Die Camargue – die Provence – Lavendel und der Regen

Wir fahren nun hierhin und dorthin in der Provence, in deren Läden der Städte und Dörfer überall Lavendel in Säckchen, als Seife, als Parfüm und in anderer Form angeboten wird. Leider haben wir die herrlich üppigen violetten Lavendelfelder noch nicht sehen können –  jahreszeitenbedingt. Aber wir können diese Pracht erahnen, zumal diese auf diversen Karten und Bildern zu sehen ist.

Lavendel soll auch gut gegen Mücken sein, aber die hiesigen Viecher scheinen immun dagegen zu sein. Sie stechen wie wild drauflos; das sieht man besonders an Susannes Füßen. Es heißt tatsächlich, in der Camargue – der eigenwilligen kleinen Schwester der lieblichen Provence – gehören Mücken dazu, ebenso wie die weißen Pferde und rosa Flamingos; das liegt sicher an den vielen Gewässern, Kanälen und Seen. In diesen Sumpfgebieten lauern die Mückenschwärme nur auf frische Beute –  die Touristen – so wie uns. Man will ihnen mit tödlichen Giften nun den Garaus machen, aber die Einheimischen sind nicht so begeistert davon. Sie sagen, die Mücken schützen sie vor zu großen Urlauberanstürmen. ☹

Nun, das spüren wir in der Stadt Arles besonders. Auf dem Campingplatz in der Innenstadt können wir trotz Sonne nicht draußen sitzen, denn wir werden förmlich attackiert; vielleicht ist aber auch der herannahende Regen ein Grund. Es ist schwül und fast unschön tropisch warm, deshalb ziehen wir uns schnell zurück in unser Haus. Am Folgetag, an dem wir die Stadt besichtigen wollen, kommt der Regen. Fast sintflutartig gießt es in Strömen, so dass wir binnen weniger Minuten trotz Schirm und Regenjacken bis auf die Haut durchnässt sind. So sehen wir uns nur das große Amphitheater von außen an, der Weg zum Van – Gogh – Café ist uns zu lang, die Straßen teils wie Bäche überschwemmt und nur der Weg zurück zum trockenen TrauMobil ist unsere Rettung.

So hält sich das Wetter eine Weile, deshalb fahren wir durch große Pfützen weiter zum Ort Fontvielle. Im Regen stiefeln wir zum Café auf der Suche nach einem guten Internet. Das gibt es aber hier nicht (in Frankreich sind öffentliche WLAN-Netze sehr spärlich); der Kakao indes wärmt und schmeckt uns. Später gegen Abend schaffen wir es, kurz ohne Regen den Ort anzuschauen und hoch zur alten Mühle zu gehen.

Den ganzen Weg lang nach Avignon haben wir das Lied von „der Brücke“ im Kopf. Auf dem Campingplatz, auf dem tatsächlich schon vor mehr als dreißig Jahren Susannes Schwester samt Familie stand, finden wir reichlich Platz, saubere Sanitäranlagen, warme Duschen, ein wirklich freundliches Personal  – und – die Sonne scheint. Direkt daneben an der Rhone soll uns gratis eine Fähre auf die andere Seite zur Innenstadt mit der vier Kilometer langen Stadtmauer bringen. Hätte sie auch, wenn nicht der Fährmann die knapp vierzigköpfige Schulgruppe uns drei länger wartenden Paare vorgelassen hätte. Wir sollten warten, bis er wieder zurück kommt; Unverschämtheit. Also gehen wir zu Fuß über die andere Brücke. Die „Pont d’Avignon“ schauen wir uns nach dem Ticketerwerb an. Früher führte sie komplett über die Rhone, auch über die Insel.  Durch viele Hochwasser und Kriege wurde die Brücke jedoch zerstört. Nur noch vier Brückenpfeiler stehen bis zur Mitte des Flusses, der durch die Insel in zwei Teile getrennt ist und später wieder zusammenfließt. Auf der Brücke befindet sich eine kleine Kapelle „Chapelle Saint-Bénézet“, denn einer der Päpste, die hier residierten, ließ sowohl die Brücke als auch die Kapelle darauf erbauen. Er hatte sein Wohnhaus auf der gegenüberliegenden Seite von Avignon und wollte so bequemer herüberkommen. Die Brücke jedoch ist laut einer Legende nach einem Hirtenjungen benannt, der die göttliche Weisung hatte, hier eine Brücke zu bauen und den ersten Grundstein legte. Später erfuhr man, das es ein Händler war, der zu seinen Gunsten die Brücke nutzen wollte. Egal ob nun Päpste, Hirten oder Geschäftsleute die Brücke bauen ließen, hier auf der Brücke wurde früher getanzt, insbesondere wenn ein Hochzeitszug darauf entlang ging. Aus dieser Zeit stammt das bekannte Lied, welches oftmals umgedichtet wurde.

Der große Papstpalast ist ein riesiger Bau mit eher nackten und unscheinbaren Gemäuern. Nur mithilfe des am Eingang erhaltenen Tablet-Guides mit viel Technik können wir erahnen, wie prachtvoll einmal alles ausgesehen haben muss. Die Stadt Avignon innerhalb der langen Stadtmauer ist lebendig. Viele Menschen, kleine Fußgängerzonen, teure Geschäfte, Souvenirläden, Cafés, kreative Maler und Künstler sowie etliche Touristen prägen das Bild und es herrscht ein emsiges Treiben an allen Tagen. Besonders schön ist der Park „Rocher des Doms“ an der Kirche „Notre Dame des Doms“. Hier stehen viele schöne Skulpturen, Blumen blühen gerade, ein Wasserfall lädt zum Verweilen ein und der Blick von oben auf die Insel „Ile de la Barthelasse“ /„Ile de Piot“ sowie die dahinter befindliche Neustadt von Avignon ist wunderbar. Von ferne sehen wir den Turm „Tour Philippe le Bel“ sowie die Festung „Fort Saint André“.

Beim nächsten Regentag fahren wir in die Nähe von Vellaron. Dort besucht Susanne einen kleinen privat geführten Schmetterlingsgarten – zum Wärme tanken und subtropischem Schmetterlings  – Betrachten. Währenddessen hüte ich das Bett, da eine Grippe im Anflug ist (kein Wunder bei dem Regen).

In Pernes – les – Fontaines finden wir auf einem Weingut einen ruhigen Nachtplatz. Als der Regen gegen Abend aufhört, traut sich Susanne kurz heraus, um zu ergründen, woher der Lärm kommt. Direkt gegenüber des großen Weinguts findet ein BMX-Turnier statt. Viele Kinder und Jugendliche sind hier mit ihren BMX-Rädern und Angehörigen und fahren über Pisten und Hügel trotz des Matschwetters.

In dem kleinen Bergdorf Fontaine – de – Vaucluse werden wir bei Sonnenschein mit einer herrlichen Aussicht auf die dortige „Quellgrotte“ und den klaren Bach belohnt. Die engen Wege lohnen sich, auch wenn das Fahren hier ziemlich anstrengend ist.

Ein paar Kilometer weiter halten wir unterhalb des Ortes auf dem Stellplatz von Roussillon. In das Dorf dürfen keine Wohnmobile fahren. Also gehen wir zu Fuß den Berg hinauf zu den berühmten „Ockerfelsen“ und dem Dorf mit den ockerfarbigen Häusern. Sie leuchten tatsächlich allesamt orange-rötlich im Sonnenlicht; ein lohnenswerter Abstecher.

Zurück in Richtung des Meeres kommen wir nach Aix – en – Provence; einer Universitätsstadt, in der tatsächlich mehr als 30 % Studenten leben. Überall in den Straßen laufen uns junge Menschen über den Weg, es gibt viele Bars, unzählige Cafés und Restaurants, die alle vom „Jungvolk“ belagert sind. Wir wundern uns, denn die Preise sind nicht gerade studentenfreundlich (z.B. eine kleine Tasse Kaffee kostet 4,50 €). Beim Flanieren durch die Altstadt stoßen wir ganz oft auf goldene, in den Weg eingelassene Steine. Diese goldenen Steine markieren besondere Stationen des Malers Paul Cezanne, wie sein Geburtshaus, Schulen die er besuchte, Cafés und seine letzte Bleibe auf dem Friedhof Saint – Pierre. Cezanne liebte die Provence und Aix. Er durchstreifte diese Landschaft und fand hier viele seiner Kunstvorlagen. Picasso sagte über Cezanne: „Er ist der Vater von uns allen!“

Wir betrachten die große Kathedrale „Saint Sauveur Aix – en – Provence“, die schöne und sehr große alte Gemälde an den Wänden sowie eine türkisfarbene Orgel aufweist (die gefällt Susanne besonders gut). In dieser Kirche fand 1906 die Beerdigung von Paul Cezanne statt. Es gibt in der Stadt viele Brunnen, manche sind alt und mit Skulpturen verziert; andere sind modern und wir rätseln, was sie darstellen sollen. Der Belfried (Glockenturm) gleich neben dem historischen Rathaus sieht mit der Sonnen- und Zeituhr sehr interessant aus. Auch die anderen sehenswürdigen Gebäude laden zum Verweilen und Betrachten ein und wir können uns gut vorstellen, dass die Studenten sich in dieser Stadt wohlfühlen.

Die größeren Städte in der Provence scheinen keine Wohnmobile zu mögen. Das merken wir sehr häufig auf der Suche nach geeigneten Stellplätzen oder wenigstens einem Parkplatz (ohne Höhenbegrenzung). Marseille ist fast komplett untertunnelt und als wir wieder herausfahren, liegt die Stadt zu weit hinter uns, als das wir mit den Rädern hineinfahren wollten.

Ebenso ergeht es uns in Toulon. Stundenlang kurven wir durch diese Stadt und finden nach dem Tunnel endlich einen Platz in einem Industriegebiet. Dort gibt es auch direkt eine Bushaltestelle mit dem Bus, der uns zurück in das Zentrum fährt. Es ist mal wieder ein bedeckter grauer Tag mit leichtem Nieselregen, so dass wir auch nicht die größte Lust zum Betrachten der sehenswerten Gebäude haben. Die Kathedrale, das große Theater und der Hafen sind ganz nett anzuschauen. In den kleinen Fußgängergassen stoßen wir auf ein gestrandetes Schiff – es ist allerdings aus Stein gebaut, wirkt aber an der Häuserwand sehr echt. Auf dem Rückweg kommen wir an einem Museum vorbei, das eine „imaginäre Ausstellung“ zeigt, die wir uns ansehen. Viele verschiedene Künstler haben hier ihre Werke ausgestellt, die sie früher zum Unmut der Menschen an Straßenmauern und Wänden gesprüht hatten und die jetzt zum genussvollen Betrachten auf Leinwänden ausgestellt sind. Die Hafenstadt Toulon hat sicher mehr zu bieten, jedoch der stärker einsetzende Regen lässt uns die Besichtigungstour beenden.

Dank Juliane aus Le Clapier, die uns einen Reiseführer von „France Passion“ schenkte, in dem viele Winzer und Landwirte autonomen Wohnmobilisten wie uns kostenlos einen Stellplatz auf ihrem Grundstück anbieten, finden wir auf einigen Weingütern nette Übernachtungsplätze. Hier erwerben wir manches Mal regionale und selbst hergestellte Ware, wie zum Beispiel Olivenöl, Marmelade, vegetarische Brotaufstriche und wir kommen stets ein wenig mit den Eigentümern ins Gespräch.

Im Departement „Alpes Maritimes“ lernen wir die hohen Berge zu respektieren und unsere Schutzengel haben sowohl Hochsaison als auch Überstunden. Einspurige und enge Straßen durch Berge, die an die 800 Meter Höhe reichen, rechts die Felsenvorsprünge, die oft weit in die Straße hineinragen und links der steile unbefestigte Abhang hinunter und dann noch entgegenkommende  Autos. Susanne meint, dass ich große und hoch konzentrierte Manövrierarbeit leiste, während sie sich zitternd am Sitz festkrallt und betet.

Wir lassen bewusst die Touristenstädte Saint – Tropez, Cannes und Nizza aus – dieses Mal – vielleicht fahren wir ja irgendwann noch einmal in einer wärmeren Zeit hierhin.

Kurz vor Ostern unternehmen wir noch einen kleinen Abstecher in den Zwergstaat Monaco und dann geht’s nach Italien.

Dort feiern wir das Osterfest mit hoffentlich mehr Sonne – in jedem Fall aber voller
Freude und Dankbarkeit, dass wir bis jetzt gut behütet und bewahrt blieben.

Seid ganz herzlich gegrüßt und allen wunderschöne und besinnliche Ostertage wünschen

SuMi aus dem TrauMobil

Auferstehung = Ostern

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