Warum das Alles?

Gerade heute, wenn ich darüber nachdenke, was ich bei meinem Hausflohmarkt in der nächsten Woche alles verkaufen werde, bzw. möchte, schauert es mich fast. Was haben wir alles angesammelt? Was, so glauben wir, hat uns glücklich gemacht, zu denken es im Besitz zu haben? Wenn ich an das Leid und die Armut denke, die gerade Micha und Jesko auf Lesbos bei ihrer Flüchtlingshilfe erleben, komme ich mir schäbig vor und schäme mich für so viel „Kram“ und Unnötiges. Nun habe ich es aber aussortiert und hoffe, es mag dennoch jemand anderes Gefallen daran haben. Schließlich ist vieles davon ja auch für den einen oder anderen ein Gebrauchs- und/ oder Nutzgegenstand (war es zumindest bis vor Kurzem ja auch für uns). Diese Gedanken bestärken mich aber auch wieder in unserer Entscheidung, unser Vorhaben, unsere Reise nächstes Jahr in die Tat umzusetzen. Nicht als reiche Touristen wollen wir reisen (wenn wir es auch dennoch ein wenig sind); aber zumindest leben wir ja dann ähnlich wie Nomaden nur noch in unserem WOMO; und haben selbst sonst keine feste Bleibe mehr.

Das Haus in Sankt Augustin ist verkauft, bzw. so gut wie; lediglich der Vertrag

muss noch unterschrieben werden; eine höhere Anzahlung vom Käufer zu beider Seiten Sicherheit ist bereits erfolgt. Davon ( und von etwas mehr) konnten wir uns das WOMO kaufen und bereits nett und gemütlich einrichten. Eine „Jungfernfahrt mit Übernachtung“ hat bereits stattgefunden. Es war schön, nicht unbequem (auch nicht für Micha, der aufgrund seines oft nächtlichen Erwachens in Sitzposition kommen muss) und auch nicht zu kalt; lediglich der Stellplatz war in der Nacht etwas zu laut. Alle 5 Minuten flogen über uns die Flugzeuge- die Einflug-Schneise des Köln/Bonner Flughafens war direkt über uns. Das hatten wir nicht bedacht, nicht geahnt und merken uns das für unsere Reise – nie in die Nähe eines Flughafens.

Unser Plan zu reisen steht schon seit vielen Jahren fest – fest stand nur bisher nicht der Zeitpunkt. Jetzt ist er da. Also erst im nächsten Herbst 2018. Es gibt ja noch etliches vorzubereiten, zu planen, zu organisieren und zu arbeiten. Wir wollen nichts überstürzen und uns auch hiermit Zeit lassen. Das ist auch unser eigentliches Ziel: Zeit! Sie fliegt nur so dahin. Wie schnell sind unsere 35 gemeinsamen Jahre vergangen. Das sind die Jahre, die wir verheiratet sind, es müssen also noch mehr sein. Wir haben sie genossen und unserer Meinung nach sinnvoll genutzt. Mit Arbeiten, Haus bauen, Kinder kriegen und erziehen und vor allem (das Wichtigste!) zu lieben, weiter arbeiten; im Falle von Micha verschiedene Berufszweige zu testen, in meinem Fall verschiedene Kita-Stellen  zu haben (nacheinander, nicht gleichzeitig). Es war gut und wir haben sicher auch Fehler gemacht,  aber letztendlich und gesellschaftlich gesehen, haben wir uns gut angepasst – der Menge.

Doch nun möchten wir noch etwas anderes erleben. Nicht das tun, was die Menge, die Meisten tun. Arbeiten bis zum Umkippen oder bestenfalls bis zur Rente und dann umkippen oder noch ein paar Jahre im Altenheim verbringen. Wir werden ja auch zunehmend älter und wir merken es jetzt schon, die Zeit bleibt nicht stehen. Wer weiß denn schon, was noch kommt in den nächsten Jahren? Unsere Kinder sind erwachsen, haben z.T. eigene Familien gegründet, stehen auf eigenen Beinen, im Beruf, im Studium, im Leben. Sie finden uns mutig, sind stolz auf uns und wissen, dass wir immer für sie da sind – egal wo wir uns befinden. Das Dasein begrenzt sich ja nicht auf die Räumlichkeit. Wir fallen ja nicht aus der Welt.

Wir reisen in die Welt. Nun ja, zunächst begrenzen wir uns auf Europa. Unser Plan mit dem WOMO in andere Länder zu fahren, um dort vor allem andere Menschen kennenzulernen, deren Lebensweisen, deren Kultur, Essen usw. Wenn wir dabei neue Kontakte knüpfen können, soll uns das mehr als recht sein. Vielleicht können wir irgendwo mithelfen, wenn es Arbeit gibt; z.B. auf dem Feld, im Stall, wo auch immer man uns etwas anbietet – für ein Brot, eine Flasche Milch oder am besten einen günstigen Stellplatz. Wenn nötig müssen wir auf Camping/ oder andere zahlbare Stellplätze ausweichen und uns auf unsere Räder schwingen, um dann von den dortigen Touristen weg, doch die „Einheimischen“ kennen zu lernen. Aber auch Touristen können ja bereichernd sein. So haben wir z.B. bei unserem diesjährigen Urlaub in Italien am Lago Maggiore bei einem Ausflug zum Berg“Mottarone“ hoch oben in 1491 m  die aus England stammende Gill, samt ihrer Mutter kennengelernt. Sie luden uns spontan nach 1,5 Std. Unterhaltung im Bergcafé zu sich nach Epsom ein. Das schlagen wir natürlich nicht aus.

Andere ehemalige Bekanntschaften aus Ländern, wie z.B. die immer noch bestehende französische Brieffreundschaft aus meiner Realschulzeit wird es sicher auch möglich machen, einen Abstecher in die Bretagne zu unternehmen. Wer weiß, in wieviele Länder wir fahren werden? Es ist nicht unser Ziel alle 48 europäischen Länder bereist zu haben und dort schnell die Hauptstädte zu sehen, Fotos zu klicken und weiter zu eilen.

Sich Zeit nehmen, Zeit haben, zu sehen, zu entdecken, die Natur und Landschaften genießen (weshalb wir vorzugsweise nicht über die Autobahnen brettern wollen, sondern wenn möglich über Landstraßen fahren) und Menschen begegnen. In Austausch kommen und gerne auch eine gute Weile dort bleiben, wo es schön ist und wo man uns gerne haben mag. Wie lange das sein wird, wissen wir nicht, planen wir noch nicht. Zurück kommen wir, wenn wir genug gesehen haben, wenn wir gesättigt sind oder (schlimmstenfalls) wenn das Geld zu ende ist. Das ist der Traum, den wir gerne wahr machen wollen. Im nächsten Jahr, im Herbst 2018. Soviel zunächst zu unserem Vorhaben und warum das Alles in diesem unserem Blog.

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