Gibraltar – Klein England – vor dem Brexit

Wie geplant besuchen wir Gibraltar, jedoch nicht mit unserem TrauMobil, sondern zu Fuß und mit Bus. Wir parken unser „Haus“ auf dem in der Grenznähe befindlichen Großstellplatz unmittelbar zum Meer in Linea de la Conception. Der Platz ist nicht schön, aber reicht uns zum Nächtigen für 5 € und in knapp 15 Minuten zu Fuß sind wir an der Grenze.

Ohne Probleme und nur mit einem kurzen Blick in unsere Personalausweise – und schon sind wir im „Kleinstaat“ Gibraltar, welches ein britisches Überseegebiet ist. Es liegt auf einer Landzunge ganz unten im Süden von bzw. hinter Spanien. Man glaubt es kaum, aber dieses winzig kleine Land mit einer Fläche von 6,5 km und dem Felsen von Gibraltar, dem „Upper Rock“ – allerorts gerne „the rock“ genannt, ist überfüllt mit Hochhäusern und etlichen Wolkenkratzern. Daher sind die Straßen teilweise recht schmal. Jedoch herrscht hier „Rechtsverkehr“, wie im restlichen Europa auch.

Zunächst müssen wir kurz hinter der Grenze an einer Schranke warten, denn die breite Querstraße ist die Fluglande- und Startbahn von Gibraltars Flughafen. Die Piloten haben nur eine kurze Strecke zum Herab- und Hochkommen und für uns ist es interessant, das startende Flugzeug so aus der Nähe betrachten zu können.

Dann ist alles sehr englisch hier. Die Busse sind rot, ebenso die typischen Telefonhäuschen, man spricht englisch und bezahlt in Pfund und Shilling. Mit einem Bus lassen wir uns zum „Point of Europe“ fahren. Hier haben wir eine herrliche Aussicht vom südlichsten Punkt Europas herüber nach Marokko. Der rot-weiße Leuchtturm wie ebenso die weiße große Moschee heben sich gut ab gegen den blauen Himmel und das azurblaue Meer. Da dennoch ein heftiger Wind hier am Zipfel von Europa herrscht und man beides weder erklimmen noch besichtigen kann, nehmen wir nach dem ausgiebigen Schauen und Fotografieren den Bus zurück zur „Mainstreet“.

In einem kleinen Pancake- Restaurant lassen wir es uns gut schmecken, spüren aber beim Bezahlen den Unterschied zum spanischen und vor allem portugiesischen Preis. Gibraltar ist ebenso wie England teuer – wie wird es nach dem Brexit erst sein? Die nette junge Bedienung will es sich gar nicht ausmalen, wie das bald werden soll; keiner hier in Gibraltar will den Brexit. Da wir für die kurze Zeit keine Gibraltar- Pfund eingetauscht haben, zahlen wir mit unseren Euros drauf.

Am nächsten Tag fahren wir mit einem aus England stammenden Guide in seinem Sprinter den Berg hoch zu den „Berberaffen“. Gibraltar ist der einzige Ort in Europa, an dem Affen freilebend vorkommen. Deswegen nenn man Gibraltar auch den „Affenfelsen“. Apropos Felsen, der Rock ist ein 426 m hoher Kalksteinmonolith und nur für die kleinen PKWs der Guides führt ein sehr schmaler Weg bis zum Gipfel; andere Fahrzeuge sind nicht erlaubt – und wer wollte das auch schon? Sicher „schraubt“ sich unser Guide die schlängelnden Pfade teils erklärend und gestikulierend für diese und jene landschaftlichen Aussichten höher und höher bis zum Affenfelsen. Er hat vorsorglich ein paar Erdnüsse in seiner Hosentasche für die Berberaffen mitgenommen, damit diese nicht neugierig nach unseren Taschen und Rucksäcken greifen. Ich hab einmal einen kleinen Affen auf meinen Armen sitzen, aber der ist nur an den Nüssen interessiert und Micha vergisst mich rechtzeitig mit dem Tier zu fotografieren. Wir schauen interessiert und eher skeptisch herab auf diese Großstadt, sowie auf die gegenüber befindliche spanische Stadt Algeciras (hier so heißt es, kommen immer noch täglich sehr viele Flüchtlinge von Afrikas Seite an.) Das Meer glitzert in der Sonne und sieht freundlich aus, doch der Wind weht sehr heftig hier oben.

Zurück in der Stadt mit etlichen Geschäften, der schönen und eher schlichten Kirche  „Cathedral of Saint Mary the Crowned“, der Synagoge (geschlossen für Besucher) und einigen wenigen Orangenbäumen, nehmen wir noch Platz in einem kleinen Café am Platz „Grand Battery“. Wir ärgern uns über das unfreundliche, (arbeits-) lustlose Personal, die nicht vorhandene Toilette und den total überteuerten Preis für den Kaffee und zwei einfache Teilchen. Auf dem Rückweg verdunkelt sich der Himmel und wir kommen gerade noch rechtzeitig vor dem starken Regen in unser TrauMobil.

Tatsächlich herrscht also auch hier in Gibraltar ein wenig englisches Tiefklima – vom Wetter her gesehen. Die Niederschlagsrate ist von Dezember bis Februar sehr hoch und die Sonnenstunden eher gering – im Vergleich zu der spanischen Costa del Sol. Gründe genug für uns, keinen weiteren Tag hier verbringen zu müssen. Es war interessant zu sehen, wie die Menschen sich auf diesem kleinen Flecken Land quetschen; wir vermuten, dass fast alle hier lebenden Menschen in einem Hochhaus wohnen müssen –  wir wollten hier in keinem Fall leben. Das weithin erkennbare Wahrzeichen von Gibraltar, der „Rock“, ist aber auch im Dunkeln ein sehenswertes Merkmal.

Für uns geht’s jetzt quer durch Andalusien; einer Landschaft, die voller Gegensätze steckt. Doch davon demnächst mehr in unserem Reiseblog.

Allen eingefrorenen Daheimgebliebenen und anderen netten Bekanntschaften (z.B. auch die während unserer Reise) senden wir warme und liebe Grüße,

SuMi und das bunte TrauMobil

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