Farmarbeit

Nachdem wir im letzten Blog mit unseren eigenen üblichen Tagesarbeiten geendet haben, beginnen wir diesen Blog nun mit unserem kurzen Bericht über unsere Farmarbeit.

WWOOF (World Wide Opportunities on Organic Farms) ist ein weltweites Netzwerk aus freiwilligen Helfern und ökologisch bewirtschafteten Höfen.

Hier erhält man Einblick in die von Kleinbauern und Selbstversorgern getragene ökologische Landwirtschaft, kann mehr erfahren über ökologischen Land- und Gartenbau, erlebt artgerechte Tierhaltung und Selbstversorgung auf dem Land, kann sich auseinandersetzen mit der Bewahrung unserer natürlichen Lebensgrundlagen und erhält neue Kontakte mit Menschen aus aller Welt.

Wir haben uns bereits auf unserer Reise über das Internet bei WWOOF Portugal angemeldet; dafür wird ein Jahresbetrag von 15,00€ fällig (die Inhaber der Farm müssen ebenfalls einen Jahresbetrag bezahlen – 25,00 €). Dann können wir uns verschiedene Profile von ökologisch bewirtschafteten Höfen in Portugal anschauen und Kontakt zu dem Hof aufnehmen, der auf unserer Route liegt und der uns von seiner Beschreibung zusagt.

Wir entscheiden uns, unsere Farmarbeit in „Quinta do Souto“ in der Nähe von „Ferreira do Zezere “ zu leisten.

Insgesamt bleiben wir vier Wochen dort mit einer Unterbrechung von einer Woche, da die Gastfamilie  aus privaten Gründen in ihr Heimatland Belgien gefahren ist.

Farmarbeit bei WWOOF heißt, wir erhalten dort Kost und Logis und verrichten Arbeiten, die auf der Farm gerade anfallen.

Die Farm „Quinta do Souto“  ist 12 Hektar groß mit vielen Eukalyptus-, Oliven-, Orangen-, Maronen- (Esskastanien), Walnuss-, Apfel-, Birnen-, Feigen- und Quittenbäumen, Kohl, Tomaten, Kräutern, Salat und einigen Tieren (Esel, Pony, Hühner, Enten, Schafe und Ziegen).

Wir werden sehr herzlich von der fünfköpfigen Familie empfangen (Jehoshua, Rivkah, Joke, Jonas und Joram). Wer diese Namen liest merkt vielleicht, dass diese Namen hebräischen Ursprungs sind. Unsere Gastfamilie pflegt ihre jüdische Tradition mit jüdischen Essensgebeten und der Feier des Shabbat am Samstag, beginnend mit dem Sonnenuntergang am Freitagabend; an Shabbat wird nicht gearbeitet. Wir haben parallel dazu auch immer zu den Mahlzeiten unsere christlichen Gebete gebetet und so ist es immer eine gute Gemeinschaft; auch das Chanukka-Fest erleben und feiern wir hier mit.

Wir haben uns entschieden, trotz des Angebots eines eigenen Zimmers in der Farm in unserem TrauMobil zu schlafen, können aber alle Räume der Farm – Badezimmer, Küche, Wohnzimmer etc. – nutzen.

Am ersten Tag zeigen uns Rivkah und Jehoshua bei einem „Spaziergang“ die vielen Felder und Flächen und wir kommen aus dem Staunen ob der Größe nicht heraus.  Anschließend beginnt bereits unsere erste Arbeit mit dem Pflanzen von Kohl und Physalis. In den Folgewochen leisten wir vielfältige Arbeiten wie Tomaten ernten, Hühnerstall ausmisten, Schafszaun bauen, Türen streichen, Oliven ernten und verarbeiten, Näharbeiten und vieles mehr. Wir sind eigentlich den ganzen Tag über beschäftigt, weil uns die Arbeit Freude macht. Allerdings merken wir abends auch, wie sehr uns diese für uns doch ungewohnte Arbeit sehr anstrengt und wir fallen müde ins Bett. Am nächsten Morgen werden wir dann oft schon von „Heidi“ der Eselin geweckt, die sehr lautstark von ihrem Gatter meldet, dass sie gerne gestreichelt werden möchte.

Insbesondere das Pflücken und Verarbeiten der Oliven ist sehr aufwendig:

Nach dem Pflücken werden die Oliven nach deren Reifegrad (grün, rot, schwarz) sortiert und die wurmstichigen Exemplare aussortiert. Mindestens zwei Wochen werden sie gewässert (tägliches Wechseln des Wassers), schließlich in Öl und Kräutern je nach Geschmack eingelegt. Für einen Liter Olivenöl benötigt man je nach Sorte und Reifegrad etwa fünf bis zehn Kilogramm Oliven; ein aufwendiger Prozess. Das zeigt uns, dass billiges Olivenöl mit großer Wahrscheinlichkeit auch gepresste Maden enthält, da einfach oft alles verarbeitet wird. Wir verstehen nun auch, warum biologische Oliven ihren Preis haben  müssen.

In der Woche, die wir zwischendurch wieder alleine unterwegs sind fahren wir nach“Tomar“, „Obidos“ und „Peniche“.

Wir besuchen  in Tomar das Christuskloster („Convento de Cristo“), das auch zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Es handelt sich hierbei um eine Kombination von Burg und Kloster der Tempelritter auf einem Hügel westlich über der Stadt, der nach der Auflösung des Templerordens im Jahr 1312 an den Christusorden überging und dessen Zentrum war. An einem Tag erleben wir die Außenanlagen in strömendem Regen und verschieben die weitere Besichtigung dann auf den Folgetag, an dem wir auch die Räumlichkeiten innen besichtigen und über die schiere Anzahl der Räumlichkeiten für die damaligen vielen Mönche erstaunt sind. Unsere Gastfamilie hatte uns vorgeschlagen, die Synagoge in Tomar zu besuchen; diese stellt sich aber als nur ein einziger ziemlich kleiner und fast leerer Raum heraus, wo es eigentlich nichts zu besichtigen gibt. Am letzten Tag in Tomar erhalten wir bei einer kleiner Rundfahrt mit einem sogenannten „Tuktuk“ (das ist ein Moped mit Fahrersitz und hinten zwei Sitzen) mit dem Fremdenführer Louis seltene Einblicke und Informationen über das große Aquädukt. Er ist ein sehr spontaner und lustiger Typ – immer für einen Spaß zu haben. Er fährt mit uns aus der Stadt heraus und  fragt uns zwischendurch immer wieder, ob wir ein Abenteuer haben wollen und nach unserer Zustimmung fährt er dann mit uns im „Safaristyle“, d.h. wir beide stehend, fast doppelt so schnell über Schlaglöcher, in Kurven und enge Gassen, es macht uns viel Spaß.

In Obidos finden wir einen Stellplatz direkt am Aquädukt, der von der Stadt zwar eingerichtet, aber nicht sonderlich gepflegt ist; dafür muss man jedoch eine Gebühr bezahlen, also aus unserer Sicht nicht empfehlenswert.

Der Ort selbst ist für seinen erhalten gebliebenen, vollständig von begehbaren Stadtmauern umgebenen und von blumengeschmückten Gassen durchzogenen historischen Ortskern bekannt.  Hier erleben wir im Umkreis der Burg und der Stadtmauern erste weihnachtliche Gefühle, da beide bereits jetzt mit Lichterketten geschmückt sind und im Burghof erste Hütten für einen Weihnachtsmarkt aufgebaut werden.

Peniche liegt auf einer Halbinsel geprägt durch eine hohe Steilküste, die nur im Hafenbereich und am nördlichen Ende flach zum Meer hin abfällt. Man kann hier sehr gut surfen, da es hier beeindruckende Wellen gibt, die wir bei schönem Sonnenschein auch bewundern können. Am westlichsten Punkt von Europa befindet sich das Cabo Carvoeiro mit einem Leuchtturm, von wo aus die im Atlantik liegende Inselgruppe der Berlengas sehr gut sichtbar ist.

Eine Weile arbeiten wir alleine mit der ältesten Tochter Joke zusammen auf der Farm, da die restliche Familie noch nicht aus Belgien zurückgekehrt ist (siehe oben).

Anfang Dezember verlassen wir die Farm, nicht ohne uns von dieser netten Familie zu verabschieden.

Nun geht es weiter in den Süden von Portugal – nach den vielen unerwarteten Regentagen hier in Portugal sehnen wir uns nach sonnigen Tagen – , genauer gesagt zunächst in Richtung Lissabon; das wird dann dort ein ganz anderer Eindruck sein als die Farmarbeit, aber dazu mehr im nächsten Blog.

Für mehr Informationen zur Farm:

http://hop-permaculture.com

SuMi im TrauMobil

 

3 Antworten auf „Farmarbeit“

  1. Die Farm sieht ja aus wie ein kleines Schloss! Klingt alles super spannend und aufregend und ich freue mich, dass ihr so viele neue Erfahrungen macht. Ist bestimmt mal was anderes so auf nem Bauernhof, als in euren vergangenen Jobs 🙂
    Bis ganz ganz bald :-*

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