Ausflüge in die kleine Stadt Rovinj, in ein Restaurant in der Nähe und in die Landschaft.

Wir Großeltern spielten gerne mit unseren beiden Enkeln, bastelten und malten mit ihnen, bauten Legos und freuten uns sehr, mit allen mal wieder etwas intensiver Zeit verbringen zu können. Mit Silja und Manuel konnten wir abends – wenn die Jung’s schliefen – einige lustige und spannende Spieleabende veranstalten, Gespräche vertiefen und miteinander fröhlich sein.

Viel zu schnell waren die gemeinsamen Tage vorbei und nach einem tränenreichen Abschied – besonders von uns Frauen – zogen wir alleine weiter unseren Weg, während Silja mit ihrer Familie noch ein paar Tage am kleinen Campingplatz blieb.

Wir haben sehr viele nette und freundliche  Kroaten kennengelernt – meistens jedoch nur an den Stell- oder Campingplätzen, denn das Freistehen ist in Kroatien nicht erlaubt.

Auf der Insel Krk in der gleichnamigen Stadt war „Felix“ vom „Camperstop Felix“ für uns ein sehr freundlicher und hilfsbereiter und englisch sprechender Stellplatzinhaber. Wir unterhielten uns unter anderem über die frühere Zeit in Jugoslawien und den Bürgerkrieg, der insbesondere die Serben und die Kroaten sehr auseinander getrieben hat. Der kleine Stellplatz wurde gegen Abend rappelvoll und wir fragten uns, wohin die Wohnmobile noch hätten passen können; doch Felix fand stets noch eine Lücke und bemühte sich wirklich rührend um jeden Neuankömmling; und als wirklich kein Platz mehr frei war, empfahl er die Camper zum benachbarten Stellplatz.

Tagsüber war es viel zu heiß loszugehen und so warteten wir bis zum frühen Abend. Ein Bummel durch die kleine Stadt mit verwinkelten Gassen und etlichen Touristenläden war schnell erledigt. Diese Idee hatten wir leider nicht alleine und so schoben wir uns dann mit Touristenströmen durch die engen Gassen. Selbst das Meer war am Tag viel zu warm (28 Grad) und wir hingen wirklich träge im Wasser herum. Nur die kalte Dusche bei Felix brachte etwas Abkühlung.

Bei dieser Schwüle und dem Meer um die Ecke hatten die Mücken ihre wahre Freude; ich hingegen leider gar nicht. Nach wie vor werde ich attackiert und ausgesaugt –  es hilft bei mir nichts mehr richtig, weder Spray zur vorigen Abwehr, ein Antimückenband, Duftkerzen oder Räucherspiralen… wir haben bereits alles gekauft und versucht; nach dem Stich helfen auch keine kühlenden Cremes, Antimückenpflaster oder der teure „Bite Away“ – Hitzestab, es juckt dennoch. In der Dämmerung ziehe ich eine lange Hose an und bedecke die Arme, die Viecher stechen jedoch hindurch…

Die schwüle Hitze machte uns beiden zu schaffen und wir waren sehr froh, als endlich ein abendlicher Regen einsetzte. Dieser entwickelte sich bald zu einem heftigen Gewitter und die zehn Camper bei Felix packten flink und eilig ihre Stühle, Tische und Markisen ein, denn der Gewitterwind war recht stark. Nach einer regenreichen Nacht erfolgte ein weiterer schwülheißer Tag – von Abkühlung keine Spur; wieder ins lauwarme Wasser und abends in ein nettes Restaurant – unseren 37. standesamtlichen Hochzeitstag zu feiern. Neben uns beglückwünschte uns das freundliche Paar aus Schweden, mit denen wir während unseres Restaurantbesuches den Tisch teilten und in interessante Gespräche kamen.

In der Nacht tobte erneut ein Gewitter, das als Folge zwar einen leicht matschigen Platz hinterließ, jedoch keine wirkliche Abkühlung brachte. Wir verabschiedeten uns herzlich von Felix, der uns eine spannende und tolle Weitereise wünschte.

Die Stadt Karlovac ist kaum erwähnenswert: Viele kaputte und mit Einschusslöchern versehene Häuser sind auch nach so vielen Jahren noch zu sehen, selbst die Klosterkirche wurde davon nicht verschont. Die Altstadt wies ein paar wenige renovierte Häuser und Bauten auf, jedoch insgesamt erschien uns diese Stadt, die zwischen den Flüssen Kupa und Korana liegt, eher als vernachlässigt. Da war es fast wie eine Oase, als wir an einem Platz die hellgrüne orthodoxe Kirche Sankt Nikolas (Crkva Sv Nikole) entdeckten. Der dort arbeitende langbärtige Pastor hatte sein Theologiestudium in Hamburg absolviert, eine deutsche Frau geheiratet und ist Serbe. Diese serbisch – orthodoxe Kirche wurde im Bürgerkrieg fast komplett zerstört und nur durch Spendengelder wieder so wunderschön aufgebaut und restauriert. Wir konnten uns an den vielen schönen farbenfrohen Wandbildern kaum satt sehen. Der Pastor betonte, das Kriege immer schlecht seien und die Folgen meistens die einfachen Bürger zu tragen hätten. Er sagte zu uns, die Kroaten seien arm und dennoch haben die Gläubigen so viel gegeben, wie sie konnten. Wir bedankten uns herzlich für das lange Gespräch und die vielen Erläuterungen über seine Kirche, in der er als Serbe keine Problem sieht, als Pastor hier in Kroatien zu wirken.

Gegen Karlovac erschien uns die Hauptstadt Zagreb viel schöner. Viele alte Prachtbauten wurden gut wiederhergestellt, Parks mit Blumen luden zum Verweilen oder Flanieren ein. Eine Zahnradbahn fährt die Besucher von der Unter – zur Oberstadt. Leider hatten wir die Bahnhaltestelle hierfür zu spät gefunden und mussten stattdessen die vielen Stufen hochsteigen, um oben angelangt die „Markuskirche“ mit dem bunten Dach  betrachten zu können.

In der Nähe sollte ein schön angelegter „Art-Parc“ sein. Nachdem wir mehrmals hin und her gelaufen waren, fanden wir ihn endlich und waren enttäuscht: Lediglich ein paar bunte Treppenstufen, an denen die Farbe schon teilweise abgeblättert war, ein umhäkelter Baum und ein paar wenige Graffiti – Wandbemalungen – da hatten wir uns mehr vorgestellt.

Die Kathedrale in der Unterstadt hingegen lud auch innen zum Betrachten und Verweilen ein. Besonders schön fanden wir es, das gerade die Orgel gespielt wurde. Solche Orgelklänge hatten wir schon länger nicht mehr gehört; da war das Zuhören etwas Besonderes und wir genossen es.

Micha suchte einen Friseur auf und freute sich zum einen über seine wieder kürzeren Hare und zum anderen über den guten Preis (40 Kuna = 5,50 Euro inklusive Waschen und Trocknen). Am Park Trg Kralja Tomislava mit den Springbrunnen und in der Nähe des Kunstpavillons fand ein kleines Festival statt, mit Live – Musik, Liegestühlen und gemütlicher Atmosphäre. Wir genossen es bis zur Dunkelheit und fuhren dann mit dem letzten Zug zu unserem Campingplatz “ Camp Slapic´“ in Belavici.

Der große Campingplatz ist direkt am Fluss Mreznicki. Das ist so ein klarer und herrlicher Fluss, in dem auch gebadet und geschwommen durfte. Der kleine Wasserfall brachte jedoch eine solch‘ heftige Strömung, dass wir richtig dagegen anschwimmen mussten, um nicht abzutreiben. Am nächsten Tag spürten wir davon den Muskelkater in unseren Armen; dagegen sind die in Schwimmbädern künstlich angelegten Wildwasserkanäle lasch.

Bei einem unserer Besuche in Städten konnten wir einer traditionellen kroatischen Folklore-Gruppe beim Tanz und Musik zuschauen. Den Tanz fanden wir relativ einfach.

Freundliche Stellplatzinhaber hatten wir an allen Plätzen und viele sprachen sogar ein gebrochenes Deutsch. Wir wurden stets gelobt für unseren Mut mit unserer Europatour und hatten jedes Mal nette und interessante Gespräche.

Oftmals wurden wir herzlich zum Abschied gedrückt und jeder wünschte uns eine gute Weiterreise. Beim Stellplatz in Zadar schenkte uns die Stellplatzinhaberin, deren Mann auch der naheliegende Steinmetzbetrieb gehörte, eine selbst gemachte Steinblume und sie bat uns, unser buntes Wohnmobil auf ihrer Facebbookseite anlässlich des Feiertages veröffentlichen zu dürfen.

In der Stadt Zadar am Hafen fanden sich besonders am Nationalfeiertag „Tag des Sieges und der heimatlichen Dankbarkeit“ (Bürgerkriegsende und Unabhängigkeit) jede Menge Menschen. Sehr interessant ist in der Altstadt an der langen Promenade die Meeresorgel, die 2005 von dem Architekten Nikola Basic zusammen mit Musikwissenschaftlern installiert wurde. Unter den Stufen der Uferpromenade befindet sich ein System von Kunststoffrohren und Resonanzkörpern, sodass je nach Wellengang unterschiedliche Töne erzeugt werden, die durch viele Öffnungen nach oben für die Besucher hörbar sind. Besonders die Kinder waren sehr neugierig und legten sich auf den Fußboden an die Schalllöcher, um die Töne gut hören zu können.

Das große Solarfeld mit den bunten Lichtern, die ab Sonnenuntergang verschiedenfarbig leuchten, war nicht ganz so spannend, zumal es abgesperrt wurde, seit Touristen die Solarfelder zerstört hatten.

Wir hatten vor uns die große Stadt Split an der dalmatinischen Küste anzusehen, zumindest den dortigen berühmten Diocletian’s Palast. Jedoch war es uns nicht möglich einen freien Parkplatz oder einen Stellplatz in unmittelbarer Nähe zu finden, von dem aus wir mit den Rädern oder mit einem Bus in die Stadt hätten fahren können. Es war einfach zu voll und so fuhren wir weiter Richtung Makarska, hoch nach Zagvozd in die Berge. Dort am Autocamp Biokovo mit gleichnamigem Berg als Aussicht fanden wir Platz, mit nettem Inhaber, einer australischen Volontärin an der Rezeption und einem Gemüsegarten zur Mitbenutzung.

Kroatien hat zwei Gesichter: Die Städte mit ihren zum Teil erhaltenen und schön restaurierten Gebäuden, die kaputten und vernachlässigten Gebäude, das Meer und die Touristenströme zum Einen sowie die Natur mit viel Grün und Wasser zum Anderen.

Davon und den wunderschönen Erlebnissen berichten wir im nächsten Blog im Teil 2 von Kroatien.

Srdacan pozdrav i vidimo se uskoro (liebe Grüße und bis bald)

Eure SuMi und das TrauMobil

P.S.: Leider ist es uns weder möglich, diese Sprache zu erlernen, noch sie korrekt mit allen Zeichensetzungen zu schreiben – wir bitten um Euer Verständnis.

2 Antworten auf „Die zwei Gesichter von Kroatien“

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