Die Algarve

Bevor wir nun die herrliche Landschaft der Algarve verlassen, noch dieser kleine Nachtrag, bereichert mit Fotos.

Die Algarve liegt in der südlichsten Region Portugals und zählt zu den meistbesuchten Landesteilen – zumindest im Winter. Spätestens hier trifft man alle Camper (und Touristen) an den Küsten des Atlantiks, in jedem Falle diejenigen, die vor dem nasskalten Winter fliehen. Zum Glück gibt es an den unzähligen Stell- und Campingplätzen genug Platz für alle, sodass man nicht beengt nebeneinander stehen muss. Im Sommer ist es möglicherweise wie mit den Sardinen, die hier eng einander in bunten Dosen allerorten als kulinarische Spezialität angeboten werden.

Wir finden hier viele Nationalitäten, den Löwenanteil nehmen jedoch die deutschen und die britischen Camper ein, die letzteren laut eigener Aussage noch ein letztes unkompliziertes Mal, bevor der von allen hier von uns getroffenen Engländern beschimpfte Brexit in Kraft tritt.

An der Algarve werden europaweit die meisten Sonnentage gezählt, das durften wir zum Glück auch erleben. Außer den vielen Dünen und Sandstränden an den Küsten bietet die Vegetation vor allem im Landesinneren winterharte Korkeichen, allerorts Orangenbäume, Feigen-, Johannisbrot-, Mandel-, Lorbeer- und Eukalyptusbäume. Die zahlreichen herrlich anzusehenden Palmen, Pflanzen und Blumen wachsen oft wild und erfreuten uns stets beim Betrachten. Besonders Susanne blieb auf unseren Fahrradtouren oftmals dann stehen und studierte diese sehr genau, um mich dann immer wieder damit zu überraschen, wenn sie den genauen Namen wusste, den ich noch nicht einmal erraten würde. Sie wurde dann auch sehr produktiv, indem sie wilden Thymian und Rosmarin trocknete und einige Gerichte damit schmackhaft zubereitete.

Wie schon im letzten Blog berichtet, fuhren wir über Aljezur und verbrachten ein paar Tage in diesem kleinen Ort. In Budens bei Figueira kurierte Michael seine wahrscheinlich während der Farmarbeit erworbene Grippe aus, während Susanne mit den Nachbarn musizierte und zum nächsten kleinen Ort Salema radelte; auch hier entdeckte sie einen herrlichen Strand. Leider musste sie aufgrund des plötzlich platten Reifens die knapp fünf Kilometer zum Stellplatz bergauf das Rad zurückschieben. Später baute dann die „hauseigene Reparaturwerkstatt“ einen sogenannten unplattbaren Reifen ein; mal sehen, ob das Versprechen des Herstellers hält.

Der Eingang des Stellplatzes in Budens

In Alvor erlebten wir zunächst einige Tage direkt am herrlichen Atlantikstrand und lernten die sehr netten schottischen Nachbarn Robert und Mary kennen. Am „Praia Tres Irmaos“ („Strand drei Brüder“, drei kleine Felsen) konnten wir bei Ebbe zwischen diesen Felsen gut hin und herlaufen, mussten jedoch die Zeiten der Flut beachten, da sonst der Weg zurück nur noch mit Schwimmen möglich war; einmal mehr lernten wir Respekt vor Naturgewalten zu haben.

Die Weihnachtsfeiertage verbrachten wir zusammen mit Jelka (die uns für eine Woche besuchte) auf einem Campingplatz, auf dem wir einen Stellplatz für unser TrauMobil, aber auch ein kleines Häuschen gemietet hatten. Um flexibler bei unseren Ausflügen zu sein, hatten wir uns ein kleines Auto für eine Woche geliehen. Das von Jelka sehnlichst erwartete Schwimmen im Winter im Atlantik traute sie sich dann tatsächlich zusammen mit Susanne, ich war nicht so mutig.

Unser nächstes Ziel war Lagos mit einem charmanten Stadtzentrum mit Fußgängerzone umgeben von antiken maurischen Wällen und mit einem schönen Hafengebiet. Ein Muss für jeden Besucher ist eine Grottentour, dem konnten wir uns auch nicht entziehen. Da aufgrund der Winterzeit nur wenige Touristen hier waren, hatten wir ein Ausflugsboot für uns alleine. Es war eine Grottentour – und Susanne war es aufgrund der vielen Wellen grottenschlecht; sie fand „Halt“ an der Haltestange und an Jelka. Der Blick auf die unzähligen Grotten entschädigte dann aber doch, sie sind wunderbar. Wir konnten viele von ihnen sehen, da unser Bootsführer sehr mutig (wie er uns später erklärte) nach Abzählen der Wellen den richtigen Moment abpasste, um mit dem Boot durch enge Bögen – teilweise mit dem Bootsrand nur 10 cm entfernt von den Felsen – zu fahren; also es war in jeder Hinsicht ein Erlebnis. Jelka und ich gingen dann noch bei herrlichem Sonnenschein auf teilweise schmalen Küstenwegen zum Leuchtturm, alles in allem eine wunderschöne Landschaft.

In Barao de Sao Joao besuchten wir noch den sogenannten „Hippiemarkt“. Er wurde uns schon von anderen Campern empfohlen und er heißt wirklich so. Ursprünglich als nicht genehmigte Ansammlung von „Hippies“ mit Camperfahrzeugen entstanden, entwickelte sich daraus mit der Zeit ein richtiger Markt, wo viele sehr kreative handgearbeitete Kunstwerke angeboten werden. Außerdem gab es eine Vielzahl von köstlichem Essen und so nutzten wir die Zeit und schlenderten über den Markt und kauften ein wenig und nahmen auch viele Anregungen mit.

In Sagres besuchten wir eine der zahlreichen Töpfereien, die direkt an der Straße liegen; viele schöne bunte Keramiken waren dort anzuschauen, aber wir erstanden nur einige Teile, da wir ja auch immer an unseren begrenzten Platz denken müssen. Über viele Holzstufen gelangten wir später dann noch zum „Praia do Beliche“: In der Sonne liegen, zu Fuß kleine Höhlen erkunden, einfach herrlich! Bei dem Ausflug zum „Cabo de Sao Vicente“  – dem südwestlichsten Punkt Europas – erlebten wir einen herrlichen Sonnenuntergang.

Nach einer wunderschönen Zeit mit Jelka brachten wir sie wieder zum Flughafen nach Faro und sie kehrte nach Berlin zurück. Anschließend verbrachten wir Silvester weiterhin in Alvor. Nach einem leckeren „chinesischen“ Essen fuhren wir mit den Fahrrädern zum dortigen Strand und wünschten Robert und Mary, die immer noch dort standen, ein gutes neues Jahr. Die Nacht war tiefschwarz und wir warteten gespannt. Tatsächlich begann das Feuerwerk wirklich erst um Punkt 00:00 Uhr – nicht so wie in manchen Orten in Deutschland bereits eine halbe Stunde eher – und es war auch nur sehr spärlich. Wir zündeten unsere mitgebrachten Wunderkerzen an und begrüßten das neue Jahr in mitgenommenen Decken, da es doch deutlich kühler als tagsüber war. Fröstelnd radelten wir dann die 2,5 Kilometer zurück zum Campingplatz.

Anfang Januar fuhren wir dann weiter durch Lagoa – wo wir eigentlich an Weihnachten den angekündigten, aber dann doch nicht stattgefundenen Weihnachtsgottesdienst besuchen wollten   – weiter nach Boliqueime. Bei allen Erlebnissen müssen wir immer auch unsere Versorgungssituation mit Gas zum Kochen und Heizen im Auge behalten und so suchten wir die im Internet mehrfach genannte Werkstatt von Pedro auf, um unsere deutsche Gasflasche auffüllen zu lassen; später erstanden wir hier auch noch einen speziellen Adapter, um anderorts auch eine Auffüllung vornehmen zu können. Wir hatten viele Dinge in der Vorplanung bedacht, aber vieles ergibt sich halt erst im Verlauf der Reise – so sind wir jetzt wieder ein wenig schlauer.

Unsere nächste Station war Quarteira, zehn Meter unter uns das Meer, herrlich langer und wunderschöner Sandstrand. Die Felsen, auf denen wir mit den anderen Campern standen, sind rötlich und in der Abendsonne herrlich anzusehen. Hier trafen wir Burkhard und Ingrid aus Deutschland und standen neben einer englischen Kleinfamilie, deren Kinder Susanne neugierig beim Bemalen unseres TrauMobils beobachteten (jaaaa, ich hatte es endlich auch begriffen, das es so viel schöner und vor allen Dingen persönlicher aussieht). Die kleine Peggy wollte danach auch ihr Wohnmobil bemalen, die Eltern lehnten das aber lachend ab. Hier standen wir eine Woche, genossen den Strand, die rote untergehende Sonne und das vegetarische Restaurant in der Nähe.

Nach einem herzlichen Abschied von den beiden Deutschen, den Engländern und den Schweden begaben wir uns etwas ins Landesinnere nach Moncarapacho auf den Stellplatz von Francesco; es ist ein sehr ruhiger und angenehmer Platz gegen geringe Bezahlung mit Strom, Dusche, Toiletten, Spülbecken, Waschmaschine, Trockner und „Trockenspinnen“.  Manch‘ andere Stellplätze können sich hier von eine Scheibe abschneiden, auch von der sehr persönlichen Betreuung durch Francesco, der sich rührend um alles kümmerte. Unsere holländischen Nachbarn – und wir auch –  saßen täglich in strahlendem Sonnenschein draußen, Susanne verschönerte weiter unser TrauMobil, ich fuhr zum örtlichen Friseur, wir spielten Spiele und lasen viel….wir genossen es einfach, hier zu sein, insbesondere mit dem Wissen um heftigen Schneefall in Teilen Deutschlands.

Von der Stadt Tavira mit kurzem Stopp gelangten wir schließlich über die große Brücke, die über den Fluss „Guadiana“ nach Spanien führt; inmitten des Flusses ist die Grenze und schon waren wir in Andalusien.

Doch zunächst möchten wir nach Gibraltar fahren, davon berichten wir im nächsten Blog.

Viele Grüße!

SuMi in der Sonne vor dem TrauMobil

2 Antworten auf „Die Algarve“

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