Arrivederci bella Italia e il sole mio

Italien wollte wohl einiges wieder gut machen, denn in den letzten Wochen gab es keinen Regen, viel mehr knallt die Sonne erbarmungslos vom wolkenlosen Himmel. So war das nun auch wieder nicht gemeint: Bei 46° C im Schatten ist es ja kaum möglich etwas anderes zu tun, als dauerhaft im Meer zu bleiben oder unter einer kalten Dusche zu stehen. Aber wir wollen nicht undankbar sein, schließlich war es uns vorher zu kalt und zu nass mit den Regentagen, die bis Mitte Mai anhielten.

Jetzt nehmen wir Abschied von Italien, nachdem  wir den „Stiefel“ vom Schaft bis zur Spitze und quer rüber zum Stiefelsporn und wieder hoch zum Schaft an der anderen Seite – genau genommen der adriatischen Meeresseite –  gefahren sind.

Selbstverständlich sind da noch so viele schöne und sehenswerte Orte und Landschaften, die wir entdecken könnten, aber für uns beide ist es nun genug.

Nachdem wir uns herzlich von Francesca auf dem sizilianischen Campingplatz verabschiedet haben, fahren wir nach Palermo.

Die riesige, laute, übervolle, turbulente und zum Teil schmutzige Hauptstadt von Sizilien bietet nicht nur der Mafia einen besonderen Ort zum Austoben, sondern etlichen Touristen, Einheimischen, Snobs mit großen Jachten, armen Menschen sowie vielen dort lebenden Studenten. Im Botanischen Garten, den wir bei großer Hitze besuchen, gibt es einen extra von und für Studenten angelegten Kräutergarten für studentische Zwecke. Hier wachsen herrlich farbenprächtige Pflanzen und Tropengewächse, Kakteen vieler Arten und alte, sowie interessante Bäume. Der Florettseidenbaum mit seinem elefantenfuß- dicken Stamm (ein Wollbaumgewächs aus der Familie der Malvengewächse) erreicht eine Höhe von bis zu 15 Meter. Der Stamm ist mit spitzen Stacheln besetzt und nur die Ameisen trauen sich in langen schmalen Wegen den Stamm hinauf zu krabbeln.

Andere uralte Bäume haben einen riesigen Umfang und knorrige, verschlungene Wurzeln. Wie dick und schwer mit den Jahren Bambus werden kann, testet Michael, als er ein auf dem Boden liegendes Rohr hochhebt. In den kleinen Teichen schwimmen Goldfische und Schildkröten sonnen sich; während ich beim Fotografieren heimtückisch von den Mücken zerstochen werde.

An einer verkehrsreichen Hauptstraße reihen sich unzählige Asia- oder China Läden, die allesamt das gleiche große Repertoire anbieten. Zwischendrin sind kleine Handwerksläden oder auch ein Stoff- und Hüte/bzw. Kappengeschäft, in dem Michael eine nette bunte Kappe aus Leinen findet. Die ist besser für die heißen Tage.

Hatten wir erwähnt, dass viele Italiener, insbesondere aber Sizilianer sehr rasant und rücksichtslos fahren?! Die vielen Motor-Rollerfahrer schlängeln sich durch den dichten Verkehr ohne Rücksicht auf Verluste, es wird ständig gehupt und alle sind irgendwie in Eile. Das hat sicher auch oftmals verheerende Folgen, denn schon so manches Mal haben wir an Straßenrändern aufgestellte Kunstblumen, Kerzen und oftmals beigelegte Fotos von verunglückten Fahrern gesehen. Hier in Palermo sind es einige.

Die Kathedrale von Palermo ist interessant gebaut. Wir kommen von einer Querstrassenseite und gehen zunächst durch einen doppelten Torbogen. Vor dem Platz der Kathedrale schauen wir auf das große Kirchengebäude. Die vielen Stufen hinauf zum Turm und zum Dach schaffen wir nur, weil es angenehm kühl ist. Von hier oben blicken wir weit auf Palermo und noch weiter. Auch der große Kirchraum hat eine angenehme Temperatur, so dass wir uns gerne etwas länger die Zeit der Ruhe auf den Holzbänken gönnen und den Altarraum, samt der hellen Kuppel darüber betrachten.

Wir kommen an vielen alten und schönen, zum Teil gut erhaltenen Häusern, Plätzen und Statuen vorbei. Aber es gibt auch solche, in denen unten kleine Läden und Cafés sind, die oberen Stockwerke jedoch ganz fehlen, weil sie kaputt sind, zerstört oder einfach marode und niemand baut sie wieder auf.

In einer langen kleinen Gasse, durch die nur die typischen kleinen Dreiradlaster oder Roller brausen, findet ein Markt statt. Etliche Stände mit allem Möglichen von Gardinen, Kleidung, Taschen, Obst und Gemüse, Fisch, Fleisch, Spielzeug bis hin zu diversen Gewürzen findet der Kunde hier, was er braucht. Ich kaufe ein paar Gewürze und zwei Kugel-Auberginen, die pro Stück für nur 25 Cent angeboten werden.

Zu Fuß gehen wir bis zur „Catacombe dei Cappuccini“. Die Kapuzinergruft von Palermo ist eine Gruftanlage aus dem 16 Jahrhundert, welche sich unter dem Kapuzinerkloster befindet. Mit ihren natürlichen Mumien ist sie eine der bekanntesten Grablegen der Welt. Im Jahre 1599 entschlossen sich die Mönche unterhalb des Hochaltars ein Grabgewölbe auszuheben, weil der Raum für die wachsende Zahl der Brüder nicht mehr ausreichte. Hierbei entdeckten sie, dass die Leichname kaum Anzeichen von Verwesung aufwiesen. Der Abt veranlasste diese als „Momento mori“ an den Wänden aufzustellen. Durch eine spezielle Balsamierung sind die Toten als Mumien gut erhalten geblieben und samt ihrer Kleidung im Gewölbe anzusehen. Der älteste erhaltene Leichnam ist aus dem Jahr 1599. Erst im Jahre 1837 verbot die Regierung diese Art von Bestattung. Das Ganze sieht eher aus wie ein Gruselkabinett, fast ein wenig unheimlich ist es hier unten. Beklemmend und zugleich faszinierend lockt diese Gruft viele Touristen an, wie uns ja auch. Zum Glück dürfen Kinder nicht mit hinein.

Mit der Fähre verlassen wir bei Messina Sizilien und legen lediglich zum Übernachten in einigen kleinen Orten einen Stopp ein: In Falerna Marina, auf einem Stellplatz direkt am Meer mit herrlich klarem und erfrischendem Wasser;

in Lesina, einem Ort an der adriatischen Küste und dem Lago di Lèsina – einem See, der unangenehm nach Schwefel riecht und neben dem Stellplatz einen Zirkus mit laut röhrenden Kamelen und Eseln beherbergt;

in Fossacesia, wo wir hauptsächlich kalt duschen, am brausenden Meer liegen und in der Sonne brezeln.

Da wir ja die Flaggensticker für unser TrauMobil sammeln, liegt es nah die kleine Republik San Marino samt gleichnamiger Hauptstadt zu besuchen. Zufällig liegt es eh auf unserer Route. Hoch oben auf dem felsigen Berg „Titano“ thront die mittelalterliche Altstadt samt dem „Guaita-Torre“ und einer Festung aus dem 11. Jahrhundert. Hier gibt es diverse kleine Gassen mit Kopfsteinpflaster und ebenso viele Souvenir- und Waffenläden. Wir brauchen beides nicht und sind daher recht bald mit der Stadtbesichtigung durch. Die Seilbahn hat uns in die Stadt das letzte Stück hochgebracht und mit ihr fahren wir wieder herab, um dann noch ein Stück durch den Wald zu unserem Stellplatz zu gehen. San Marino gilt als eine der ältesten Republiken und ist umgeben von italienischem Territorium, daher sprechen hier auch alle italienisch.

Auf unserem Weg durch die Toskana schrauben wir uns höher und höher über viele Berge und Pässe, vorbei an schroffen Felsen bei Bagno di Romagna, Poppi, Bibbliena und Consuma…

bis schließlich nach Firenze/Florenz. Am Stellplatz angekommen müssen wir uns dringend erfrischen. Doch es ist kein Meer oder See in der Nähe. So nehmen wir kurzerhand den Schlauch fürs Frischwasser und bespritzen uns damit gegenseitig und selbst. Das war sehr schön und notwendig. Selbst um 0:00 Uhr zeigt das Thermometer noch  32 °C an.

Ziemlich früh, weil viel zu heiß, denn unser TrauMobil hat keine Klimaanlage und richtig abgekühlt ist es in der Nacht auch nicht, machen wir uns per Rad auf, um sehenswertes von Florenz zu entdecken.

Die wunderschöne Außenfassade der Kathedrale sieht aus wie aus einem Märchen von 1001 Nacht. Aber wir reihen uns dann nicht in die fast kilometerlange Schlange wartender Menschen, die ins Innere der Kirche wollen. Sie hat noch nicht mal geöffnet und die Schattenplätze beim Warten sind rar.

Also radeln wir erstmal weiter zum Fluss Arno und der „Ponte Vecchio“. Auf dieser berühmten Brücke stehen viele kleine überhängende Häuschen, die alle Schmuck- und Juwelierläden beinhalten. Von weitem sieht die Brücke mit den Häusern darauf aus, wie ein Mini-Dorf.

Am Platz „Piazza della Signoria“ tummeln sich die Touristen, um den Turm mit den Zinnen, den schönen Neptunbrunnen und die vielen Statuen zu bestaunen. Auch eine Kopie der Statue „David“ von Michelangelo steht hier. Die Restaurants locken ihre Kunden mit nach außen gerichteten Wassernebel-Sprühdüsen, denn trotz recht früher Zeit brennt die Sonne heiß herab.

Da die Kathedrale weiterhin von zu vielen wartenden Menschen belagert ist, geben wir es auf und radeln zur alten Markthalle „Mercato Centrale“. Hier findet man in der Hauptsache Lebensmittel und besondere kulinarische Spezialitäten aus Florenz. Im oberen Stockwerk bieten jede Menge Cafés und Restaurants den Hungrigen regionale und andere Speisen an. Vor der Markthalle bieten unzählige Händler Lederwaren, Schuhe und anderes an.

Die Stadt hat noch viel mehr zu bieten, aber wir ziehen es vor, uns unter die Stellplatz-Schlauchdusche zu stellen und den Rest der Zeit im Schatten zu verbringen.

Wir fahren weiter in den Norden und rasten auf einem Campingplatz mit Pool in Rioveggio, einem kleinen Ort in der Nähe von Bologna.

Zu guter letzt fahren wir in den Ort Palmanova.

Palmanova ist eine kleine Gemeinde in Friaul-Julisch Venezien, die Ende des 16 Jahrhunderts als „Planstadt“ angelegt wurde. Ihr typischer sternförmiger Grundriss hat sich bis heute erhalten. Die Stadt sollte damals zum wichtigsten Landstützpunkt der Venezianer ausgebaut werden, jedoch misslang der Plan. Der fast runde riesige überdimensionierte Hauptplatz zeugt noch von dieser Zeit. Ich fand es besonders interessant die vielen Fotos und Bilder der Stadt von oben zu betrachten. So etwas hatte ich als Stadt noch nie gesehen.

Nun verlassen wir also Italien und fahren wir in ein anderes Land; welches dies sein wird, könnt ihr entweder selbst erraten oder erfahrt ihr dann im nächsten Blog.

Bis dahin senden wir viele heiße Grüße

Eure SuMi und TrauMobil

 


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