Sizilien

Nun haben wir es geschafft und sind in Villa San Giovanni am Fähranleger angekommen. Ein Ticket für die Hin- und spätere Rückfahrt ist schnell gekauft und schon reihen wir uns ein in die Schlange von Autos, Lastwagen, Bussen etc. Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wieviel teilweise auch sehr lange und große Lastwagen auf so eine Fähre passen, da ist unser TrauMobil klein dagegen.

Auf Deck genießen wir die kurze 20-minütige Überfahrt und kommen dann in Messina an. Wir fahren nicht direkt zu unserem vor kurzem gebuchten Campingplatz, sondern halten noch zwei Mal an anderen Stellen.

Zunächst stehen wir in Nizza di Sicilia an einem freien Platz direkt am Meer; allerdings werden wir sehr früh von den Fischern und deren Gesprächen geweckt, die sich bereits am frühen Morgen neben unserem Wohnmobil sammeln, um aufs Meer zu fahren.

 Die zweite Nacht übernachten wir ebenfalls auf einem freien Parkplatz in Santa Tecla, auf dem bereits zwei Wohnmobile stehen; allerdings stellen wir fest, dass es sich nur um für länger abgestellte Wohnmobile handelt. Mit den freien Plätzen ist es immer so eine Sache: Zum einen sind sie kostenlos, bieten aber keinerlei Versorgungsmöglichkeiten für Grauwasser etc. an. Außerdem bleibt uns oftmals ein Gefühl der Unsicherheit. Hier ergeht es uns so, weil den ganzen Abend ein PKW auf diesem etwas abgelegenen Parkplatz hin und her fährt und unser Wohnmobil sehr nah umrundet. Wir beobachten es genau, da wir uns nicht sicher sind, was für Absichten der Fahrer hat. Als ich dann später doch heraus gehe und etwas in den Mülleimer am Platz werfe, um dabei den Fahrer etwas genauer einschätzen zu können, sehe ich, wie der Fahrer aussteigt und seine Mitfahrerin wieder auf dem Beifahrerplatz Platz nimmt; es war also eine private Fahrschulung für seine Freundin. Also es können manchmal auch ganz banale Gründe für ein sonderbares Verhalten auf freien Plätzen sein, aber ein gesundes Maß an Vorsicht ist vielleicht nicht immer schlecht.

Zu Santa Tecla steht im Internet, es sei ein malerisches Fischerdorf, das sich entlang des Golfes von Santa Tecla am Fuße des Ätna erstreckt. Mit seiner charakteristischen Küstenlandschaft aus Lavasteinen sei es ein lohnenswertes Ausflugsziel. Ja, es ist tatsächlich ein Dorf mit Kiesstrand und im Meer ragen etliche „berühmte“ Faraglioni (aus dem Meer ragende Steinformationen) heraus. Der Strand mit den vielen schwarzen kleinen Steinen lädt uns nicht zum Verweilen ein. Ein Gang durch die einzige etwas „belebte Hauptstraße“ weist eine Kirche und einige wenige Restaurants auf. Die Kirche ist tatsächlich von innen sehr schön und macht viel mehr her, als man von außen erwartet. Das andere Ende der Straße ist schnell erreicht und dort klettern wir über Felsen zu einem Ruinenturm (ehemaliger Wachtturm), aber nicht bis ganz oben, da der unbefestigte Aufstieg zu gefährlich wäre. Ein paar Fotos, schöne Blumen am Wegesrand und überall schwarze Steine. Beim Rückweg erhaschen wir noch einen Blick auf ein festlich gekleidetes Brautpaar, das sich auf einem Felsen vor dem benannten Turm von vier Fotografen ablichten lässt – und das in diesem kleinen Dorf.

Nachts im TrauMobil hören wir fernes Grummeln und vermuten, dass es ein herannahendes Gewitter ist. Wir schauen in den wolkenlosen Himmel, nichts zu sehen. Das geht eine Weile so, dann schlafen wir darüber ein. Später erfahren wir über das Internet, dass an dem Tag, an dem wir in Santa Tecla in der unmittelbaren Nähe des Ätna waren, dieser ausgebrochen ist. Das war also das nächtliche Grummeln, was wir auf unserem Stellplatz gehört hatten und wir waren so nah dran, aber Gott sei Dank ist uns nichts passiert.

Auf der bisherigen Fahrt und auch später, als wir auf der anderen Seite der Insel weiter fahren, sehen wir wieder Unmengen von Müll an den Straßen, achtlos weggeworfene oder gelagerte große Mülltüten, die von wilden Hunden durchwühlt und Vögeln aufgepickt werden, sodass die Reste sich in der Natur verteilen. Wir können nicht verstehen, dass in Orten, die von Touristen leben, es nicht regional oder in der Gemeinde geregelt wird, dass das Umweltbewusstsein geschult wird und auch mehr Müllentsorgungsmöglichkeiten geschaffen werden.

Am nächsten Tag erreichen wir dann unser Ziel, den Campingplatz „Rocca dei Tramonti“ in Punta Braccetto. Dieser Ort ist sehr klein und besteht eigentlich nur aus drei Campingplätzen, einem kleinen Lebensmittelladen und zwei Restaurants. Hier haben wir vor für drei Wochen zu bleiben, um uns am Meer erholen zu können und eine TrauMobil-Fahrpause einzulegen. Der Campingplatz selbst ist so gut wie leer, lediglich drei bis vier andere Camper sind hier und wir stehen direkt am Meer mit Blick auf einen kleinen eigenen Strand mit Felsen, aber ebenso mit einem Zugang zu einem langen Sandstrand. Wir werden nett von der Inhaber – Familie begrüßt (Francesca, die Tochter, regelt die Bürosachen; Eleonora, eine Volontärin, ist ebenfalls sehr nett und kann genauso gut englisch sprechen wie Francesca, die beiden Eltern sprechen italienisch); die sich wahrscheinlich freut, dass überhaupt noch ein Gast kommt. Alle sind begeistert von unserem bemalten Wohnmobil und loben es mehrmals. Das Meer ist wunderbar klar, leuchtet in den schönsten Blau- und Türkistönen und ist herrlich erfrischend. Ich bin davon so fasziniert, dass ich beim ersten Badegang meine Badehose verkehrtherum anziehe und Susanne ermutigt mich dann dazu, diese – aber erst unter Wasser –  zu wechseln (daher und aus anderen Gründen gibt es davon auch kein Foto 😉). Die Temperaturen, die anfangs noch nicht so warm waren (nur 24 Grad Lufttemperatur) erwärmen sich zunehmend mehr, sodass wir bald mit dauerhaften 30 bis 38 Grad verwöhnt werden; in der ganzen Zeit hier haben wir keinen einzigen Regentag. Es ist wunderbar, immer draußen zu essen und zu sitzen, die Stille und einfach das Leben zu genießen und loslassen zu können, wunderbar! Jeden Abend erleben wir außerdem ein zauberhaftes Abendrot.

An einem Abend sitzen wir mit einem Hamburger Ehepaar vor deren Wohnmobil und unterhalten uns bei Wein, Wasser und Oliven über alles Mögliche. An einem anderen Tag hat Susanne einen Kuchen gebacken, der Inhaber-Familie etwas davon geschenkt und unseren italienischen Nachbarn. Diese haben sich wohl sehr darüber gefreut und uns kurz vor ihrer Abreise einen kleinen Zettel hinterlassen.

Später steht für ein Wochenende die sizilianische Großfamilie uns gegenüber. Sie kommen seit 35 Jahren an diesen Platz und wir unterhalten uns mit der jüngsten Tochter Romina anregend in Deutsch. Sie ist mit ihren 35 Jahren gar nicht typisch sizilianisch, wie sie selbst sagt, denn unverheiratet, als Erzieherin in einer Behinderteneinrichtung in Florenz tätig und hat sieben Jahre in Deutschland nahe Stuttgart gelebt. Es ist interessant, was sie uns erzählt und wir freuen uns, sie und ihre Familie kennengelernt zu haben. Als sie wieder abreisen, geben wir Romina eine kleine Glitzer –  Postkarte aus Köln mit netten auf italienisch geschriebenen Grüßen. Die Familie bedankt sich herzlich und schenkt uns frischen Oregano, Basilikum und jede Menge Tomaten.

Wir unternehmen kleinere Touren mit dem Fahrrad in den Nachbarort Santa Croce Camerina für Einkäufe und einige Besichtigungen und ich gehe dort zum Friseur, da mich meine „wilde Haarmähne“ nervt und mir damit zu warm ist.

Für die zweite Woche haben wir uns ein kleines Auto gemietet, um mit diesem die Insel doch noch weiter zu erkunden. In der Nähe des Ortes Agrigento fahren wir bei 38 Grad zum „Tal der Tempel“. Über zwei Kilometer erstrecken sich mehrere Tempel bzw. Tempelreste auf einem Hügel, den wir hinunter wandern. In Agrigento, der netten Stadt auf dem Berg, ist es immer noch sehr heiß und die Luft steht. Der Weg zur Kathedrale zieht sich hoch und ich bin ziemlich erschöpft; außerdem wird es sehr spät und wir kommen dann erst abends gegen 23:30 Uhr wieder auf unserem Campingplatz an.

Auch der nächste Tag wird nicht weniger anstrengend: Wir haben eine Ganztagestour zum „Ätna“ gebucht, müssen aber zunächst zwei Stunden bis zu einem Abholpunkt fahren. Von dort aus geht es mit einem Jeep und einer Kleingruppe weiter. Unser persönlicher Guide Francesco spricht sehr gut Deutsch, da er früher in Dortmund gelebt hat. Er erzählt uns sehr kenntnisreich alles über den Ätna, die besonderen Blumen und Bäume dort. Wir merken, dass es ihm richtig Freude macht und es klingt so, als ob er von seinem „Kind Ätna“ erzählt. Wir erwandern auf 1.700 m Höhe einen  „Lavaberg“, der sich nahe einer Explosion des Ätna im Jahr 1986 gebildet hatte, bei der flirrenden Hitze auch hier oben noch sehr anstrengend! Nach einem gemeinsamen Mittagessen in einem kleinen Bergrestaurant in 2.000 m Höhe in internationaler Runde  mit Teilnehmern aus England, Australien, Frankreich, Litauen und Deutschland fahren wir sodann über eine Strecke, die unseren Jeep und unsere Knochen an den Rand ihrer Belastungsfähigkeit bringen: Über Stock und Stein und durch sehr enge Baumreihen geht es zunächst weiter, bis wir später an der „Alcantara-Schlucht“ ankommen. Zu sehen ist eine wunderschöne von der Natur gestaltete Schlucht und das sehr kühle Bergwasser ist eine willkommene Abwechslung  in der Hitze. Von allen Teilnehmern ist Susanne die einzige, die sich komplett ins Wasser zum Schwimmen begibt, Hut ab!!! Auch an diesem Tag kommen wir erst im Dunkeln wieder am Campingplatz an und fallen erschöpft ins Bett.

Für den folgenden Tag haben wir uns eine kleinere Tour ausgesucht: In der Nähe von Modica besichtigen wir die „Cava d’Ispica“, das sind Höhlenwohnungen in einer etwa 13 Kilometer langen Schlucht aus Kalksteinen. Bis 1935 haben in diesen Höhlen sogar noch Menschen gewohnt; auch eine „Nekropole“ (Grabstätte mit Gräbern, die in die Höhlen eingebaut wurden) ist hier zu sehen. Sogar eine Höhlenkirche („Chiesa de Santa Maria“) und unterirdische Katakomben-Grablöcher betrachten wir. In den Höhlen halten wir uns gerne etwas länger auf, weil es dort im Gegensatz zu den sehr heißen Temperaturen draußen angenehm kühl ist.

Ein weiterer Ausflugstag führt uns nach Syrakus (ital. Siracusa), einer durch zwei Brücken geteilten Stadt am Meer, mit viel griechischer Geschichte. Am „Parc Archeologico della Neapolis“ besuchen wir zunächst das griechische Theater bzw. die Reste davon und dann das „Orecchio di Dionisio“ (Ohr des Dionysos), eine große 26 Meter hohe Höhle, die ihren Namen daher bekam, da sie eine ganz besondere Akustik hat, was alle Besucher auch direkt ausprobieren. Nach der Legende hat der damalige Tyrann Dionysos dort seine Gefangenen eingesperrt und durch die besondere Akustik konnte er deren Gespräche gut belauschen, also bereits damals gab es den sogenannten „Lauschangriff“. Später besichtigen wir noch die Altstadt mit netten kleinen Gassen, die uns bis zur prachtvollen Kathedrale führen.

Am letzten Tag, an dem wir noch den gemieteten Panda haben, machen wir uns wegen der Hitze bereits früh auf den Weg nach Taormina, einem Ort an der Ostküste Siziliens, der hoch oben an den Berg „geklebt“ ist und von dem wir einen herrlichen Blick auf das Meer, den Ätna und die „Isola Bella“ haben. Über schmale kurvige Straßen schraubt sich der kleine weiße Panda den Berg hoch und vom Parkplatz geht es noch weiter zu Fuß hoch. Unterwegs bewundern wir immer wieder die herrlich blühenden farbenprächtigen Bouganvilea und Oleanderbäume. In der Stadt selbst ist es überfüllt von Touristen, die genauso wie wir durch die wunderschöne Altstadt flanieren. Es gibt sehr hübsche kleine Gassen, die liebevoll mit Blumen und Keramiken dekoriert sind und wir haben den Eindruck, dass die Stadt sehr genau darauf achtet damit die Altstadt weiterhin so schön bleibt. Hier genießen wir in einem kleinen Eiscafé endlich unseren ersten (für uns) „richtigen“ Eisbecher, wie wir ihn aus Deutschland kennen.

Das „Theatro di Taormina“ ist sehr groß und bietet den bereits erwähnten herrlichen Blick von oben. In diesem Theater haben bereits viele berühmte Schauspieler gespielt und viele Filme sind dort gedreht worden.

Unsere restlichen Tage auf dem Campingplatz wollten wir eigentlich in Ruhe ausklingen lassen und den Platz samt dem Meer genießen. Seit ein paar Tagen stehen direkt neben uns junge italienische Nachbarn, die eine andere Vorstellung von einem gedeihlichen Nebeneinander haben und sich platzmäßig und vor allem lautstärkemäßig sehr ausbreiten. Deswegen fahren wir nun doch früher wieder los und machen uns auf den Weg  – diesmal über die westliche Seite von Sizilien in Richtung Fähre.

Freut Euch auf den nächsten Reiseblog, in dem wir Euch dann über unsere weiteren Erlebnise berichten.

Eure SuMi draußen vor dem TrauMobil

6 Antworten auf „Sizilien“

  1. PS: Hoffentlich seid Ihr nicht erschlagen vom Text und den vielen Fotos. Sorry, aber hier gibt’s sooo viel zu sehen. Nehmt Euch einfach Zeit. Beste Grüße und bald einen schönen Feiertag.

  2. Hallo Micha und Susanne, wenn ich eueren Bericht lese möchte ich am liebsten mit einsteigen und euch begleiten. Als wir damals in der Alcantara Schlucht waren war der Wasserstand so hoch, dass wir nur die Wege oberhalb begehen durften. Euch weiterhin viel Spaß… Sizilien hat viele sehr schöne Ecken. LG Ingrid

    1. Hallo Ingrid,

      danke, wir freuen uns immer wieder, wenn wir eine Reaktion auf unseren Vlig bekommen.
      Ja, Sizilien hat schöne Ecken. In den nächsten Tagen bis zur Überfahrt mit der
      Fähre schauen wir uns hier noch ein wenig um, da wir morgen unseren Campingplatz verlassen.
      Viele Grüße
      Michael

  3. Liebe Susanne, lieber Micha,
    Großartig, euer Sizilien-Blog mit den wunderschönen Bildern und Erzählungen über Eure Erlebnisse.
    Schön, dass ich auf diese Weise daran teilhaben darf. Es ist wie ein kleiner Urlaub….
    Vielen Dank und euch noch eine schöne Zeit dort!
    Ich bin schon gespannt, wohin euch euer Traumobil dann bringt.
    Liebe Grüße,
    Martina

    1. Liebe Martina,

      danke für Dein Mitreisen!
      Du bist ja eigentlich die Italienkennerin, da Du ja hier eine Zeitlang gelebt hast.

      Viele Grüße nach Deutschland!

      Michael

  4. Lieber Micha. Es macht richtig Spaß mit dir zu reisen, auch wenn ich manchmal ein wenig Muffe habe in hohe Berge zu fahren. Danke, du bist ein sehr guter Fahrer. Su

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