Tour de France – Teil 4 – Südfrankreich

Kaum haben wir Spanien verlassen wird es windiger. Das spüren wir zunächst in Sainte – Marie – La – Mer, einem kleinen Ort mit Strand und Stellplatz, aber auch nicht viel mehr – und im Hintergrund die weißen Schneeberge der Pyrénées Orientales; das sieht im Glanz der Sonne richtig schön aus.

Der Franzose auf dem Stellplatz, ein am Bodensee aufgewachsener Franzose, der sehr gut deutsch spricht, und wie es uns scheint dies endlich am Stellplatz mal wieder nutzen kann, gibt uns unzählige Ratschläge. Er kennt halb Frankreich und überhäuft uns mit guten und Nonsens-Tipps. Seit Jahren schon steht er immer von Dezember bis Mai auf diesem Stellplatz und hilft dem Betreiber mit seinem „Fachwissen“. Womöglich wollen die Franzosen von ihm gar keine Ratschläge mehr haben, also gibt er sie unwissenden Deutschen weiter. Einer seiner Ratschläge bringt uns „Camperanfänger“ dann doch in’s Grübeln: Die spanische Gasflasche, die noch halb voll ist, können wir laut ihm in Frankreich nicht umtauschen – schon gar nicht ohne Beleg; na toll! Das hätten wir wissen sollen. Also zurück die 30 Kilometer nach Spanien und die Gasflasche bei der nächsten Repsol-Tankstelle abgeben – geschenkt – weil wir auch hier wegen des fehlenden Belegs kein Pfandrückgeld bekommen – großer Mist.

Zurück über die offene Grenze ohne Probleme, unterwegs eine französische Gasflasche gekauft und einen Platz für die Nacht gesucht. Dieses Mal haben wir Glück und finden trotz vorgerückter Stunde auf einem kostenlosen Stellplatz (sogar mit Strom) in La Palme unsere Nachtruhe. Mit uns campen weitere zwei Womos hier direkt an kleinen Salzseen und einem stillgelegten Salzwerk. Das Restaurant ist geschlossen wegen Umbau; es ist ein wenig einsam, aber sehr ruhig.

Am nächsten Morgen beim Frühstück stellen wir erschrocken fest, dass die neue Gasflasche fast leer ist. Hatten wir sie falsch angeschlossen, ist ein Leck irgendwo? Es riecht auch etwas nach Gas und am Rand der Flasche hat sich eine Eisschicht gebildet. Nach dem Frühstück drehen wir den Hahn zu und stellen fest, sie ist undicht; Mist, wieder eine neue Flasche kaufen. Beim nächsten Tankstopp wird uns erklärt, dass wir diese Gasflasche nur an denselben Tankstellen, wo wir sie gekauft haben, zurück geben können; oh nein – ganz großer Mist.

Wir landen total genervt an einem weiteren Salzseen-Ort auf einem Stellplatz am Rugby-Stadion für nur 5,00 € pro Nacht. Für Frankreich ist das tatsächlich nicht viel, die Preise steigen in den größeren Orten. Zunächst nutzen wir unsere deutsche Gasflasche, bis wir die richtige Tankstelle gefunden haben. Hier in Peyriac de Mer sehen wir sie: Jede Menge Flamingos in den ehemaligen Salzseen. Der kleine Ort scheint Touristen extra für diese Seeluft und die vielen Wanderwege dort entlang anzulocken, denn die Wege sind praktischerweise durch lange verbundene Holzwege auf Pfählen im Wasser angelegt.

Einmal wandern wir bis hoch zum Berg und auf der Rückseite wieder herunter. Das einzige Café im Ort hat wegen der Saison oder aus welchem Grund auch immer geschlossen, die Kirche ist dunkel und muffig und die Post ist gerade wegen Inventur auch zu. Beim Durchlaufen des Ortes kommen wir an kleinen, alten und teilweise verlassenen Häusern vorbei. Da fällt uns das eine hübsch mit Blumen geschmückte Haus direkt auf. Vor dem Haus steht eine kleine Bank, daneben Tisch und Stühle. Aha, doch noch ein Café. Die Frau, die gerade aus der Tür schaut, begrüßt uns freundlich. Wir sprechen sie an, ob dieses ein Café sei – nein, es ist ihr Haus. Sie erzählt uns ein wenig vom Dorf, von den Seen und von den Flamingos und bedauert für uns, dass die Post zu hat. Als sie erneut hört, dass wir nur ein Café suchten, um einen Kaffee zu trinken, bittet sie uns freundlich in ihr Haus und zeigt uns den bereits in der Kaffeemaschine fertigen Kaffee. Vivienne, die alleine in diesem Haus wohnt, schenkt uns Kaffee ein in ihrem Wohnzimmer, das voll bespickt ist mit Fotos von ihr, ihren Kindern, Karnevalserinnerungen und anderem Schnickschnack. Wir plaudern – soweit das mit unserem Französisch geht – über das Reisen, über ihre Kinder, die 200 Jahre alte Standuhr und das schöne Haus, in dem sie schon geboren wurde. Zum Schluss bedanken wir uns herzlich für den Kaffee und sie freut sich sehr, dass wir ihr Gesellschaft geleistet haben. Später entdecken wir im Ort doch noch eine alternative Crêperie und lassen uns die vegetarischen „Gallettes“ (Buchweizen-Crêpe) schmecken.

Eigentlich hatten wir uns jetzt noch einmal mit Michèle und Marc in Gruissan treffen wollen (Michèle, Susannes französische Brieffreundin, besuchten wir bereits im September letzten Jahres und sie wollten mit ihrem Wohnmobil kommen, um uns noch einmal zu treffen). Doch leider ist ihr Vater, der dieses Jahr 90 Jahre alt geworden wäre, vor ein paar Wochen gestorben und verständlicherweise bleiben sie nun bei der Mutter in der Bretagne. Wir bedauern das sehr; Michèles Vater war ein lustiger und charmanter Mann, der trotz seines hohen Alters uns bei unserem letzten Besuch seine Lebensgeschichte bespickt mit Witzen erzählte. Wir nehmen Anteil an der Trauer der ganzen Familie und sind dankbar, dass wir ihn noch einmal sehen durften.

So fahren wir nach Narbonne zu einem anderen Stellplatz, nachdem einige Kleinigkeiten an unserem TrauMobil vom dortigen Wohnmobil – Händler repariert und ausgebessert worden sind. Bis in die Innenstadt schaffen wir es leider doch auch diesmal nicht zu Fuß und der nächtliche Platz entpuppt sich als viel zu laut.

In Beziérs stehen wir bei einem Weingut mit kostenloser Weinprobe von den Winzern, die uns freundlich aufnehmen. Hier besuchen wir die schöne große Altstadt mit der Kathedrale, von deren Glockenturm wir einen tollen Blick auf die Stadt und die Umgebung haben. Mit den Rädern fahren wir entlang des Canals du Midi zur Schleusentreppe: „Les 9 Ecluses de Fonseranes“. Neun Schleusentore mit einem Höhenunterschied von 21,50 Metern bei einer Strecke von 300 Metern im Canal du Midi locken viele Touristen an. Das dieses Werk schon im 17. Jahrhundert gebaut wurde, ist besonders beeindruckend und klar ist daher, dass es zum Unesco – Weltkulturerbe gehört. Praktischerweise fuhr gerade ein Schiff hindurch, als wir dort waren.

Wir erwähnten bereits, dass die Stellplätze teurer werden, in Montpellier ist das z.B. der Fall. Außer den schmalen und engen Straßen, in denen auch noch während wir hindurchfahren ein Straßenmarkt stattfindet (zum Glück hilft uns ein Marktverkäufer, die engen Stellen zu passieren) finden wir auch nach langem Suchen keinen Platz.

Also müssen wir außerhalb stehen und fahren schließlich frustriert zum übervollen Stellplatz in Palavas – de – Flots. Auf diesem Stellplatz für hundert Wohnmobile finden wir schließlich am späten Nachmittag doch noch einen Platz für uns, mit Toilette und muffiger Dusche, aber für 17,00 €. Dafür erleben wir noch einen Kostümumzug im Ort, der sich jedoch nicht mit unseren Rheinländischen und schon gar nicht mit dem Kölner Zooch messen kann. Fünf kleine Wagen mit Papierdekofiguren und geschminkten Damen darauf, keine Kamelle, nur ein paar Konfettiwerfer. Wir beschließen, nicht mehr nach Montpellier zu fahren, da von hier aus auch keine öffentlichen Verkehrsmittel angeboten werden und es mit dem Fahrrad zu lang und zu gefährlich an der Schnellstraße ist.

Stattdessen fahren wir an einen kleinen See – Lac du Salagou – bei Clermont L’Herault. Unser Handynavi findet den Weg nicht direkt und führt uns in die Irre. Als der Weg immer schmaler wird, über drei sehr eng begrenzte Brücken führt und die Felswände in den Kurven soweit in den Weg ragen, dass mindestens an einer Seite unseres TrauMobils Kratzer und Schrammen sein würden, beschließen wir, umzukehren. Rückwärts aus der Enge, bis zur nächst breiteren Stelle und dann mit viel Hin und Her – Vor und Zurück – wenden – klar dass in diesem Moment sowohl von vorne als auch hinter uns jeweils ein Auto ankommt. Beide Fahrer warten zum Glück ohne Stress und kommen irgendwie eng an uns vorbei. Zurück auf der normalen Straße suchen und finden wir den besseren Weg und landen dann an dem schönen kleinen Bergsee. Der gesamte große Platz (eigentlich nur eine relativ ebene Stelle direkt am See- aber als Stellplatz ausgewiesen) ist mit roter Erde bedeckt, gut das es nicht regnet und bis auf ein weiteres Wohnmobil stehen wir in dieser Landschaft alleine – abgeschieden von Stadt und Lärm. Der rabenschwarze Abendhimmel über uns ist übersät mit vielen Millionen Sternen und draußen hört man Frösche quaken.

In der kleinen Stadt Bédarieux ist es ebenfalls sehr nett. Der kostenlose Stellplatz liegt direkt am Fluss Orb. Gegenüber ist eine Hochschule, aber das Gebrabbel der Schüler stört uns nicht. Über die Brücke radeln wir zum Bäcker mit reichhaltiger Ware, zum „Lidl“ und zur Nachbarschaftshilfe, einem Secondhandladen, der soziale Zwecke unterstützt. Direkt neben unserem Stellplatz findet an einem der Tage, die wir hier stehen, ein Boule-Turnier statt. Etliche Männer spielen dieses Spiel und deren Gebrabbel ist bald lauter als das der Schüler. Sehr interessant sind einige der kunstvoll bemalten Häuser, bei denen man erst beim näheren Betrachten feststellt, dass es ein Gemälde ist.

Bei einer Radtour in die nahe gelegenen Berge fahren wir querfeldein und gelangen völlig abgelegen über holprige Steine zu roten Felsen und wilden Thymianbüschen.

Wir stellen wieder einmal fest, dass auch oder oft gerade die kleinen unscheinbaren und von Touristen nicht überfüllten Dörfer ihren ganz besonderen Charme haben. So fahren wir zum Beispiel ins kleine mittelalterliche Dorf Lunas, welches am Fluss Le Gravezon liegt. Hier ist ebenso ein See mit Enten, Schwänen und Wasserratten und dem Bach Ruisseau de Saint – Georges. Auf einem unserer Wanderungen durch den Ort und die umliegenden Berge kommen wir zur gleichnamigen Ruine der Chapelle Saint Georges, dem ältesten Gebäude dieses Dorfes. Dann geht’s hoch auf den Berg zur weißen Marienstatue und den dahinter befindlichen Ruinen einer ehemaligen Festung. Beim Abstieg erreichen wir das „Herz des Ortes“ – den ältesten Teil des Dorfes aus dem 11. Jahrhundert. Die alten Brücken, Torbögen und blumengeschmückten Häuser sehen als Gesamtbild schön und irgendwie gemütlich aus. Gegenüber am Berghang hat ein kreativer Mensch – leider nur von weitem zu sehen – lebensgroße echt aussehende Figuren mit ihren Handwerkstätigkeiten aufgestellt; so echt wirkend, dass wir mehrmals hinschauen müssen, um uns zu vergewissern, dass es keine lebenden Menschen sind.

Abschließend gehen wir noch in das alternativ aussehende Restaurant, in dem wir auch tatsächlich ein reichhaltiges vegetarisches Menü bekommen. Dieses Dorf hat nur etwa 600 Einwohner, aber es kommen jährlich viele Besucher, um den schönen kleinen Ort zu sehen.

Auf unserem Weg durch die Berge sehen wir plötzlich etwas golden glitzern: Es ist ein „buddhistischer Tempel“. Wie wir bei der Außenbesichtigung erfahren, ist es der größte in Europa. Leider ist eine Innenbesichtigung in diesem Monat noch nicht möglich, ein Rundgang um das Gebäude und die buddhistischen Skulpturen lassen uns erahnen, wie schön es im Inneren aussehen könnte.

Ein paar wenige Kilometer weiter kommen wir nach Le Clapier, einem noch kleineren Ort mit weniger als 50 Einwohnern. Dort besuchen wir Juliane samt ihrem Lebenspartner Louis und deren kleinen Sohn Emil. Juliane war vor vielen Jahren in der selben Schulklasse mit unserer ältesten Tochter Silja. Sie lebt nun seit ihrem Freiwilligen Dienst nach der Schule hier in Frankreich, bewirtet uns und wir dürfen auf ihrem Grundstück stehen.

Juliane zeigt uns ihr kleines Dorf und als die Schafe der Schäferin Christelle von der Weide zurück in den Stall kommen, dürfen wir mit hinein, Lämmer streicheln und tatsächlich einer Geburt zuschauen. Vor unseren Augen bringt ein Schaf ihr erstes Lamm zur Welt. Das war sehr beeindruckend. So etwas hätten wir sicher nicht in einer Großstadt zu sehen bekommen. Wir haben uns gefreut, Juliane und ihre Familie einmal wieder zu sehen, mit ihnen zu plaudern und gemeinsam ein paar nette Stunden zu verbringen. Hiermit danken wir noch einmal für die Gastfreundschaft.

Seid genauso gespannt auf unseren nächsten Bericht wie wir und lest, wo wir dann gelandet sind.

Aus der guten bergischen Landluft in Frankreich grüßen wir herzlich

Eure SuMi im TrauMobil.

5 Antworten auf „Tour de France – Teil 4 – Südfrankreich“

  1. Bitte gebt uns Rückmeldung, wenn der Blog zu lang ist oder zu viele Bilder enthält. Feedback ist wichtig für uns und die weiteren Einträge. Besten Dank. SuMi im Regen 🌦 😚

  2. Haben gerade euren letzten Bericht gelesen und können uns deiner Tochter nur anschließen. Mit den Fotos ist es sehr lebendig und man fährt irgendwie ein Stück mit.
    Viele Grüße und weiterhin eine schöne Reise 🧳 Claudia und André

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