Die Pyrenäen

Nun geht es hinauf in die Pyrenäen, zunächst zum Berg ‚Mont Louis‘; er liegt 1.600 m hoch und unser TrauMobil muss sich ganz schön

anstrengen, um diese Höhen zu erklimmen; allerdings kommen in Spanien noch ganz andere Herausforderungen hinzu, dazu später mehr.

Als nächstes möchten wir uns in Font-Romeu-Odeillo-Via den größten Solarschmelzofen der Welt anschauen. Der Weg ist arg verschlungen und wenig ausgeschildert. Als wir dort ankommen, sehen wir zunächst einen großen, aber leeren Parkplatz. Zusammen mit einer kleinen Katze, die uns dort begegnet, gehen wir dann einen kleinen Weg hinunter und stehen vor dem riesigen Solarschmelzofen, der uns durch seine schiere Größe sowie die großen Spiegel in seinen Bann zieht.

1970 wurde der Bau errichtet. Das System arbeitet mit 63 beweglichen  ausrichtbaren Planspiegeln (Heliostaten), die die Sonnenstrahlen auf einen Parabolspiegel von 2.000 qm bündeln, welcher sich aus 9.130 kleinen Konkavspiegeln zusammensetzt. So kann die Sonnenenergie konzentriert werden in einem Herd, in dem die Temperatur auf über 3.500°C steigen kann. Die Anlage besitzt weiterhin auf acht vorgelagerten Terrassen 63 bewegliche Planspiegel, von denen jeder aus 180 Spiegelsegmenten besteht. Diese Spiegel mit ihrer Gesamtfläche von 2.835 qm lenken ihre Strah­len auf den riesigen Parabolspiegel von rund 1.830 qm, der 54 m breit und 40 m hoch ist, in dessen Brennpunkt das Ofenhaus liegt.

Wir hätten uns gerne die Anlage auch von innen angesehen, vor allem, weil im Internet auch eine deutsche Führung und Erklärung angepriesen wird. Leider ist die Anlage bis auf weiteres geschlossen, da sie renoviert werden soll (dazu gab es keinen Hinweis im Internet). Also begnügen wir uns mit unseren Eindrücken und den von uns gemachten Fotos und fahren  dann kurz nach dem französischen Ort Bourg-Madame über die spanische Grenze nach El Pont de Bar. Bei der Fahrt über die Grenze wird uns wieder einmal bewußt, wie wunderbar ein Europa ohne Grenzen bzw. ohne Grenzformalitäten ist; wir hoffen und wünschen uns, dass wir das möglichst lange so genießen können, auch wenn viele „Abschotter“ in Europa gerade dagegen arbeiten.

In El Pont de Bar bleiben wir auf dem Campingplatz ‚El Pont d’Ardaix‘ an dem kleinen Flüsschen “El Segre‘. Wir stehen mit unsem TrauMobil direkt am Wasser und genießen es, im tosenden Wasser auf den Steinen im Oktobersonnenschein zu sitzen und das klare Wasser und die umgebende Natur zu bewundern.

Wir fahren dann über eine weitere Grenze, nämlich nach Andorra in die dortige Hauptstadt Andorra la Vella. 

Zunächst erweist es sich als schwierig einen für unser TrauMobil passenden Parkplatz zu finden. Da die Stadtoberen aber wohl die allgemeinen Parkplatzprobleme in der Stadt kennen, fahren mehrere Bedienstete mit entsprechenden Westen mit Kennzeichnung der Stadt auf kleinen Motorrollern umher; so ein netter Mensch hält dann plötzlich auch an unserem Fenster und geleitet uns dann zu einem passenden Parkplatz.

Die Stadt wimmelt von Menschen, die im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten die hier sehr günstigen Steuersätze ausnutzen und insbesondere Alkohol und Zigaretten dort erstehen. Wir sind keine Alkoholiker und Raucher, kaufen uns aber dann als Ersatz für unser sehr altes und defektes Fernglas ein neues Exemplar, um auch in Zukunft die Berge etc. noch besser sehen zu können. Wie wir bereits woanders schon mehrfach erlebt haben, sind auch hier die Kirchen geschlossen, die wir gerne besucht hätten.

Nach einem billigen Tankstopp überqueren wir dann erneut die spanische Grenze – nachdem die spanischen Grenzbeamten einen kurzen Blick in unser TrauMobil und einzelne Schränke geworfen haben, um zu sehen, ob wir nicht doch Alkohol oder Zigaretten dort bunkern würden – und nun erleben wir Serpentinen, enge Straßen mit Gegenverkehr und sehr steile Aufstiege. Unser TrauMobil schnauft auf den Berg ‚El Canto‘ in über 1.720 m Höhe (Susanne schnauft auch…). Später im kleinen Ort Gerry de la Sal finden  wir dann den Stellplatz am ‚Rio Noguera Pallaresa“, den uns unsere spezielle Stellplatz-App vorgeschlagen hat.

Gerry de la Sal ist die administrative Hauptstadt des Bezirks Baix Pallars und mittelalterlichen Ursprungs. Wie der Ortsname schon besagt, hat dieser Ort etwas mit Salz zu tun. Die ehemalige Salinenanlage arbeitet zwar nicht mehr, wird aber zurzeit restauriert und zwar mit den Geldern der ‚Unesco‘, da die Salinenanlage in das Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen wurde. Im Ortszentrum ist auch noch das „Salzhaus“ (jetzt ein Museum) erhalten, das die große Bedeutung der Salzgewinnung veranschaulicht, die dieses Produkt für die Wirtschaft der Gegend hatte; allerdings ist es zu unserer Besuchszeit geschlossen.

Eine Aktivierung des Ortes ist auch dringend nötig, wie wir auf einem Spaziergang zwischen den umliegenden Häusern feststellen: Wenige Häuser sind bewohnt, viele Häuser sind zu verkaufen und viele Häuser sind verfallen. Was allerdings auffällt ist, das im ganzen Ort an den Häusern und Mauern und Geländern die Kennzeichen des katalanischen Unabhängigkeitskampfes hängen.

Wir besichtigen noch einen kurzen Fußmarsch entfernt das Kloster ‚Santa Maria‘, das bis zum Jahr 1835 die bedeutendste Abtei des Bistums von Urgell war. Das Kloster selbst ist nur während der Sommermonate geöffnet, also müssen wir uns mit einem Gang über den Friedhof begnügen, der sehr alte Grabstellen aufweist.

Wieder geht es ziemlich hoch in die Pyrenäen, allerdings nicht so dramatisch wie oben beschrieben. Über leicht geschwungene oder zackige Bergspitzen, teils mit Nadelbäumen bewachsen, teils braun ohne jegliche Vegetation, die Felsen immer im rötlichen Farbton.

Über viele Haarnadelkurven fahren wir zunächst bis ‚La Pont de Suert‘, ab hier fahren wir auf einer anderer Strecke weiter, dort sind die Straßen breiter und bis ‚Benabarre‘ geht’s etwas mehr bergab (unsere Wohnmobil – Bremsen fangen bereits an zu riechen). Hier sehen wir herrliche, klare Seen, fahren durch viele Tunnel und erleben wunderbare Schluchten und Felsen.

Weiter geht’s über ‚Barbastro, ‚Peraltilla‘, ‚Angües‘ und im Regen durch ‚Huesca‘ zu unserem Tagesziel Jaca. Hier finden wir unsere Nachtruhe auf einem Stellplatz der Stadt nahe der Altstadt.

Dieser Aufenthalt wird uns etwas durch den Regen vermiest. Wir besichtigen trotzdem die ‚Castillo de San Pedro‘ aus dem Jahr 1552. Mit einer kleinen Besuchergruppe nehmen wir an einer Führung auf Spanisch teil, unterstützt durch laminierte deutsche Informationen, die wir am Ticketstand ausgehändigt bekommen. Auch im Ort selbst sehen wir viele Verkaufsschilder an Häusern, die zurzeit leer stehen. Die Kathedrale von Jaca gefällt uns überhaupt nicht, denn sie ist innen sehr dunkel und mit dunklen Steinen gebaut und wir können uns deshalb gut vorstellen, dass man hier im Beichtstuhl alles mögliche beichten wird, um schnell wieder heraus zu kommen.

Nach zwei Übernachtungen in Jaca fahren wir durch ‚Santa Cruz‘ auf steilen, kurvigen und engen Straßen zum ehemaligen Benediktinerkloster ‚San Juan de la Peña‘ in Aragonien aus dem 11. Jahrhundert.

Hier ein kleiner Live – Eindruck unserer Fahrt durch die Pyrenäen:

Im Lauf der Zeit kamen verschiedene Klöster und Kirchen dazu. 1675 brannte das Kloster ab, so dass an einem in der Nähe gelegenen Ort die neue Klosteranlage ‚Monasterio San Juan de la Pena‘ errichtet wurde. Sie enttäuscht uns ein wenig, da hier in der Hauptsache wie in einem Museum Ausgrabungen gezeigt werden und es nicht einmal Erklärungen in Englisch, Französisch oder Deutsch dazu gibt; wir hätten jedenfalls vom äußeren Anschein des Klosters drinnen etwas anderes erwartet.

Zu Fuß gehen wir zunächst etwa einen Kilometer zum Benediktinerkloster ‚San Juan de la Peña‘. Es ist spektakulär in den Felsen hineingebaut, wobei die Bergfelsen damals teilweise direkt als Decke genutzt wurden. Wieder einmal ist es uns unerklärlich, wie die Menschen dieses Wunderwerk früher geschaffen haben. Wir schauen uns den großartigen romanischen Kreuzgang  und die Gruft der Könige Aragoniens an. Laut Legende wurde hier der Heilige Gral verwahrt, der in einer Urkunde von 1071 erwähnt wird; heute steht hier eine Kopie des Grals zur Ansicht. In einer kleinen Ecke tropft Quellwasser den Fels herunter und laut der deutschen Erklärung mussten sich hier die Priester, die eine Sünde begangen hatten, hinstellen und eine bestimmte Weile Tropfen für Tropfen Wasser auf ihren Kopf rinnen lassen, um sich danach wieder eines Besseren zu besinnen. Gut, das es solche Vorgehensweisen heute nicht mehr bei uns gibt.

Unsere Tour geht nun immer mehr abwärts von den hohen Pyrenäen am  großen See ‚Aragón‘ vorbei an vielen Bergen und  Hügeln mit kleinen Städten darauf bis zu unserem nächsten Übernachtungsstellplatz in Pamplona.

Davon mehr in unserem nächsten Reisebericht.

SuMi im TrauMobil

 

6 Antworten auf „Die Pyrenäen“

  1. Es waren wieder wunderschöne Fotos. Ich bin schon gespannt zu welchen interessanten Orten euch eure Reise noch führen wird. Alles Gute und liebe Grüße Ursula

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