Unser Weg in den Alpen

Da sind wir wieder. Nachdem wir einen kurzen Stopp in Germania eingelegt haben, fuhren wir zunächst wieder zurück nach Italien und zu unserem Zuhause – dem TrauMobil. Gründe waren diverse Arzttermine für uns beide mit Jahresgesundheits-Checks, Zahnarzt, Krankenhaus – Routineuntersuchung für Michaels Achalasieerkrankung und vor allem die Feier des 70. Geburtstages von meiner Schwester in Bonn.

Sie hatte uns schon letztes Jahr dazu eingeladen und wir nahmen die Einladung an. Auch ein Besuch in Köln bei unserer ältesten Tochter samt Mann und unseren beiden Enkeln war ein Muss und die Wiedersehensfreude groß.

Da wir nur eine knappe Woche in Deutschland waren, konnten wir nicht alle und jeden besuchen. Falls sich jemand deshalb vernachlässigt fühlt, bitten wir herzlich um Verständnis. Unser TrauMobil ließen wir in dieser Zeit auf dem Campingplatz in Turin; dort gibt es eine tolle Unterstellmöglichkeit, die wir nutzten. Wir fuhren hin und zurück bepackt mit schweren Rucksäcken mit der Bahn und mehrmaligem Umsteigen sowie in Deutschland mit üblicher Verspätung.

Doch nun zurück zu unserer Reise. In Italien hatten wir bereits kurz nach dem ersten Eintreffen im kleinem Ort Ormea, der in der Region Piemont zwischen Schneebergen liegt, nette Italiener kennengelernt. Stephano, der Verwalter des neu angelegten Stellplatzes direkt am Flüsschen Tanaro, half uns sofort, eine italienische neue Gasflasche zu finden. Mit seinen guten Englischkenntnissen bat er Michael freundlich in seinem Wagen Platz zu nehmen und fuhr mit ihm zum kleinen Haushaltswarenladen in der einzigen Einkaufsstraße, der auch Gasflaschen verkaufte. Er brachte ihn auch kurz darauf inklusive Gasflasche wieder zu mir zurück. Wir tauschten noch mancherlei Infos aus in einem Mix aus Italienisch, Englisch und Deutsch und zum Abschied luden wir ihn als Dank zum Frühstückskaffee am nächsten Tag ein. Leider konnte er nicht kommen, er hatte echt viel zu tun, denn Ostern stand bevor und die Blumenbeete mussten  alle fertig bepflanzt werden. Ich hinterließ einige bunte Ostereier am Baum, nachdem wir Abends trotz der Abendfrische grillten und draußen aßen. Die Schneeberge in der Ferne von der Sonne beschienen sehen schon sehr beeindruckend aus; der „Antoroto“ zum Beispiel ist 2.144 Meter hoch; aber ich wollte dennoch nicht weiter oben in den Bergen sein.

So beschlossen wir gemeinsam keinen weiteren Zwischenstopp einzulegen, sondern direkt nach Turin zu fahren.

Wir hatten schon wesentlich früher im Wissen nach Deutschland zu reisen per Internet den Unterstellplatz für unser TrauMobil reserviert; doch nun war es doch einige Tage früher. Doch dieses war für die Familie Costa kein Problem. Herzlich wurden wir von der jüngsten Tochter, die in den Ferien an der Rezeption aushilft, begrüßt. Auch der Inhaber, ihr Vater Marco Costa, begrüßte uns freundlich und zeigte uns einen schönen Stellplatz auf der Wiese mit Hinweis auf die dort bereits stehenden Stühle und den Tisch; klar, den Platz nahmen wir gerne.

Jeden Morgen wurden wir fröhlich und nett mit „Buon Giorno“ begrüßt und der Chef persönlich fuhr mit seinem Rad oder dem kleinen Golfmobil an allen Campern vorbei, um sich zu erkundigen, ob alles in Ordnung sei. Mit dem Shuttle-Kleinbus fuhr er oder sein ältester Sohn uns und die anderen Camper je nach Wunsch und vorherigem Eintrag ins Buch bei der Rezeption zur nächsten Bushaltestelle. Mit dem Bus ging es ca. 40 Minuten in die schöne Stadt Turin. Wir erfuhren per Internet und von Marco, dass Turin die zweitgrößte Stadt in Italien sei und früher einmal kurz die Hauptstadt war. Im Schein der Sonne, die uns zu Ostern freundlicherweise beglückte, erstrahlten hier Kirchen, Brunnen und diverse Gebäude, der Palast und etliche Skulpturen.

Auf dem großen Platz am Palast direkt neben der Touristinformation wimmelte es von Touristen und Schaustellern, Musikern und fröhlich gesinnten Menschen. Wir sind einige Male an diesem belebten Platz vorbeigekommen und jedes Mal hielten wir an, um Trommelklängen, oder Bass und Ukulele mit Gesang zu lauschen, Feuerwerfern oder anderen kreativen und kuriosen Menschen zuzusehen, die hier ihr Können zeigten.

Das Osterfest, auch hier mit bunten Ostereiern am Baum bei unserem Stellplatz geschmückt, feierten wir voller Freude und mit Sonnenschein. Marco schenkte uns zwei Eier von den Hühnern des nahe gelegenen Bauernhofes. Ich hatte einen Kuchen (im Omnia-Topf) gebacken und seine Familie und uns damit beglückt. Wir nahmen an einem Abendostergottesdienst in Turin teil. Er fand zweisprachig in Italienisch und Deutsch statt mit einem deutschen Pfarrer, welcher seit acht Jahren in Turin eine kleine evangelische Gemeinde hat. Die Lieder, mal in Deutsch und mal in Italienisch gesungen, waren uns überwiegend bekannt, jedoch die Auferstehungspredigt kam nicht so ganz fröhlich herüber, zumal auch hier zweisprachig, und es erforderte eine hohe Konzentration der uns verständlichen Sprache zu folgen.

Ein besonderes Highlight war der Turm „Mole Antonelliana“. Das ursprünglich als Synagoge entworfene Bauwerk beinhaltet nun ein Kinomuseum, „Museo Nazionale del Cinema“. Es ist wegen der Vielfalt seiner Sammlungen eines der bedeutendsten Filmmuseen weltweit. Zunächst ließen wir uns mit dem gläsernen Lift bis ganz oben zur Aussichtsplattform in einer Höhe von 85 Meter fahren. Hier hatten wir einen atemberaubenden Blick über die Stadt Turin und zu den angrenzenden Alpenschneebergen. Das Museum erstreckt sich über mehrere Etagen. Es beinhaltet historische Reliquien der Filmgeschichte von den Anfängen des Kinos, Vorführungen, Lichtspiele, akustische Reize, Sammlungen von Filmpostern, Skizzen und Gegenständen, Schattenspiele der Laterna Magica, welche die Urgeschichte der sogenannten siebten Kunstform darstellte und spezielle Effekte der heutigen Zeit. Einfach richtig interessant, abwechslungsreich und toll gestaltet!

Wir gelangten hinter der Brücke, die über den Fluss Po führt, zum „Monte dei Cappuccini, von dem man ebenso eine tolle Aussicht auf die Stadt Turin hat und auf dem die große schöne Kirche „Chiesa di Santa Maria del Monte Cappuccini“ steht. Es gibt viele weitere interessante sehenswerte Gebäude, wie den Turiner Dom, in dem angeblich das „Leichentuch Christi“ aufbewahrt wird, etliche schöne Museen und Brunnen, doch es wäre zuviel von allem zu berichten. Wir genossen alle Tage in Turin und auf dem Campingplatz „Bella Torino“ (www.campingbellatorino.com). Wer einmal nach Turin zum Zelten oder Campen reisen mag, ist hier gut aufgehoben mit neuen Sanitäranlagen, Brötchenservice am Morgen, warmen Duschen und herrlicher Landschaft. Rundherum leuchten die weißen Schneezipfelberge, doch hier unten scheint eine warme Sonne und lockt Jeden heraus. Nach herzlichem Abschied fuhren wir nach fast drei Wochen weiter.

Stets in der Ferne noch die alpinen Schneeberge in Sicht landeten wir in Arona am Lago Maggiore. Der kostenlose Stellplatz direkt am See und Fährhafen nahe bei der Altstadt war zum Glück nicht überfüllt und wir parkten neben den drei bereits dort stehenden Wohnmobilen aus Italien und Frankreich. Dann stellten wir schnell fest, das wir hier im Ort Arona schon einmal waren. Es ist allerdings bereits mehr als zwanzig Jahre her. Wir waren damals mit unseren drei Kindern in der Nähe im Urlaub und statteten diesem Ort einen Besuch ab. Bei strahlendem Sonnenschein kraxelten wir also diesmal mit unseren Rädern den Berg hoch zum „San Carlo Borromeo“; einer von innen begehbaren über 30 Meter hohen Kolossalstatue aus Kupfer. Auch hier oben waren wir früher mit unseren Kindern. Beim Aufstieg der engen, schmalen und senkrechten Eisentreppe merkten wir nun allerdings doch den Altersunterschied zu damals. Puh, so eng und hoch hatten wir es gar nicht mehr in Erinnerung. Aber wir schafften es und hatten als Belohnung eine herrliche Aussicht auf den Lago Maggiore und die Berge dahinter. Die Statue ist zu Ehren des Erzbischofs von Mailand San Carlo errichtet worden und war bis zum Bau der Freiheitstatue in New York die  höchste von innen begehbare Statue der Welt. San Carlo war ein sehr wohltätiger und sich aufopfernder Mann, der sich für den materiellen und geistigen Beistand vor allem bei Hungersnot und Pest aufopferte. Er war sehr gottesfürchtig und schon im Alter von 22 Jahren Kardinal und Bischof. 1565 ernannte ihn Papst Pius zum Erzbischof von Mailand. Carlo Borromeo starb sehr früh im Alter von 46 Jahren an schwerer Krankheit, blieb aber bis zu seinem Tod seiner Arbeit und seinen Aufgaben treu. Gegenüber befindet sich die katholische Kirche „Chiesa San Carlo Borromeo“, in der wir weitere interessante Bilder und Informationen über San Carlo sahen und erfuhren.

An einem Tag fand der große Markt in Arona statt. Der Parkplatz wurde rappelvoll, es schien als wollten alle Italiener nur auf diesem Platz stehen und es war kein Fleckchen mehr frei. Einige Menschen betrachteten ausgiebig unser buntes TrauMobil und sprachen uns lobend darauf an. Klar, das wir auch zum Markt gingen. Auf diesem Markt bekommt man alles, was man braucht: Stand neben Stand, Jacke wie Hose, Fisch und Käse, Schnürsenkel, Blumen, Obst und Gemüse, Taschen und etliches mehr. Es herrschte ein Gewimmel von Menschen und wir mittendrin. Billig war es nicht einmal: Wir kauften zwei leckere kleine Brote, waren aber über den Preis von 8,00 € erschrocken. Vielleicht hat der Verkäufer aber auch von uns einen extra Touristenpreis verlangt. Der Tag flog nur so dahin und als wir in die Einkaufsstraße kamen, welche mit lustigen bunten Windrädern geschmückt ist, waren die meisten Geschäfte schon geschlossen. Wir genossen die restliche Sonne vor unserem TrauMobil am See und gegen Abend leerte sich auch allmählich der Parkplatz. Bald standen nur noch die inzwischen sechs Wohnmobile und wir hier. Bis in unser TrauMobil hörten wir das Rauschen der Wellen, die an die Ufersteine klatschen, wenn ein Ausflugsschiff auf dem See entlang fuhr. Hier könnte ich auch gerne länger bleiben, doch es zog uns weiter.

Wir fuhren über die Grenze in die Schweiz, dann weiter über den Luganer See und vorbei an Lugano, weil dort die Stellplätze unverschämt teuer sind.

Schließlich landeten wir in Bellinzona in der italienischen Schweiz. Die Stadt mit den drei mittelalterlichen Burgen „Castello Montebello“, „Castello di Sasso Corbaro“ und „Castellgrande“ sowie dem Fluss Fiume Ticino ist die Hauptstadt des südlichen Schweizer Kantons Tessin. Die Burgen bieten Blick auf die Stadt und die umliegenden Alpen. Wir lassen uns von einem kleinen Bähnchen bis hoch zu den Burgen fahren. Von oben bei den Burgen hat man einen tollen Blick auf die Stadt bis hin in der Ferne zum Lago Maggiore. Der Dom, sowie die nett bemalten Häuser auf dem großen Platz sind sehr schön anzuschauen und die ganze Altstadt sieht sauber und gepflegt aus. Das lecker aussehende Eis in einem Café hatte uns zwar sehr gelockt, aber der Preis pro Bällchen von 3,50€ schreckte uns dann doch vor einem Zuviel-Verzehr ab.

Von hier aus ging es noch ein Stück weiter zu einem anderen Ziel in der Schweiz, doch davon lest im nächsten Block.

Beste Grüße von den Bergen aus dem warmen TrauMobil Eure Sumi

2 Antworten auf „Unser Weg in den Alpen“

  1. Habe mir Moon River beim Frühstück angehört und an euch gedacht 🙂
    Und an den begehbaren Typen erinner ich mich tatsächlich noch. Wir hatten glaub ich ein Foto wo einer von uns aus der Nase schaut und der andere vom zweiten Nasenloch aus ein Foto macht!
    Ich weiß ja wo euer nächstes Ziel in der Schweiz ist, also falls ihr da noch seid viel Spaß und ich freu mich mehr von euch zu lesen :-*

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