Croeso, Cymru, Diolch & Hwyl Fawr

Alles klar ? Das ist walisisch; übersetzt heißt dies: Welcome (Willkommen), Wales (Wales), Thank you (Danke) & Good bye (Auf Wiedersehen). Letzteres haben wir nun vor weniger als ein paar Tagen zum Campingplatzbesitzer in Cardiff, der Hauptstadt von Wales, sagen können, zumindest haben wir es versucht…. doch halt, der Reihe nach.
Von Schottland sind wir ja zunächst in strömendem Regen wieder nach England zurückgefahren. In Nord Yorkshire in Ripon begrüßen und empfangen uns allerherzlichst Brenda und Malcolm. Brenda war in den 60 ern eine Studienkollegin von Irmgard (Susannes zweiter Mutter) und wir bekamen freundlicherweise die Adresse von ihr. Es ist schon spät und das liebevolle Ehepaar umsorgt uns, als ob wir uns ewig kennen würden. Wir werden eingeladen im Gästezimmer des hübschen Hauses zu nächtigen und uns wie zu Hause zu fühlen; das nehmen wir gerne an. Solch große Räumlichkeiten haben wir seit einigen Wochen nicht gehabt.

Am Morgen geweckt vom Sonnenschein und einem so reichhaltigen Frühstück wie es in manchem Hotel nicht gibt, machen wir uns  gestärkt auf, mit den Fahrrädern Ripon zu erkunden.  Brenda und Malcom überlassen uns ihren Schlüssel und einige Stadtführer, da sie an diesem Tag selbst nicht bei uns sein können.

So unscheinbar sich diese Stadt anhören mag, sie ist wahrhaftig einen Besuch wert. Falls einmal jemand in den Norden von England fährt, sollte diese Stadt dringend mit auf seiner Liste stehen.

Es hat unter anderem freundliche Bewohner: Der Besitzer des Fahrradladens hilft unseren Rädern mal wieder ordentlich Luft zu bekommen, plaudert mit uns, möchte nichts für das Aufpumpen haben und wünscht uns gute Weiterfahrt; oder die freundliche und uns zugewandte Inhaberin des Restaurants „Wilfrid’s“ (benannt nach dem Bischof Wilfrid von York, der die Kathedrale als eine der ersten Steinkirchen Englands erbauen ließ). Wir genießen leckere „baked potatos with coleslaw“ (gefüllte gebackene Kartoffeln mit Krautsalat) und lernen so ein weiteres klassisches Gericht kennen. Besonders freut Micha sich im unscheinbar wirkenden Juwelierladen, in dem ohne großen Aufwand seine kaputte Armbanduhr bis zum nächsten Tag für nur zehn Pfund repariert werden kann.

In der Mitte des Marktplatzes steht der älteste freistehende Obelisk des Landes. Er wurde 1702 errichtet und jeden Abend um 21 Uhr bläst nach der Tradition (seit über 1100 Jahren) an den vier Ecken des Obelisk ein Stadtwächter auf seinem Horn. Heutzutage ist es ein freiwilliger Hornbläser und kein Stadtwächter, der diese Aufgabe übernimmt. Wir haben ihn selbst erlebt und uns im Anschluss mit ihm eine Weile über diese schöne Tradition unterhalten.

 

Wunderschön anzusehen ist der Kurpark „Spa Garden“ am alten Schwimmbad. Überall entdecken wir Hinweise von „Alice im Wunderland“ und erfahren später, das der Vater des Autors Lewis Carroll in der Kathedrale zu Ripon einen „eigenen“ Platz mit dem geschnitzten (weißen) Hasen aus der Geschichte „Alice im Wunderland“ hatte; er war Beisitzer im Kirchenrat.

 

Bei der Besichtigung des ehemaligen Gefängnisses im heutigen Polizeimuseum erleben wir, wie es sich anfühlen kann,  in Gefangenschaft zu sein.

 

Die riesige Kathedrale zeigt und erklärt uns Malcolm ausführlich am nächsten Tag. Wir können uns nicht sattsehen an den vielen herrlichen Holzschnitzereien und Figuren  und fragen uns auch hier immer wieder, wie die Menschen im Jahr 672 und auch später solcherlei wunderschöne Werke schaffen konnten. Mehrmals wurde die Kathedrale durch Brand oder Kriege zerstört und stets erneuert und erweitert. Dadurch sind mehrere Baustile zu entdecken. Wir nehmen in einem kleinen Seitenflügel an einem schlichten Wortgottesdienst teil und können nur mithilfe des Gebetsbüchleins der Liturgie folgen, indem uns ein Minister (Presbyter) stets die richtige Seitenzahl zeigt.

 

Nach einem von Brenda zubereiteten Lunch zeigen beide uns ein außergewöhnliches Naturmonument: Die „Brimham Rocks“, riesige gewaltige Steinbrocken, die wie zufällig übereinander gesetzt da stehen und alle Betrachter zum Staunen, Erklimmen und Entdecken locken. Brenda und Malcom erklären uns, das vor Jahrtausenden an dieser Stelle einmal ein Fluss floss und nach der Eiszeit diese Steine einfach stehen blieben und nun je nach Blickwinkel und Phantasie eine Sphinx, einen Wachhund, ein Kamel, eine Schildkröte oder einen tanzenden Bären erkennen lassen. Gigantisch und beeindruckend!

 

Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus, denn Ripon hat noch mehr zu bieten: Die ehemalige Klosteranlage „Fountains Abbey“ (Großbritanniens größte Klosterruine und Weltkulturerbe) und den wunderschön angelegten Park mit Seen. Von der Klosteranlage hat man einen direkten Blick bis zur Kathedrale in Ripon. Das war absichtlich so geplant und gebaut, denn ursprünglich war die Kathedrale eine Klosterkirche.

Wir hätten noch tagelang in Ripon bleiben können. Es ist eine wunderschöne Stadt am Fluss „Skell“ gelegen mit außerordentlich sehenswerten Häuser und liebenswerten Menschen.

Doch es zieht uns weiter Richtung Nordwesten nach Wales. Viele Waliser erklären uns, dass Schottland von den Touristen öfter geschätzt und als eigenständiges Land gesehen werde; aber die Waliser ebenso stolz auf ihr Land und ihre Kultur seien. Das erleben wir vor allem bei den Sprachbildern: Jedes Schild ist in englisch und walisisch geschrieben. Der rote Drache vom Wappen von Wales findet sich an jedem Bus und an jeder Einkaufstüte wieder.

Als wir durch die kleinen touristenüberfüllten Städte Prestatyn und Rhyl fahren, bekommen wir zunächst a) einen Schrecken und b) keinen Stellplatz für unser Wohnmobil; erst in der ebenso vollen Stadt Towyn/Abergele können wir bleiben. Endlich kann Susanne das vom Markt gekaufte frische Gemüse samt dem gelben Cheddarkäse zu einem gelungenen Mahl zubereiten.

Von hier aus fahren wir nach Llandudno und dem Berg „Great Ormes“. Mit einem Oldtimerbus von 1967 erleben wir eine Bergtour. Gut, dass Micha diese Wege nicht mit unserem TrauMobil gefahren ist: Beim Blick aus dem Busfenster auf der schmalen Straße hinunter in die Tiefe der Irischen See wird’s uns leicht  mulmig.

 

 

Wir erfrischen uns am Strand mit den Füßen im Wasser und fahren weiter nach Conwy. Hier wird es sehr eng, als wir durch das alte Tor der Stadtmauer fahren (nur mit eingeklappten Spiegeln und Luft anhalten) und erleben bald danach eine herrliche Aussicht vom hohen Turm der mittelalterlichen Burg. Interessant ist auch die berühmte „Telford Bridge“, von der gesagt wird, dass vor langer Zeit über viele Jahre hinweg ein einziges Ehepaar Tag und Nacht die Brücke bewachte und sie für die Besucher öffnete.

 

Am nächsten Tag, einem Sonntag, nehmen wir teil an einem besinnlichen Gottesdienst in der  „St. Marys Parish Church“ in Towyn mit Liedern, die uns an unsere Gospelchorzeit erinnern. Nach dem Gottesdienst spricht uns eine Kirchenmitarbeiterin an und wir werden sogar eingeladen zum anschließendem Lunch zu bleiben. Anregend unterhalten wir uns über den Gottesdienst und werden von ihr herzlich verabschiedet. Solcherlei Begegnungen wünschen wir uns immer und überall!

Wir radeln lange am Strandweg entlang, bis das Wetter umschlägt, es nieselt etwas und im TrauMobil ist es dagegen trocken.

Wir sind so nah an Liverpool – wir würden es uns nie verzeihen, einmal kurz zum Entstehungsort der Beatles gefahren zu sein. Im „Beatles Museum“ an einem der vielen Docks am Hafen erfahren wir die komplette Story der „Fantastic Four“.

 

Jetzt geht’s abwärts – in den Süden. Nach fürchterlich langem Baustellenstau, unendlich vielen Kreiseln und einem erschöpftem Micha erreichen wir Wales Hauptstadt Cardiff. Auch hier gibt es ein Castle: Ein prachtvolles Schloss samt Burganlage, bei dessen Besichtigung wir vom Prunk, Glanz und Glamour und dem vielen Gold geblendet sind. Das Schloss wurde aufgrund von mehrfachem Besitzerwechsel einige Male umgebaut und bekam dadurch immer wieder ein anderes Aussehen.

 

Im zweiten Weltkrieg überließ der Burgherr auf Bitten der Stadt die unterirdischen Wandelgänge für die Unterbringung von Flüchtlingen, die sich dort vor den deutschen Bomberangriffen in Sicherheit bringen konnten; diese Gänge können heute untermalt von historischen Geräuschaufnahmen (Fliegerangriffen) besichtigt werden – sehr beeindruckend und bedrückend!

Die letzten Besitzer, eine Familie „Bute“ mit großem Reichtum und Einfluss, schenkte 1947 die gesamte Anlage der Stadt Cardiff. Nach ihr wird auch ein Stadtteil sowie der wunderschöne „Bute-Parc“ benannt.

Durch die große „Queens Street“ flanieren wir durch alte Arkaden und weitere Fußgängerzonen mit alten und neuen Gebäuden und bewundern an vielen Ecken und Häusern wunderschöne Blumenarrangements.

Im „Waterloo – Tea“  probieren wir einen Spinatkuchen sowie Lemoncake und erfahren von der freundlichen Bedienung, die uns auf deutsch anspricht, das sie eine Deutsche aus Frankfurt ist. Sie lebt seit acht Jahren hier und überlegt, ob sie vor dem Brexit nicht wieder nach Deutschland zurück kehrt. Das Thema „Brexit“ beschäftigt viele Engländer sehr und insbesondere die Jüngeren sind sehr enttäuscht darüber.

Am „River Taff“ den Fluss entlang über die „Millenium Bridge“ kommen wir mit schmerzenden Füßen (Susanne) zu unserem TrauMobil zurück.

Damit ist unsere Waliser Zeit beendet und gleichzeitig unsere Route in Großbritannien. Es geht langsam zurück nach Dover zur Fähre. Nach einem kurzen Stopp mit Übernachtung in Newbury, einer Kleinstadt im Westen des englischen Countys Berkshire, verlassen wir das Land der Burgen und Schlösser, der Seen und Hügel, der prachtvollen Blumen und Pflanzen und der freundlichen Menschen.

Wir haben nicht vor, unsere Reise in diesem Tempo weiter durchzuführen und in solch gebündelter Form Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Es ist sehr anstrengend, insbesondere für den Fahrer: Lange Strecken von Norden nach Süden und quer durchs Land in kurzer Zeit zurückzulegen, aber wir sind dennoch um viele Erfahrungen und Erlebnisse reicher geworden.

Bald geht’s weiter nach Frankreich, mal sehen, was uns dort erwartet…

SuMi

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